IFA 2003: Clipinc - gefährlicher als Napster?

Die Firma Tobit hat auf der IFA eine Software vorgestellt, die nach eigenen Angaben "gefährlicher als Napster" sein soll. Das Programm schneidet Radioprogramme mit und wandelt einzelne Titel in MP3 Files um. Der Clou: das Ganze soll absolut legal sein für alle die GEZ bezahlen.

Eine Tauschbörse mit legalen Downloads von bekannten Hits. Davon träumen sicherlich nicht wenige Musikfans. Tobit will jetzt die Lösung dafür gefunden haben und hat mit markigen Sprüchen seine Software Clipinc vorgestellt. "Schluß jetzt! Geben Sie kein Geld für etwas aus, für das Sie schon längst GEZahlt haben", so die Ankündigung von Tobit. Denn jeder Radiohörer bekommt Musik frei Haus, sofern er GEZ bezahlt und darf diese auch legal mitschneiden. Clipinc tut genau dieses und versieht die geschnittenen Tracks gleich automatisch mit Songinformationen in den so genannten ID3 Tags, die im Internet bereit gestellt werden. Das Programm soll vollkommen kostenlos sein und auch bleiben, da es die Firma selbst als "Abfallprodukt" ihres Produkts David Home bezeichnet, eines Kommunikationsservers, der Werbepausen aus digital aufgezeichneten Sendungen herausschneiden kann und auf dem gleichen Verfahren basiert.

Die Produktvorstellung wird begleitet von gezielten Angriffen auf die Musikindustrie, die nach Ansicht der Firma nur doppelt und dreifach abkassieren wolle und endlich umdenken müsse. Man könne nicht für Radio, Brenner und Rohlinge Gebühren verlangen und gleichzeitig deren Gebrauch verbieten. Clipinc biete nun eine kostenlose Möglichkeit Musik mitzuschneiden, die längst durch die diversen Gebühren bezahlt und damit legal sei.

Doch ganz ohne Probleme geht`s natürlich auch hier nicht: Radiosender haben die Eigenart, starke Kompressoren über ihr Programm zu legen, die ermöglichen, dass Musik auch noch aus dem billigsten Kofferradio gut klingt. Die Dynamik wird hierbei stark eingeschränkt, so dass die Soundqualität im Vergleich zu einer Original-CD zu wünschen übrig lässt. Zudem haben Radiomoderatoren die schlechte Angewohnheit mitten in die Stücke hineinzusabbeln und damit mitgeschnittene Files quasi unbrauchbar zu machen. Und zuguterletzt gibt es heutzutage kaum Radiosender, die mehr spielen, als die immergleichen Top 10 Charts. Das Titelangebot bei Radiomitschnitten dürfte also äußerst begrenzt sein.

Für alle die immer noch mit Kassettenrekorder das Radioprogramm mitschneiden, dürfte die Software allerdings nun eine interessante Alternative zum Einstieg ins digitale Zeitalter bieten. (ur)

Anmerkung: Im Heise-Forum wird bereits über zahlreiche Programmfehler und Unannehmlichkeiten in Verbindung mit der ClipInc-Installation berichtet. Also Vorsicht bei der Installation oder warten, bis Kinderkrankheiten ausgeräumt sind.

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.

amazon music unlimited

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Ähnliche News

BitTorrent Bundles: Musik über Filesharing verkaufen

BitTorrent Bundles: Musik über Filesharing verkaufen

Filesharing-Vertrieb bietet neue Freiheiten
Im letzten Jahr machte Thom Yorke mit einem außergewöhnlichen Vertriebsweg seines Soloalbums von sich reden: es war ausschließlich über den Filesharing Client BitTorrent erhältlich. Ab sofort steht dieser Vertriebsweg allen Musikern und Labels zur Verfügung. Wir zeigen, wie es geht.
Rapidshare stellt Betrieb ein

Rapidshare stellt Betrieb ein

Filehoster verabschiedet sich von seinen Nutzern
Der ehemals populäre Filehoster Rapidshare mit Sitz in der Schweiz ist am Ende. Die User bekamen eine Nachricht, dass man den Geschäftsbetrieb zum 31. März 2015 einstellen und alle Daten löschen werde. 
Cannapower: Die legale Tauschbörse?

Cannapower: Die legale Tauschbörse?

Ist canna.to wirklich legal?
Cannapower bzw. canna.to hat sich in den letzten Jahren zur beliebtesten Musik-Tauschbörse gemausert, bei der man die gesamte Musik aus den Charts finden kann. Doch ist der Dienst auch legal?
BGH: Provider müssen Daten von Tauschbörsennutzer heraus geben

BGH: Provider müssen Daten von Tauschbörsennutzer heraus geben

Xavier Naidoo klagt sich erfolgreich durch die Instanzen
Während alle Welt derzeit über die GEMA diskutiert, traf der Bundesgerichtshof letzte Woche eine weitreichende Entscheidung, die auf nicht halb so viel Medienecho stieß. Demnach müssen Provider künftig die Adressen von Tauschbörsennutzern heraus geben, wenn die Rechteinhaber danach verlangen.
Musikmanager fordert Musik-Flatrate für 12,90 Euro

Musikmanager fordert Musik-Flatrate für 12,90 Euro

"Kein Gespenst bekämpfen, sondern ein Geschäft starten"
Der Musikmanager Tim Renner, früherer Chef von Universal Records und heute Betreiber von Motor Music, fordert im Rolling Stone den Verband der Musikindustrie auf, selbst eine Musikflatrate anzubieten. Der Verband bekämpft bisher alle Rufe nach einer Musikpauschale vehement.