Jahresrückblick 2007: In eigener Sache

Die MP3-Revolution geht weiter
Wow, was war das für ein Jahr! Nach Jahren des Stillstands und des zunehmenden Zerfalls der Musikbranche, haben wir in diesem Jahr einige massive Umwälzungen erlebt. Auch für Tonspion brachte das Jahr viele neue Erkenntnisse. Ein Fazit von Udo Raaf.

Als Tonspion im Jahr 1999 sich als erstes Onlineangebot auf Musik im MP3-Format spezialisierte, gab es weit und breit niemanden, der das Potenzial der Möglichkeiten, die im Internet stecken, konsequent im Sinne der Nutzer ausgeschöpft hätte. Es gab kaum andere Möglichkeiten, neue Musik zu entdecken als über ein spezialisiertes Magazin wie den Tonspion oder die Mailingliste der De-Bug. Und es gab auch kaum Angebote, die über die Irrungen und Wirrungen der Musikbranche im Zeitalter der digitalen Revolution berichteten. Wie wichtig das zu der Zeit war, war der vielen freundlichen Presse über unser Angebot zu entnehmen.

Die treibt inzwischen ganz andere Säue durchs Dorf (siehe Second Life, iPhone, Social Networks,...). Menschen, die uns noch nicht kennen, finden inzwischen fast ausschließlich über Google den Weg zu uns oder den vielen anderen Anbietern, die keine neue Revolution ausrufen, sondern einfach nur fein sortierte Inhalte bieten. Für viele mittlere und kleinere Webseiten, ist das inzwischen eine gefährliche Abhängigkeit. Nicht zuletzt deshalb haben wir mit Netselektor eine Seite ins Leben gerufen auf der zukünftig informativen, nützlichen oder unterhaltsamen Webseiten eine Öffentlichkeit geschaffen werden soll. Die nicht nur den neuesten Hype ausruft, sondern auch gut gemachte kleinere Seiten aufspürt.

Zurück zur Musik.

Die Musik spielt inzwischen überall. Vor allem US-Anbieter mit laxen urheberrechtlichen Einschränkungen haben das Geschäft mit der Musik an sich gerissen und riesige Portale gebaut, die in erster Linie den Musikfreunden dienlich sind und nicht den Musikkonzernen. Wenn es nach denen gegangen wäre, wäre das Internet heute zugepflastert mit CD-Supermarktketten und Downloads weitgehend unbekannt. Aber wie immer entscheidet am Ende alleine der Konsument darüber, wo sein Geld hinfließt. Mit seinem Mausklick. Und er hat sich dafür entschieden, Musik online hören und downloaden zu wollen. Nur kaufen wollen noch relativ wenige. Das bekommen vor allem die kleineren Independent-Labels und Vertriebe zu spüren, denen die Existenzgrundlage zunehmend entzogen wurde. Selbst renommierte Labels wie kitty-yo oder Lado und Indie-Vertriebe wie Hausmusik mussten darauf hin der Insolvenz ins Auge blicken oder den Laden gleich ganz dicht machen. Andere wie V2 wurden von Majors einverleibt und abgewickelt. Die meisten Labels arbeiten längst am Rand der Selbstausbeutung und profitieren bisher im Gegensatz zu den neuen Musikportalen finanziell kaum von dem großen Interesse für Musik im Netz.

Musik im Netz boomt

Apple hat in diesem Jahr den Weg für MP3 Downloads ohne Digital Rights Management frei gemacht. Und Amazon verpasst mit seinem konsequent DRM-freien MP3-Angebot dieser Musikverhinderungstechnologie den längst überfälligen Todesstoß. Die Musik spielt trotzdem immer mehr auf den Portalen, auf denen es Musik ganz kostenlos gibt. Riesige Quellen wie MySpace, Last.FM, HypeMachine und wurden von den Musikfans und Labels als Retter in der Not dankbar angenommen. Die Labels sind inzwischen, nach langem Zögern, endlich auch daran interessiert, überall im Netz ihre Musik platziert zu sehen. Und wenn es nicht anders geht, dann auch kostenlos. Schließlich ist es schwer genug, überhaupt wahrgenommen zu werden bei dem unglaublichen Überangebot an Musik.

Im kommenden Jahr werden wir darüber hinaus noch eine Schwemme von neuen Start-Ups im Fahrwasser der großen Ami-Portale erleben. Nur wenige davon werden lange Zeit überleben, da der Werbe-Kuchen schon fast aufgefressen ist und die Werbepreise mangels Knappheit verfügbarer Werbeflächen immer weiter in den Keller rutschen. Es gibt nicht unbegrenzt Werbegelder zu verteilen. Und zahlen will natürlich immer noch kaum einer für Musik. Zumindest nicht zu den aktuellen Konditionen und wenn`s Musik an jeder Ecke für lau gibt. Dass es auch ganz anders geht, haben Bands wie Radiohead in diesem Jahr bewiesen.

Und damit kommen wir zum Guten.

Nie war mehr Musik im Netz, das Angebot ist jetzt auch online unüberschaubar. Zwar ist die Musik dadurch prozentual gesehen nicht besser geworden, aber da 95% von allem eh immer Müll ist, konzentrieren wir uns weiterhin auf die 5% dessen, was gut ist. Und von dem Guten gibt es heute eben auch viel mehr im Netz, als noch vor fünf Jahren. Und deshalb wird es auch in Zukunft einen Tonspion brauchen. Einen Filter für empfehlenswerte neue Musik, die nach wie vor nur schwer zu entdecken ist. Und jemanden, der über neue Musik berichtet, der Zusammenhänge darstellt, der die Geschichte eines Künstlers verfolgt und nicht nur wahllos Audio-Dateien bereit stellt. Wir werden auch in Zukunft neuen Künstlern und neuer Musik eine Plattform geben, bevor sie dann in den Playlisten der MySpace- und Last.FM-Junkies auf Heavy Rotation läuft.

Und das schaffen wir zukünftig auch verstärkt mit Hilfe unserer Nutzer: euch! Dafür erweitern wir Anfang Januar unsere Community, wo die Bewertung und Weiterempfehlung von hörenswerter Musik im Netz eine wesentlich stärkere Bedeutung bekommen wird. Schließlich wissen nicht nur unsere fachkundigen Autoren, was empfehlenswert und gut ist, sondern ihr wisst das am allerbesten selbst. Auch Bands und Labels können sich und ihre Musik ab Januar im Tonspion präsentieren und so neue Hörer im Tonspion gewinnen.
Wir freuen uns auch im kommenden Jahr über Jeden, der sich am Tonspion aktiv beteiligt, der seine Musiktipps einbringt

Wir danken für den ungebrochenen Zuspruch im vergangenen Jahr. Es bleibt spannend, auch im neuen. Versprochen.

Udo Raaf / Tonspion.de

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