Kopieren, Kiosk und Kiddy-Contest

Der Tonspion Wochenrückblick
Die deutschen Indies jubeln und fordern „Respect“, international boomen so genannte „Kiosk-Angebote“ und auch in Österreich sind die Jahrescharts fest in Kinderhand.

Der VUT, Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen und Musikverlage, veröffentlichte dieser Tage eine Studie mit dem schönen Titel ?Wachstum gegen den Trend?. Darin heißt es, entgegen dem Rückgang am Tonträgermarkt zwischen 1998 und 2004 in einem Ausmaß von -40% sei die Mitgliederzahl der so genannten "Indies" im gleichen Zeitraum um 270% gewachsen. Vielleicht deshalb, weil man in der gleichen Studie behauptet zu wissen, dass die Welt keine Scheibe mehr ist? Gut möglich. Jedenfalls fordert man jetzt "Respect" und zwar für die Interessen der Konsumenten durch Abschaffung des Kopierschutzes. Weiter so!

Die US-amerikanische Kaffeehaus-Kette Starbucks zeigte vor wie´s geht und viele andere eigentlich Branchenfremde sprangen auch auf den Zug des digitalen Musikhandels auf. Äußerst erfolgreich, wie die Agentur Reuters diese Woche berichtete. So genannte "Kiosk-Angebote" boomen wie nie zuvor. Und dabei stört offenbar nicht einmal, dass die Angebote in aller Regel nicht Apple-kompatibel sind. Also: Anhören, kaufen, downloaden, aber nicht in den iPod. Ob das tatsächlich die Zukunft ist?

Was den Deutschen ihr Schnappi und den Briten ihr Crazy Frog, ist den Österreichern offenbar ihr Kiddy-Contest: Die Kinder-Karaoke-CD räumte in den österreichischen Jahrescharts 3-fach-Platin ab und rangierte dem nationalen IFPI-Bericht zufolge unangefochten auf Platz 1 ? noch vor Robbie Williams und Madonna. Ein europäisches Phänomen: Wir erinnern uns an daran, dass in England Crazy Frog wochenlang die kalkulierte Nummer 1 für Coldplays "Speed of Sound" blockierte und EMI in arge Bedrängnis brachte. Und hierzulande ist´s auch nicht wirklich besser, führt doch Schnappi das Krokodil die Jahrescharts an. Für Schnappi und Konsorten sollte man eigentlich eine Spezial-Wertung eingeführt werden. Vielleicht findet man dann wieder Musik in den Charts?

Das wirklich Sensationelle am österreichischen IFPI-Report ist allerdings der Fakt, dass dort bereits zwei Drittel aller digitalen Downloads über mobile Telefone erzielt werden! Was dann wiederum den Boom der kindischen Klingeltonlieder in den Charts erklären dürfte. (md)

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