Käse, Coffeeshops, Kazaa

Lustig ist das Leben in den Niederlanden: Marihuana gibt es legal in zahllosen Coffeeshops, käuflicher Sex ist dort in allen Varianten akzeptiert wie in kaum einem anderen EU-Land, und Tauschbörsen sind auch völlig legal. So jedenfalls der Tenor eines Artikels im Wall Street Journal.

Glaubt man dem Wall Street Journal, dann könnten sich die Niederlande in den nächsten Jahren zu einer weltweit einzigartigen Filesharing-Oase entwickeln. Grund dafür ist ein Urteil im Verfahren gegen die Gründer der Tauschbörse Kazaa. Im März hatte ein niederländisches Berufungsgericht erklärt, das Anbieten von Tauschbörsen-Software sei legal, da damit auch urheberrechtlich nicht mehr schutzfähige Güter getauscht werden könnten.

Seitdem überlegen nach Informationen des Wall Street Journals Tauschbörsen-Anbieter auf der ganzen Welt, ob sie ihren Geschäftssitz nicht vielleicht ins Land des Käses und der Coffeeshops verlegen sollten. Der Anwalt des Kazaa-Besitzers Sharman Networks wird im Artikel mit den Worten zitiert, allein fünf seiner US-amerikanischen Klienten würden über einen derartigen Umzug nachdenken.

Ein Grund für das Urteil seien die traditionell liberalere Rechtsauslegung der Niederländer gewesen, so das Wall Street Journal. Damit ist nicht nur der im europäischen Vergleich laxe Umgang mit Betäubungsmitteln, Pornografie und Prostitution gemeint. Auch im Bereich des Internet-Rechts entscheidet man sich in unserem Nachbarland gerne mal gegen die Interessen der Copyright-Halter. So wurden zum Beispiel Mitte der Neunziger ein Verfahren der Scientology-Kirche gegen mehrere Internetprovider verworfen.

Ganz aus dem Schneider sind P2P-Netzwerke allerdings auch in den Niederlanden nicht. Zwar können die Musik- und Filmindustrie möglicherweise nichts gegen ihre Betreiber ausrichten. Das heißt aber noch lange nicht, dass auch die Nutzer vor möglichen rechtlichen Auseinandersetzungen verschont bleiben. (jr)

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