Kopierschutz illegal?

Immer mehr CDs haben einen Kopierschutz – können nicht vervielfältigt oder in MP3s umgewandelt werden. Nun hagelt es Proteste.

Zahlreiche Freunde der Musik haben sich schon beschwert über die neuerdings gehäuft auftretenden kopiergeschützten CDs ? Foren wurden vollgetippt, Protestbriefe geschrieben. Um unerlaubte Vervielfältigungen zu verhindern, versehen immer mehr Labels ihre Rundlinge mit digitalen Schutzmechanismen. Damit beschneiden sie aber auch die Rechte ihrer Kunden ? denn MP3s und Kopien für den Privatgebrauch sind passe, wenn ein Kopierschutz wirkt. Nun gibt es erste Proteste seitens der Industrie und Politiker.

So schrieb der amerikanische Kongress-Abgeordnete Rick Boucher einen Brief an die Recording Industry Association of America (RIAA). In dem Schreiben legt er nahe, dass der Vertrieb von gesicherten CDs illegal sei, da er gegen die ?Fair Use Doctrine? verstoße, die besagt, dass jeder Anwender für den privaten Gebrauch eine vertretbare Anzahl von Kopien machen kann. ?Copyright-Inhaber haben nicht das Recht, einen CD-Käufer an der Ausübung seines Kopierrechts zu hindern", schrieb Boucher.

Auch der niederländische Hardware-Hersteller Philips findet kopiergeschützte CDs reichlich daneben. "Eine richtige CD sollte überall abspielbar sein", sagte der, General Manager Copyright Office Philips, Gijs Wirtz, zur Computerbild. Zudem forderte er, dass geschützte CDs mit folgendem Hinweis kenntlich gemacht werden: ?Bei diesem Produkt handelt es sich nicht um eine CD, es bietet keine CD-Qualität und es hat nicht die Lebensdauer einer CD!"

Warum gesicherte Tonträger nicht so lange leben wie ihre frei kopierbaren Artgenossen, erklärt der Philips-Mann auch: Die Fehlerkorrektur des CD-Players werde durch den Kopierschutzmechanismus stark beansprucht. Normalerweise sei sie aber dafür da, kleine Kratzer und Verschmutzungen auf der Silberling auszubügeln. Wird die Funktion jedoch durch den Kopierschutz vehement in Anspruch genommen, könne es durchaus möglich sein, dass nach ein paar Wochen die Scheibe nicht mehr läuft. ?Sogar Kunden, die glauben, nicht betroffen zu sein, weil eine CD zunächst funktioniert, könnten später schwer enttäuscht werden", sagt Wirtz. Der beste Weg gegen diese defekten CDs vorzugehen ist nach Aussage von Wirtz der Kunde, der sich das nicht gefallen lässt und sich direkt beim Handel beschwert. Als Patenteinhaber könne Philips zwar auch gegen die geschützten CDs klagen, doch dieser Weg sei der weitaus langwierigere. (th)

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