Internet-Radio im Piraten-Mode

Seitdem vor etwa zwei Wochen die neue Gebührenordnung für Internetradios feststeht, stellen immer mehr Sender ihren Betrieb ein. Ein britischer Computerspiel-Designer will jetzt mit seinem Peer to Peer-Radio-Dienst dagegenhalten.

Für viele Internetradio-Betreiber war es ein Schock, als das US-Copyright Office vor knapp zwei Wochen die neuen Gebührensätze für Netzradios veröffentlichte. Demnach sollen sie für ihre Streams in Zukunft 0,07 Cents pro Hörer und übertragenen Song bezahlen. Die Mindestgebühr für kleine Radios liegt bei 500 Dollar pro Monat. Diese Gebühren sollen den Bands und ihren Plattenfirmen zukommen.

Allerdings zahlen Netzradios in den USA bereits Gebühren an GEMA-ähnliche Verwertungsgesellschaften, die dann bei den Komponisten der Songs landen. Nur für die aufführenden Musiker mussten sie bisher nichts zahlen. Klassische "Offline"-Radios sind von der neuen Abgabe ausgenommen.

Schon kurz nach der Veröffentlichung der Tarife stellten zahlreiche Internet-Radiosender ihren Betrieb ein. So ist beispielsweise der im Netz ziemlich bekannte Downtempo-Sender SomaFM seit Ende Juni offline. SomaFM hätte nach den neuen Gebührensätzen 180 000 Dollar pro Jahr zahlen müssen - für den auf Spendenbasis arbeitenden, unkommerziellen Sender ein Ding der Unmöglichkeit.

Rettung naht nun von einem Briten namens Ian McLeod. Er will an die Tradition der Piratensender anknüpfen - und möchte, dass es ihm möglichst viele Radiobetreiber gleich tun. Dazu hat er ein Tool namens Streamer veröffentlicht, das Netzradio mit von Tauschbörsen bekannter Peer to Peer-Technologie verbindet.

Zwar ist das Programm noch im Beta-Stadium und deshalb auch noch ein bisschen wackelig. Aber wenn es erst einmal richtig läuft, soll damit jeder zum Sender werden können - ganz ohne Server, und damit auch ohne überwachbare Instanz, bei der man Gebühren einkassieren könnte. Die Streams werden dazu in bester Tauschbörsen-Manier von Hörer zu Hörer übertragen. McLeod hat zudem eine ganz simple Erklärung dafür, warum er Streamer geschrieben hat: "Ich hab Tyrannen noch nie gemocht." (jr)

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