Jay-Z: Zahlen, bitte!

Das große Geschäft mit "Magna Carta Holy Grail"

Das Internet hat das Musikgeschäft massiv verändert. Und Jay-Z legt mit der geschäftstüchtigen Veröffentlichungspolitik seines neuen Albums "Magna Carta Holy Grail" noch einen drauf. 5 Millionen Dollar scheffelte der Großrapper ohne ein einziges Album verkauft zu haben. Die Medienkampagne dazu gibt's gratis.

1 Million Alben kaufte der Handyhersteller Samsung Jay-Z ab, ohne einen  einzigen Ton gehört zu haben. Der Kumpel von Obama und Ehemann von Beyoncé kennt die Regeln des Geschäfts so gut wie kaum ein anderer und definiert sie maßgeblich mit. 5 Dollar pro Album zahlte Samsung, um es drei Tage exklusiv seinen Kunden anbieten zu können. Erst dann sollten es die Fans des Rappers zu hören bekommen, die kein Samsung Smartphone besitzen. Selbstverständlich bekamen auch die Samsung-Nutzer das Album nicht einfach so geschenkt, sondern mussten vorab ihre Systemsteuerung und ihr gesamtes Netzwerk für Samsung freischalten. Wofür diese Daten verwendet werden sollen, weiß derzeit keiner.

Um die PR-Maschine weiter anzukurbeln forderte Jay-Z Billboard via Twitter dazu auf, diese indirekten Album-"Sales" auch für ihre Albumcharts anzurechnen. Zum Vergleich: sein erfolgreichstes Album "The Dynasty" hatte in der ersten Woche 500 000 Einheiten verkauft und ist damit natürlich an die Spitze der Albumcharts eingestiegen.

Von dem großzügigen Vorschuss holte sich Jay-Z die Creme de la creme des Musikbiz ins Studio, Justin Timberlake, Rick Rubin, Beyoncé, Timbaland, Pharell Williams, Nas. Er bedient sich für seine Texte bei Kurt Cobain und REM, natürlich ohne vorher groß zu fragen, schließlich ist er nicht irgendwer. Wie viel kostet die Welt? 

Dass die Musik bei all diesem Big Business vollkommen in den Hintergrund gerät, bleibt nicht aus. Journalisten bekamen das Album vor Veröffentlichung nicht zu hören. Entsprechend sind die Reviews bislang nicht viel mehr als Gestammel und eine Ansammlung von Zitaten und Zahlen. Auch bei Daft Punk merkte man bereits, was passiert, wenn die Rahmenbedingungen den eigentlichen Inhalt überlagern und den Eindruck vermitteln, dass es hier nur noch ums Geschäft geht. Dass das Album bereits Tage vor der Veröffentlichung im Netz geleakt ist: geschenkt. Auch das ist heute nicht mehr viel mehr als eine verkaufsfördernde Schlagzeile. 

Selbstverständlich widmen sich die Medien nun intensiv diesem großspurig angelegten Album, da es jede Menge Gesprächsstoff bietet, auch für Leute, die mit Hiphop oder Musik vielleicht gar nicht viel anfangen können. Dass es aber auch nach hinten losgehen kann und die Musikfans zunehmend genervt sind von allgegenwärtigen PR- und Marketing-Stunts ist die logische Folge und wurde ebenfalls schon bei Daft Punk deutlich: zwar hat sich das Album als Nummer 1 in allen westlichen Charts als Megahit erwiesen, die Strategie also bestätigt, doch der Shitstorm über die Qualität des Albums und den künstlich erzeugten Hype - lange bevor auch nur ein Ton davon zu hören war - ist nach wie vor allgegenwärtig. Wirtschaftlich gesehen, haben sie gewonnen. Doch gleichzeitig hat ihr bislang tadelloses Image Risse bekommen. 

Wenn es um die Musik geht, bekommt auch Jay-Z bisher eher durchwachsene Kritiken für "Magna Carta Holy Grail". Aber zum Glück gibt es auch noch genügend Musik, die nur aus Liebe zur Musik gemacht wird und nicht, um den Marktwert in die Höhe zu treiben. Wir empfehlen deshalb an dieser Stelle nicht Jay-Z, sondern das hervorragende Mixtape des talentierten Nachwuchsrappers Joey Bada$$. Kostenlos als Download nicht nur für Samsung-Nutzer, sondern für alle!

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High-End ohne Seele
Was ist 2013 los in der Hip Hop-Chefetage? Kanye West erklärt sich zu „Yeezus“, Jay-Z will seinem Buddy nicht nachstehen und veröffentlicht wenig später ein Album mit dem bescheidenen Titel „Magna Carta Holy Grail“. Der Höhepunkt einer beispiellosen Marketingkampagne, die - aller Hoffnungen zum Trotz - wohl als Blaupause für zukünftige Superstar-Veröffentlichungen dienen wird.