Jahresrückblick 2016: Chris Umbach

Die besten Alben, Songs und Videos des Jahres

Schon rein persönlich war 2016 ein grandioses Musikjahr – so war es doch das erste, in dem ich meine Miete mit dem Hören, Beurteilen und Teilen von eben dieser verdiente. Dass die Musiker der Welt sich dann aber für 12 Monate derart ins Zeug legen würden und ich nun nicht weiß, wo ich hier anfangen und aufhören soll, hätte ich nicht gedacht.

Beste Alben:

1. Bon Iver – 22, A Million

Eventuell hat Justin Vernon mit dieser Platte Musikgeschichte geschrieben, denn plötzlich ist die Welt nicht mehr sicher: Haben wir Popmusik wirklich schon durchgespielt oder kommt da doch noch mehr als EDM und Indie-Pop?

2. Wild Beasts – Boy King
3. Kate Tempest – Let Them Eat Chaos
4. Whitney – Light Upon The Lake
5. DMA's – Hills End

Beste Songs:

1. J. Bernardt – Calm Down

Mit Jinte Deprez und seinem bärtigen Alter Ego J. Bernardt ist Anfang November die lässigere Hälfte der beiden Songwriter von Balthazar wieder auferstanden. Und was soll ich sagen? Noch in der Mitte der ersten Strophe habe ich hektisch die Repeat-Funktion bei iTunes gesucht. Die 20 Euro zum Kaufen des 2017 erscheinenden Albums liegen auch schon gesichert in der Ecke.

2. Maggie Rogers – Alaska
3. Wild Beasts – Big Cat
4. Von Wegen Lisbeth – Wenn Du Tanzt
5. Aidan Knight – All Clear

Bestes Video:

Maeckes – Tilt!

Drei Gründe dafür:
1. Weil's lässig ist.
2. Weil's anders ist.
3. Weil's Maeckes ist. Oder?!

Bester Free Download:

Clock Opera – Changeling

Ebenfalls ein Easy-Pick, wenn die Band, die eines der spannendsten Alben der musikalischen Nachweihnachtszeit veröffentlichen wird, zwei ihrer Songs zum Free Download bereit stellt. "Venn" heißt die Platte, die im Januar in die Läden flattern wird und sie hat das Potential, den Glauben an die Emotionalität von Elektro-Pop wiederherzustellen.

Bester Newcomer:

Von Wegen Lisbeth

Wir sind uns wohl alle einig, dass die öffentlich omnipräsente deutsche Popmusik am Boden liegt. All die Bouranis, Bendzkos und Forsters überfluten uns mit Belanglosigkeiten. Da wirken die fünf Berliner Spielkinder von Von Wegen Lisbeth nahezu wie Heilsbringer. Sie bringen den Beat, sie bringen lyrische Gewitztheit, sie spielen tanzbare Konzerte. Kurz: Sie sind die Rettung des deutschen Indie!

Bester Musikmoment: 

Bon Iver auf dem Michelberger Music

Bon Iver war mit seinem neuen Album nur das Highlight eines Festival, das selbst schon alle anderen Konzerte des Jahres überstrahlt. Zwei Tage jammten Größen wie Damien Rice, Justin Vernon, die Gebrüder Dessner (The National), Erlend Øye und Alt-J im Funkhaus Berlin fernab von Presse und klassischem Line-Up. Man stelle sich nun einfach vor, die ersten Noten von "715 - CR∑∑KS" erklingen im Setting aus dem unten zu sehenden Video. Mehr muss ich wohl nicht sagen. 

Schlimmster Musikmoment:

Frei.Wild gewinnt einen Echo

Die Auszeichnung einer Band mit Hang zum rechten Rand ist im politischen Jahr 2016 eigentlich eines der geringsten Übel. Sieht man aber das Gesamtbild und hat im Kopf, dass Frei.Wild 2013 noch unter starken Protesten von der Gästeliste des Musikpreises gestrichen worden sind, ist die Echoverleihung ein perfektes, trauriges Symbol für das langsame politische Driften nach Rechts. 

Wiederentdeckung des Jahres:

Sophie Hunger

Ok, eigentlich war die Königin der deutschsprachigen Songwriterinnen nie ganz weg, aber seit dem Release ihres Live-Albums "The Rules Of Fire" in 2013 begab sich der Jazz-Indie-Rock-Pop, den Sophie Hunger immer wieder treffsicher veröffentlicht, in meinem Leben in eine Art Winterschlaf. Bis mir dann mit einem Jahr Delay ihr neues Album "Supermoon" im Sommer in die Hände viel. Da war es wieder, das Feuer der französischen Chansons, der Wortwitz der deutschen Lieder und die spielerische Eingängigkeit der englischen Songs. Vor "Supermoon" drohte die Sängerin damit, das Musikmachen an den Nagel zu hängen. Bitte tun sie sowas nie wieder, Frau Hunger!

Act für 2017:

Giant Rooks

Vor eineinhalb Jahren beeindruckte mich das Quintett aus Hamm (wie unsexy) zum ersten Mal beim Neonfields Festival am frühen Nachmittag (ebenfalls unsexy) mit seiner ausgetüftelten Interpretation des Mainstreamgenres Indie (äußerst sexy). Der Altersschnitt der Band hat seitdem mit Hängen und Würgen die Volljährigkeit erreicht und die musikalische Expertise der Jungs hat beim Haldern Pop Label ein Zuhause gefunden. Im Januar erscheint nun die erste EP "New Estate". Ab da an geht es nur noch steil bergauf – nehmt mich ruhig beim Wort!

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