Kaufen, Tauschen, Teilen - die Studie als Buch

Im vergangenen Juni hatten wir unsere Nutzer gebeten, sich in einer Online-Umfrage zur Nutzung von MP3 und Tauschbörsen zu beteiligen. Die Ergebnisse dieser soziologischen Studie liegen nun in einem ausführlich kommentierten Buch zum Thema vor.

"Kaufen, Tauschen, Teilen - Musik im Internet", so nennt sich das Buch der Soziologen Sonja Haug (Universität Leipzig) und Karsten Weber (Universität Frankfurt/Oder), die in ihrer Arbeit herausfinden wollten, wie und warum MP3 Tauschbörsen einen so großen Zulauf haben. Interessant sind neben den erhobenen Zahlen und Fakten vor allem die Schlüsse, die die Wissenschaftler ziehen.

Denn auch sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Musik- bzw. Contentindustrie, also alle die digitale Inhalte kostenpflichtig im Netz veröffentlichen wollen, auch weiterhin mit riesigen Netzwerken zu rechnen haben, auf denen diese Dateien ungeschützt weitergegeben und kostenlos vervielfältigt werden. Selbst bei Schließung oder Verbot aller Filesharing Tauschbörsen, gebe es ganz traditionelle Wege des Internet-Tauschs, zum Beispiel über FTP-Server im Freundeskreis. Angesichts stetig steigender Rechnerleistungen und technischer Verbesserungen könne auch hiermit eine große Menge Internetnutzer erreicht werden, z.B auch über Intranets von Unternehmen.

Generell sei es allerdings fragwürdig, was etwa beim geplanten Bezahl-Napster von Bertelsmann angestrebt werde. Dass jemand ohne eine eigene Leistung zu erbringen, Geld für Inhalte verlange, sei eigentlich ein Skandal, der bisher in der Debatte kaum auftauche. Im Falle von Napster lief fast der komplette Datenverkehr über riesige Server bei den Universitäten, während die Nutzer selbst die Dateien enkodiert und bereitgestellt haben. Anders wird so ein System kaum erfolgreich zum Laufen zu bringen sein, als durch eine aktive Beteiligung der Nutzer. Dafür Geld zu verlangen, ist nach Ansicht der Soziologen moralisch illegitim und durch nichts zu rechtfertigen.
Doch auch der Widerspruch in der Hackerethik, in der einerseits die Forderung erhoben wird, dass Information im Internet ungebremst und unzensiert fließen solle, andererseits aber die Privatsphäre des Einzelnen geschützt werden müsse, sei bisher nicht aufzulösen. Diese Frage sei aber nicht nur eine Frage einer kleinen Subkultur, sondern eine ganz zentrale Frage für die Zukunft unserer Gesellschaft im digitalen Zeitalter.

Schon jetzt setzen die bekanntesten MP3 Tauschbörsen massiv sogenannte "Spyware" ein, um das Internet-Nutzungsverhalten der User auszuspionieren, um überhaupt Geld damit verdienen zu können. Von "kostenlos" kann also keine Rede sein, denn das ganze Tauschgeschäft zwischen Tauschbörse und Nutzer läuft auf eine Freigabe von sehr persönlichen, schützenswerten Informationen heraus. Doch solange das weitgehend unsichtbar vonstatten geht und man umsonst an Musik gelangt, scheint das bislang kaum jemanden zu stören. Eine überaus bedenkliche Entwicklung...!
Das Buch "Kaufen, Tauschen, Teilen - Musik im Internet" ist erschienen im Verlag Peter Lang und kostet EUR 17.90. (ur)

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