Kazaa klagt zurück

Die beliebte Tauschbörse dreht den Spieß um: Wegen angeblichem Missbrauchs ihrer Copyright-Ansprüche hat Kazaa jetzt die Musik- und Filmindustrie verklagt. Die Chancen dieses Vorstoßes werden unterschiedlich beurteilt, doch das Tauschen dürfte damit erst einmal weitergehen.

Mit diesem Vorstoß will Kazaa eine einstweilige Verfügung gegen die Plattenfirmen und Filmstudios erwirken, die sich derzeit im Rechtsstreit mit der Tauschbörse befinden. Diese Verfügung soll die Medienwirtschaft hindern, ihre Copyright-Ansprüche gegenüber Kazaa geltend zu machen. Kazaas Argumentation gegenüber dem Gericht: Die Firmen würden ihre Copyright-Ansprüche dazu nutzen, sich unliebsamer Konkurrenten zu entledigen und die Online-Distribution untereinander aufzuteilen.

Ähnliches hatte Napster im Rechtsstreit mit der Musikwirtschaft bereits einmal versucht - nicht ganz ohne Erfolg: Die zuständige Richterin ordnete damals an, die Geschäftspraxis der Plattenfirmen untersuchen zu lassen. Doch bevor es dazu kam, ging der Mutter aller Tauschbörsen das Geld aus. Napster wurde zum Bankrott-Fall.

Jetzt versucht sich Kazaa abermals an den Monopol-Vorwürfen. Hauptargument der größten aller Tauschbörsen: Plattenfirmen und Hollywood-Studios hätten sich dazu verschworen, keine Verträge mit dem zu Kazaa gehörigen Altnet-Content-Network abzuschließen. Altnet ist ein in Kazaa integriertes Netzwerk, über das kopiergeschützte Dateien zu Promozwecken und gegen Bezahlung vertrieben werden. Dabei werden die Altnet-Suchergebnisse den Kazaa-Nutzern an vorderster Stelle und mit goldenen Icons präsentiert.

Unter Kazaa-Nutzern war der Altnet-Start nicht mit besonderer Begeisterung aufgenommen worden. Für Argwohn hatte insbesondere Altnets Ankündigung gesorgt, auch die Festplatten- und CPU-Ressourcen seiner Nutzer vermarkten zu wollen. Bisher sind diese Pläne aber noch nicht umgesetzt worden. Dafür bringt Altnet nach eigenen Angaben mittlerweile pro Monat 15 Millionen kopiergeschützte Dateien unters Volk. Nach Informationen der US-Zeitschrift Wired wurden über das Netz im Netz im Oktober 15 000 Titel der Computerspiele-Schmiede Infogrames verkauft - und das, obwohl die meisten davon auch kostenlos über Kazaa heruntergeladen werden können.

Ob Kazaa mit dem jetzigen Schritt letztlich Erfolg haben wird, ist fraglich. Bisher hat die Tauschbörse nicht eben viele Punkte vor Gericht einheimsen können. So hatte erst Anfang des Monats ein Gericht entschieden, dass Kazaa-Vertreiber Sharman Networks in den USA verklagt werden kann, obwohl die Firma im Südsee-Steuerparadies Vanuatu residiert. Doch mit Sicherheit wird die Gegenklage dafür sorgen, dass sich der Prozess gegen Kazaa weiter hinzieht. Ironischerweise sorgt damit gerade das ungeliebte Altnet-Netzwerk dafür, dass Kazaa-Nutzer erst einmal ungehindert weiter tauschen können. (jr)
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