Jahresrückblick 2013: Das Jahr der Selbstüberschätzung

Warum uns Daft Punk oder Lady Gaga 2013 so auf die Nerven gingen

2013 war das Jahr der großen Social-Media-Kampagnen: kaum ein großer Star, der uns nicht durch übermäßigen Aktionismus auf die Nerven gegangen ist. Der Effekt solcher PR-Stunts ist eher kontraproduktiv.

Künstler sind die neuen Medien. Zumindest wenn es nach den Künstlern geht. Erfolgreiche Musiker haben Millionen von Fans und Followern, warum sollten sie sich da noch mit kritischen Musikjournalisten oder Medien mit geringer Reichweite rumschlagen? Diese Sichtweise scheint sich mehr und mehr durchzusetzen und immer mehr Popstars und Musiker betätigen sich als gewiefte PR-Strategen in eigener Sache.

Daft Punk haben noch nie viel auf die Presse gegeben, dafür mit ihrer Musik überzeugt. Für die Kampagne ihres neuen Albums "Random Access Memories" überließen sie jedoch nichts dem Zufall. Bis zur Veröffentlichung des Albums gab es nichts als einen kleinen Soundschnipsel von "Get Lucky" zu hören. Sie drehten eigene Interview-Clips mit den beteiligten Gastmusikern wie Pharrell Williams oder Giorgio Moroder. Die Botschaft des Clips: Daft Punk revolutionieren mit ihrem neuen Album Disco. Als das Album endlich kam, schlug die Vorfreude vielerorts in Enttäuschung um. Daft Punk haben kein Disco- und auch kein Techno-Album gemacht, sondern ein nostalgisches Retro-Album. Das Ergebnis klang zwar überwältigend satt, aber eben auch: satt. Höhe- bzw. Tiefpunkt der selbst gesteuerten PR-Kampagne war ihr Cameo-Auftritt (oder waren es doch Doubles?) beim unmusikalischsten Event der Welt - beim Formel 1-Rennen von Monte Carlo.

Auch Kanye West weiß, wie man Erwartungen aufbaut. "Yeezus" sollte sein neues Album heißen und einer der besten Tracks darauf heißt "I Am A God". Klotzen statt kleckern lautet sein Motto seit je her, doch die Enttäuschung ist groß, wenn man statt einem alles überragenden, dann doch nur ein ziemlich gutes und  ziemlich wütendes Rap-Album auf die Ohren bekommt. Nicht anders geht es seinen Kollegen Jay-Z oder Eminem, wobei sich letzterer angenehm zurück hielt mit PR-Aktionismus und am Ende des Jahres wohl trotzdem vorne liegen wird, was die Verkaufszahlen seines Albums betrifft. 

Jedenfalls deutlich vor Lady Gaga, die mit ihrem Konzeptalbum "ARTPOP" nicht weniger als die Popmusik revolutionieren wollte, indem sie - frei nach Warhol - gebrauchsfertige Popmusik zur Kunst hochjubelt. Dazu holte sie sich prominente Unterstützung aus der ersten Liga der kommerziellen Kunstwelt, doch am Ende blieb all das reine Fassade und ihre Version von Pop 2013 nichts als Reißbrett-Pop von der Stange. Offenbar hat sie den Bogen überspannt, denn kommerziell gesehen war "ARTPOP" für ihre Verhältnisse ein Flop. Auch Ex-Teeniestar Miley Cyrus haute dieses Jahr ordentlich auf die Pauke, lenkte damit aber viel mehr von ihrer Musik ab als eigentlich nötig, gerade so, als hätte sie etwas zu kaschieren.

Zuletzt enttäuschten auch Arcade Fire nach einer überwältigenden ersten Single ihres neuen Albums "Reflektor" und einer grandiosen Live-Performance bei "Saturday Night Life" mit einem letztlich dann eher mediokren und länglichen Album. Wieder wurden nach allen Regeln der PR-Kunst Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden konnten. Hyper hyper!

Einen radikal anderen Weg ging Beyoncé mit ihrem neuen Album. Sie veröffentlichte es ohne jegliche Vorankündigung, von einem Tag auf den anderen und überlässt alles andere den Medien und Fans. Sollen sich die Leute doch einfach selbst ein Bild machen. Dass das Album wohl dennoch eines der erfolgreichsten des Jahres sein wird, wie es sich andeutet, lässt die teils nervtötenden PR-Stunts des vergangenen Jahres in einem anderen Licht erscheinen. Am Ende kommt's eben auf die Musik an und nicht nur auf das Spektaktel, das dazu veranstaltet wird.

Ob Daft Punk wegen ihres Formel 1-Auftritts auch nur eine einzige Platte mehr verkauft haben? Man darf es wohl bezweifeln.

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