Jahresrückblick: So klang 2013

Der Tonspion Jahresrückblick von Florian Schneider

2013 oder ein Jahr zieht blank! Inzwischen dürfte der letzte mit Lady Gagas und Miley Cyrus Anatomie besser vertraut sein als mit deren musikalischem Output, Videoclips versuchen sich gegenseitig mit nackten Tatsachen und Marktschreierei zu überbieten. Dabei braucht gute Musik all das gar nicht, findet Tonspion-Redakteur Florian Schneider.

Bestes Album:

Qotsa - „...Like Clockwork“

Sechs Jahre nach dem letzten, eher schwachen Album „Era Vulgaris“ hat Johs Homme die komplette Mannschaft zusammengetrommelt, die mit „Songs for The Deaf“ einen Klassiker schuf. Und dann alles anders gemacht. Balladen statt maschinenhaftem Riffing, Progrock mit Elton John statt Blues mit Mark Lanegan machen aus „...Like Clockwork“ trotz Hype eine triumphale Rückkehr.

Bester Song:

Haftbefehl – „Chabos wissen wer der Babo ist“

Der Track zum Jugendwort des Jahres verdichtet auf 3:33, warum Haftbefehl einer der besten Rapper des Landes ist und Farid Bang ein talentfreies Großmaul. Haftbefehls Kunstsprache aus Deutsch, Hessisch, Türkisch, Französisch und was er sonst noch alles aufschnappt, ist in jedem Fall das beste, was deutschem Rap seit langem passiert ist. Ernst nehmen muss man seine Prahlereien deshalb nicht, Rap ist schließlich Entertainment.

Bester Free Download:

Run The Jewels – „Run The Jewels“

Eines der Alben des Jahres ist nach wie vor als kostenloser Download erhältlich. Kein Wunder, dass dieses Brett, das El-P und Killer Mike als Run The Jewels gebohrt haben, 2014 von Ninja Tune physisch veröffentlicht wird. Wahnwitzige Raps, poppige Hooks, grimmige Reime und zwei Rapper, die sich blind verstehen, komplett for free!

Bestes Video:

Beware of Mr. Baker

Es gab dieses Jahr fantastische Videos, trotzdem muss ich hier ein bisschen schummeln. Am meisten beeindruckt hat mich nämlich „Beware of Mr. Baker“. Denn: Der Dokumentarfilm über Schlagzeuger Ginger Baker hat so viel mehr über Musik zu sagen als jedes Musikvideo. Ein Film über Genie und Wahnsinn, einen unbequemen Charakter und einen der besten Schlagzeuger aller Zeiten, ever!

Bester Newcomer:

Drenge

Drenge, das sind zwei Brüder aus England. Gitarre, Schlagzeug und rotziger Gesang reichen den beiden, um auf ihrem Debütalbum Erinnerungen an Grunge und Garage-Rock wach zu rufen, ohne zu kopieren. Dazu schütteln die Brüder Loveless eingängig-wutschnaubende Refrains wie „I Want To Break You In Half“ oder „I Don't Wanna Make Love To You“ aus dem Ärmel. Adoleszente Renitenz, für die sich kein Punk schämen muss.

Bester Musikmoment:

Kvelertak @ Riff, Bochum

Wenn am Ende eines Abends eine kaputte Brille steht, kann es nur gut gewesen sein. Zwei Support-Acts, darunter die famosen Truckfighters, konnten nicht auf die Energie von Kvelertak vorbereiten, mit der die Norweger über meine Brille hinwegfegten und sie in ihre Einzelteile zerlegten.

Schlimmster Musikmoment:

Metallica – "Through The Never"

Man kann froh sein, dass die sonst so treuen Metallica-Fans in diesem Fall mit den Füßen abgestimmt haben und sich nicht auf das neueste Spielzeug der gelangweilten Multi-Millionäre Lars Ulrich, James Hetfield und Co. eingelassen haben. Metallica haben inzwischen einen Status, bei denen ihnen niemand zu sagen scheint, dass sie ihren letzten Rest Anstand verspielen. Wie sonst kann man auf die Idee kommen, einen Film in 3D und als Imax-Film zu drehen, der sich nie entscheidet, was er eigentlich sein möchte - Konzertfilm oder miserabel gescripteter Musikclip.

Wiederentdeckung des Jahres:

Jonsson/Alter – Mod

Ihr zweites Album „2“, vor wenigen Wochen veröffentlicht, war der Auslöser, erneut das Debüt der beiden Schweden in Berlin zur Hand zu nehmen und sich von warmen Bässen ganz weit wegtragen zu lassen.

Act für 2014: 

Jungle

Jungle – The Heat

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