Interview: Sizarr über Sitzkonzerte und Musik als Wegwerfprodukt

"Wenn man Musik ernsthaft verfolgt, sollte man gerecht dafür entlohnt werden."

Wir trafen Fabian Alstötter, Sänger von Sizarr, im Backstagebereich der Volksbühne Berlin vor ihrem großen Tour- und Jahresabschluss zum Interview. Wir haben ihn gefragt, was er von Streaming-Portalen hält und wie die Band Weihnachten verbringt.

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Sizarr - eine der größten Indie-Pop Hoffnungen des Landes - klingen derart international, dass sie auch gut und gerne aus einem Londoner Stadtrandsbezirk kommen könnten. Ihre Wurzeln haben die drei Jungs aber im beschaulichen Landau in der Pfalz. Und das merkt man ihnen noch immer ein wenig an.

Unprätentiös und mit einer simplen Flasche Wasser in der Hand trafen wir Fabian Alstötter, Sänger der Band. Der Backstageraum, mit ein paar Snacks und einer Couch recht spärlich ausgestattet zeigt, dass sie kein großes Tamtam um ihre Person machen (wollen).

Es ist ihr Tourabschluss, Freunde kommen, es ist Berlin – für viele Bands etwas besonderes – und dann auch noch ein Sitzkonzert. "Das Feedback ist natürlich verhaltener. Was aber auch ganz gut ist, weil man dann auch nicht das Gefühl hat, auf der Bühne ausrasten zu müssen", meint Fabian. So langsam habe man sich an diese Art von Konzerten gewöhnt. Beim ersten Mal, in der Kulturkirche Köln, sei es noch etwas ungewohnt gewesen. Das habe sich gelegt. 

"Das ist noch mehr ein Schritt hin zum Wegwerfprodukt." Fabian Alstötter

Seit März, seitdem ihr Nurture-Album rauskam, sind sie auf Tour. Da fällt es schwer neben dem ganzen Musik machen, Leute treffen, Fragen beantworten, noch Zeit zu finden Musik so wirklich zu konsumieren. "Ich nutze Spotify, wobei ich die Art, wie da mit Musik umgegangen wird nicht gut finde", und der Sänger spricht das aus, was viele Kritiker Streamingportalen auch anheften: "Das ist noch mehr ein Schritt hin zum Wegwerfprodukt."

Sizarr haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie mehr Wert auf die Qualität ihrer Musik legen, als auf das, was am Ende dabei finanziell vielleicht rausspringen mag. "Natürlich sollte man Musik nicht aus kommerziellem Antrieb heraus machen", sagt Fabian und führt fort: "Aber man sollte, wenn man Musik macht und das ernsthaft verfolgt auch fair dafür entlohnt werden. [...] Spotify fängt an und zahlt eine allgemeine Abfindung an die Major-Labels, eine horende Summe für die Rechte, aber das geht halt an die Labels und nicht an die Künstler, dort wo die Musik ja eigentlich herkommt"

Doch wen schiebt man nun den schwarzen Peter zu? Streamingdienst, Label, oder sind gar die Künstler selbst ein wenig mitschuld?! "Als wir unterschrieben haben, gab es sowas noch nicht und das ist wahrscheinlich bei 99 Prozent der Fälle so. Es ist halt eine Grauzone, die momentan überhaupt nicht geklärt ist", erklärt Fabian die aktuelle Situation, die auch Sizarr, derzeit bei Four Music / Sony Music unter Vertrag, betrifft.

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Vom Musikjahr 2015 ist, wahrscheinlich auch ob der zahlreichen Auftritte, Reisen, Proben, Pressetermine und sonstigem anderen Kram, den das Leben als angesagter Indie-Act so mit sich bringt, nicht viel hängen geblieben: "Ich muss gestehen, dass ich kaum was gehört hab. Das neue Album von Kurt Vile hab ich gehört, sehr gut!" 

Weihnachten entfliehen sie dem Trubel der Großstadt, fahren zurück in die Pfalz, um ganz traditionell mit der Familie zu feiern. Wir wünschen den Jungs ein paar ruhige Tage zum Verschnaufen. Ein neues Album ist laut Fabian noch gar nicht in Planung. Erstmal ausspannen, Kraft tanken und dann wird man weitersehen.

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