Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Bastard!

Girl Talk veröffentlicht Mash-Up-Album als Download mit freier Preiswahl

Stell dir vor: Genesis, Busta Rhymes, Outkast, Queen, The Cure, Beyoncé und die Jackson 5 in einem einzigen Song. Geht nicht? Geht doch. Girl Talk zeigen wie.

Eigentlich dachte man, das Bastard-Pop-Phänomen hätte sich nach seiner kurzen Blütezeit vor einigen Jahren wieder von selbst erledigt. Doch Mash-Ups sind im digitalen Zeitalter eine nicht mehr wegzudenkende Technik, Musik zu kreieren. Man denke nur an Rihannas Superhit "S.O.S." für den sie den Soft Cell-Klassiker "Tainted Love" zu Hack verarbeiten ließ. Wesentlich konsequenter geht der DJ Greg Gillis aus Pittsburgh auf seinem Album "Feed The Animals" zur Sache, auf dem er scheinbar unvereinbare Hits ineinander mixt und so etwas völlig Neues aus den ollen Kamellen schafft.

Das klingt zwar in vielen Fällen schon sehr wie durch den Reißwolf gedreht, Pop-Nerds werden aber ihre helle Freude am Erraten des Ursprungs der verwendeten Samples haben. Dass pro Song meist über 20 verschiedene Tracks zum Einsatz kommen macht die Sache allerdings nicht gerade einfacher. Eine genaue Auflistung für die Akten bietet Wikipedia.

Ob Gillis einen guten Anwalt besitzt, der in der Lage wäre, diese Samples zu klären, ist uns nicht überliefert. Zumindest dürften da einige Rechtsvertreter bereits mit der Hufe scharren. Doch dass Gillis sein Label "Illegal Art" nennt, scheint zumindest darauf hinzudeuten, dass er sich des Risikos voll bewusst ist und es darauf ankommen lässt.

Der Produzent veröffentlicht sein Album nun vorab als kommerziellen MP3 Download, wobei jeder den Preis selbst bestimmen kann. Und da er wohl weiß, dass der Großteil der "Käufer" 0 Dollar als Preis wählen wird, wird man anschließend gleich gefragt, warum man nichts bezahlen möchte. Das Album wird im September 2008 auch in physischer Form erscheinen und Gillis spekuliert wohl auf einen Radiohead-Effekt: deren Album enterte sofort die Top-Position der Charts, obwohl sie es vorher im Internet quasi verschenkt hatten.

Zum MP3 Download

Udo Raaf / Tonspion.de

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Gregg „Girl Talk“ Gillis unerschrockener Umgang mit Samples hat ihn zum bekanntesten Gesicht der Mash-Up-Kultur im Internet gemacht. Während andere auf ihrer Mash-Up-Vergangenheit eine florierende Karriere als Produzent "normaler" Musik aufbauen konnten, streitet Girl Talk weiter für den „fair use“ von Musik.