Jahresvorschau 2008: Bye bye, DRM!

Warner und SonyBMG wollen auf Kopierschutz verzichten
Es dürfte als eines der peinlichsten Kapitel in die Geschichte der Musikindustrie eingehen: Digital Rights Management. Warner und SonyBMG gaben nun als letzte der großen Labels bekannt, künftig auch Musik ohne den Kopierschutz im Internet anzubieten.

Experten hatten lange vor dem digitalen Rechtemanagement gewarnt, wie es die großen Plattenfirmen zum Schutz gegen massenhaftes Kopieren ihrer Produkte einsetzten. Die Formatvielfalt mit unterschiedlichen Einschränkungen stellte die Kunden vor solche Probleme beim Übertragen ihrer gekauften Musik auf tragbare MP3 Player, dass der Downloadmarkt zunächst nur sehr schleppend in Schwung kam. Und das obwohl die Internetnutzer gleichzeitig längst wussten, wie Filesharing-Programme funktionieren und wo man sich kostenlos im Netz bedienen kann. Mit DRM-Technologie wollte man dem Kunden auch nach dem Erwerb von Musik quasi vorschreiben, wie oft und auf welche Geräte der seine Musik kopieren durfte.

Noch vor einem Jahr hätte wohl kaum ein Musikmanager eingestanden, dass die DRM-Strategie gescheitert ist. Nachdem zunächst die EMI als erster der großen vier Musikkonzerne auf DRM verzichtete, war klar, dass die anderen unter Zugzwang geraten. Auch die Downloadshops von Apple über Musicload bis 7digital machten sich für kopierschutzfreie Downloads stark, da DRM von vielen als Umsatzbremse erkannt wurde. Erst kürzlich wies der britische Händler 7digital darauf hin, dass man kopierschutzfreie Formate - also MP3 - bis zu viermal häufiger verkaufe. Diese Zahlen scheinen nun auch bei Warner und SonyBMG angekommen zu sein.

Ob diese späte Einsicht nicht tatsächlich viel zu spät kommt, sei dahin gestellt. Denn es wird längst an Tauschbörsen gearbeitet, die dem Surfer absolute Anonymität garantieren und spätestens wenn das gelingt, dürfte die Musikindustrie vor ihrem nächsten großen Problem stehen.

Udo Raaf / Tonspion.de

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