Kopierschutz: Sony BMG erneut in Schwierigkeiten

5,7 Millionen CDs von neuer Sicherheitslücke betroffen
Der Musikkonzern Sony BMG hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen Probleme mit Kopierschutz-Mechanismen. Am Mittwoch wurde neuerlich ein Softwarefehler bekannt.

Diesmal ist es das vom US-Unternehmen Suncomm hergestellte Programm MediaMax, die für Sicherheitsprobleme auf den Rechnern von CD-Käufern sorgt. Nach Angaben der Internet-Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation (EFF), die den Fehler entdeckt hatte, öffnet das Kopierschutzprogramm Hackern Tür und Tor. Von der Software installierte Dateien erlauben es Gastbenutzern Administratorenrechte auf Windows-PCs zu erlangen. Betroffen sind rund 5,7 Millionen in den USA und Kanada ausgelieferte CDs, darunter Alben von Alicia Keys, David Gray und Cassidy. In Europa veröffentlichte CDs sollen nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen sein.

Der Musikkonzern war in den vergangenen Wochen wegen der Verwendung der Kopierschutztechnologie XCP, die beim Abspielen von Audio-CDs Spionagesoftware auf den Rechnern ihrer Nutzer installiert, heftig kritisiert worden. In dem Fall sind mittlerweile auch mehrere Klagen anhängig. Diesmal hat Sony BMG zwar schnell reagiert und einen Software-Patch bereit gestellt, der den Fehler behebt, Kritiker bleiben jedoch skeptisch. "Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass die Software jetzt sicher ist", meinte ein Verterter der EFF gegenüber US-Medien.

Auch die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Audio-CD-Kopierschutztechnologien im Allgemeinen dürfte noch lange nicht zu Ende sein. Am Dienstag, noch vor Bekanntwerden der neuerlichen Sicherheitslücke, veröffentlichte die "New York Times" einen Gastkommentar von Damian Kulash Jr., dem Frontman der US-Band OK Go, der mit den Kopierschutzmaßnahmen der Musikindustrie hart ins Gericht geht. Kopierschutz, zürnte der Sänger, verärgere die letzten verbliebenen Käufer von Musik und verhindere darüber hinaus, dass Songs ein Publikum finden: "Wir Musiker fragen uns natürlich, wie viele Leute eigentlich unsere Musik hören könnten, wenn ihre Verbreitung nicht von den Labels durch den Einsatz lästiger Software sabotiert werden würde." (dax)

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