Keine Einigung zwischen YouTube und Gema in Sicht

Plattenbosse: Deutschland ist digitales Entwicklungsland

Der Streit zwischen YouTube und der deutschen Verwertunggesellschaft Gema spitzt sich zu. Nach einer Klage der Gema, die die Rechte von über 60 000 Komponisten und Verlegern vertritt, sieht YouTube keine Grundlage für weitere Gespräche mehr.

"Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar" - mit diesem Satz werden seit Jahren die deutschen YouTube-Nutzer sehr häufig konfrontiert. Erst kürzlich hatte das Google-Unternehmen YouTube diese Formulierung geändert und nennt dabei Namen der seiner Meinung nach Verantwortlichen. Sucht man etwa nach einem Video von Lady Gaga bekommt der Nutzer folgenden Satz zu lesen: "Leider ist dieses Video, das Musik von UMG beinhaltet, in Deutschland nicht verfügbar, da die GEMA die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt hat". Hier werden also in schönstem Juristen-Deutsch die Universal Music Group und die Gema als wahre Schuldige an der Posse um gesperrte YouTube-Videos genannt. Aber auch Musik anderer Verlage bleibt bei Youtube derzeit außen vor und besonders häufig betroffen ist dabei Musik aus den aktuellen Charts, also die Clips, die am meisten gesucht werden.

Die Gema wehrt sich gegen die Vorwürfe, schließlich geht es in der aktuellen Klage nur um genau 12 Titel, die von YouTube gesperrt werden sollen. Zuvor hatte die Gema bereits per einstweiliger Verfügung 75 weitere Titel sperren lassen wollen. Natürlich geht es dabei einfach nur ums Geld. Während die Gema darauf beharrt für ihre Mitglieder, also Komponisten, Texte und Verleger ihren wohl verdienten Anteil einzutreiben, strebt Youtube an, die Rechteinhaber einfach nur an den Werbeeinnahmen zu beteiligen, so wie es in Frankreich oder Italien längst gängige Praxis ist. Weitere Gespräche mit der Gema könne es aber nur dann geben, wenn sie am Verhandlungstisch und ohne juristisches Verfahren möglich seien, so Youtube-Sprecher Kay Oberbeck nach Angaben von dpa. Aus ähnlichen Gründen ist wohl auch die erfolgreiche schwedische Streaming-Plattform Spotify noch nicht auf dem deutschen Markt, die in Kürze Facebook mit Musikstreams versorgen wird (wir berichteten).

Derzeit schauen in Deutschland alle Beteiligten in die Röhre: sowohl Youtube, die viele Musikvideos der großen Verlage sperren, um weiteren rechtlichen Schritten aus dem Weg zu gehen, als auch die Künstler und Plattenfirmen, die über die wichtigste globale Online-TV-Plattform derzeit keine Einnahmen erwirtschaften können und nicht zuletzt die User, die umständlich recherchieren müssen, um aktuelle Clips ihrer Lieblingskünstler zu finden - und früher oder später auf illegale Seiten gelangen, wo die Videos problemlos zu finden sind. Und so wird diese peinliche Farce nun wohl noch eine ganze Weile weiter gehen.

Update: Aufgrund der jüngsten Entwicklung haben sich nun die Chefs der beiden Majorlabels Sony Music und Universal Music erstmals öffentlich zum Thema zu Wort gemeldet und die Gema aufgefordert, ihre Blockade-Haltung aufzugeben. Frank Briegmann von Universal nannte gegenüber Spiegel Online die veröffentlichten Preislisten der Gema für die Online-Nutzung von Musik "schlichtweg unrealistisch", auch wenn er die Details der Verhandlungen mit YouTube nicht kenne. Noch klarer drückte sich Sony-Chef Edgar Berger aus: "Deutschland ist im digitalen Musikmarkt ein Entwicklungsland - und ein wesentlicher Grund dafür ist die Haltung der Gema."

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