Kindle und Co. - Was taugen die neuen Lesegeräte?

Kindle Touch kommt nach Deutschland

Der Markt der Tablet-Computer und E-Book-Reader ist derzeit extrem umkämpft. Kaum wurde der Desktop-PC quasi beerdigt, sagt man auch schon den Notebooks ein baldiges Ende voraus. Nun bringt Amazon seinen Kindle mit Touchscreen nach Deutschland. Doch was können und wollen diese neuen, tragbaren Geräte wirklich?

Insbesondere Amazon drückt mit seinem Kindle kräftig auf die Tube. Nachdem man bereits im Jahr 2007 den neuen E-Book-Reader vorgestellt hatte, der sich vor allem in den USA schnell großer Beliebtheit erfreute, kommen in Kürze die neuen Modelle auch nach Deutschland. Während man bisher nur die ausgesprochenen Leseratten bediente, soll dann für jeden etwas dabei sein. Die Strategie von Amazon: möglichst jeden Kunden mit einem günstigen Endgerät versorgen und am Ende mit den Inhalten Geld verdienen. Besitzer eines Kindle kauften in den USA fast dreimal so viele Bücher bei Amazon wie vorher.

Das ist auch wohl die konsequente Strategie gegen den Hauptkonkurrenten Apple, der im digitalen Musikmarkt Amazon das Geschäft durch den Coup mit seinem iTunes Store massiv abgegraben hatte. Viel zu spät und viel zu zögerlich zog Amazon mit einem eigenen MP3-Angebot nach. Amazon zielt nun aber direkt auf die möglicherweise einzige große Schwäche von Apple: den Preis. Für viele sind die Geräte von Apple nicht erschwinglich, für das neueste Modell des iPad zahlt man immer noch fast 500 Euro, obwohl es viel weniger kann als ein handelsübliches Notebook zum gleichen Preis. Dagegen setzt Amazon seinen Kindle Fire. Noch kleiner, noch leichter und vor allem viel billiger als das iPad. Gerade mal 199 Dollar kostet das Gerät derzeit in den USA. Es bietet neben der Möglichkeit, Bücher digital zu lesen auch einen Browser, ein Mailprogramm, man kann Filme gucken und Musik hören. Eben alles, was man mit dem iPad auch kann. Wann es in Deutschland auf den Markt kommt, ist allerdings derzeit noch offen.

Wer den Kindle einfach nur zum Lesen braucht, aber trotzdem einen Touchscreen haben möchte, kann sich nun auch in Deutschland den Kindle Touch kaufen. Und wer einfach nur ein günstiges Lesegerät mit sehr gutem Display haben möchte, der ist mit dem neuen Kindle so günstig wie nie dabei. 99 Euro kostet das Einstiegsgerät derzeit in Deutschland, in den USA sogar nur 79 Dollar - gerade mal so viel wie ein dickes Buch. Neben der extrem langen Laufzeit der Lesegeräte, die nur zum Umblättern Strom brauchen, spricht vor allem eines dafür, sich ernsthaft mit dem Kindle auseinanderzusetzen: man kann sich bei Amazon von jedem Buch mindestens ein Kapitel kostenlos herunterladen. So kann man etwa in Charlotte Roches aktuellem Bestseller die umstrittenste und bekannteste Passage komplett kostenlos herunterladen und anschließend entscheiden, ob man tatsächlich mehr davon lesen möchte oder lieber nicht. Auf diese Weise spart man sich künftig so manchen teuren Staubfänger und hat den Anschaffungspreis schnell wieder drin. Auch seine Zeitung hat man mit einem Kindle-Abo selbst auf Reisen ins Ausland ständig dabei und bekommt sie sofort nach Redaktionsschluss aufs Gerät übermittelt.

Und das sind nur einige der vielen Vorteile gegenüber der klassischen Papiervariante. Denn der Kindle ist mit 170 Gramm leichter als jedes Buch und passt sogar in die Hosentasche. Nur drauf setzen sollte man sich nicht, sonst ist man möglicherweise seine komplette Büchersammlung mit einem Schlag los und gezwungen, sich ein neues Gerät anzuschaffen. Doch Amazon zeigt sich auch beim Austausch eines defekten Kindle erstaunlich großzügig und kulant. Fragen werden beim Umtausch kaum gestellt.

Eines zeigt die neue Strategie mit dem Kindle auch ganz deutlich: Amazon hat es nicht nur auf Apple abgesehen, sondern möchte auch selbst ins Verlagsgeschäft einsteigen. Mit hohen Margen lockt Amazon derzeit US-Autoren, um sie exklusiv an sich zu binden. Damit könnte Amazon das Buchgeschäft künftig komplett umkrempeln und den Verlagen ihre Existenzgrundlage nehmen. Es ist also ganz offensichtlich, warum Amazon seinen Reader am liebsten gleich verschenken würde. Langfristig ist das Geschäft mit den Inhalten viel interessanter, als das Geschäft mit immer billiger verfügbaren, immer weniger unterscheidbarer Hardware. Und auf diesem Gebiet ist Apple wohl auch nach der Ära von Steve Jobs nicht so schnell einzuholen.

Kindle Touch bei Amazon

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