Kommt die Musik-Flatrate?

Debatte um Download-Pauschale in Frankreich geht weiter

In Paris wird kommenden Montag die Debatte über die Urheberrechtsreform im Parlament wieder aufgenommen. EMI und andere Musikriesen sehen durch eine solche Kulturflatrate das Wachstum des Online-Marktes gefährdet. Verbraucherschützer, Künstlerallianzen und Internetnutzer unterstützen die Einführung einer globalen Lizenz.

Kritiker meinen, eine Pauschalabgabe für Musik nehme dem Urheber die Möglichkeit, sich gegen die Vervielfältigung seiner Werke auszusprechen. Außerdem würde sie auch alle Internet-Nutzer gleichermaßen zur Kasse bitten und benachteilige dadurch diejenigen Nutzer, die keine Musik aus dem Netz herunterladen. Der französische Rechtsprofessor Jerome Huet meint deshalb, jede User solle die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, ob er zahlen und downloaden will oder nicht.

Aber geht die Diskussion über Höhe und Freiwilligkeit der Abgabe nicht einigermaßen an der Realität vorbei? Beschäftigt man sich mit den Visionen des anerkannten Musik-Futuristen Gerd Leonhard, ist man geneigt, die Frage mit einem klaren ?JA!? zu beantworten. Leonhard nämlich ist der Überzeugung, dass die Pauschalabgabe kommt und ? ganz egal wie hoch sie letztlich sein wird ? ohnedies von den Service-Providern übernommen wird. Schließlich würden diese durch die Möglichkeit, gezielte Nutzerprofile anzulegen ungemein profitieren, denn in der Bewerbung auf Basis solcher Profile läge schier unglaubliches Potential. ?Intelligente? Werbung , das sei das Geschäft der Zukunft, so Leonhard.

Sollte der Dienst früher oder später tatsächlich gratis sein, erübrigt sich aber auch jede weitere Diskussion darüber, ob der desinteressierte User dem Musikliebhaber gegenüber, der den Dienst in Anspruch nimmt, benachteiligt sei oder nicht.
Musik wird in naher Zukunft wie fließendes Wasser gehandelt werden, so die Vision Leonhards, die im Wesentlichen auf einem Zitat David Bowies aus dem Jahr 2002 (?Musik wird zu so etwas werden wie Leitungswasser oder Elektrizität) fußt.

Und die CD/DVD? Werden die Trägermedien dadurch abgeschafft? Auch der verbohrteste Musikwirtschaftsstratege sollte endlich eines kapiert haben. Kein wie immer gearteter Dienst wird es schaffen, Medien, die uns ein grafisches, haptisches und informelles Erlebnis bereiten, zu verdrängen. Oder wie war das mit Kabelfernsehen? Hat es das Kino und die DVD abgeschafft? Na bitte!

Ob Leonhards Vision Wirklichkeit wird, hängt im Wesentlichen davon ab, ob auch die Musikriesen irgendwann von der Einsicht gestreift werden und erkennen, dass Downloads die Vorstufe zu ihrem Geschäft sind. Und sich bereit erklären, ihre ohnedies allmählich wegbröckelnden Distributions-Macht abzugeben. Doch aller Anfang ist schwer und loszulassen noch viel mehr? (md)

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