Kopierschutzknacker freigesprochen

Eine schwere Niederlage musste die Entertainment-Industrie im Prozess gegen den 19 jährigen John Lech Johansen einstecken. Der hatte vor vier Jahren das Programm DeCSS geschrieben, mit dem man DVDs knacken konnte. Und vollkommen zu Recht, wie das Gericht in Oslo nun befand.

Auf dieses Urteil dürfte auch die komplette Musikindustrie mit Bestürzung reagieren. Denn auch die sieht ihr Heil derzeit nur noch in der flächendeckenden Verbreitung von Kopierschutzmechanismen für CDs und der Einführung der DVD. Aber das scheint nichts anderes, das alte Duell zwischen Hase und Igel zu sein. Egal welcher Kopierschutz auf den Weg gebracht wird - die Hacker waren schneller.

Als vor vier Jahren die ersten DVDs eingeführt wurden, kamen diese mit einem angeblich unknackbaren Kopierschutzsystem namens CSS ("Content Scrambling System") auf den Markt. Den damals noch fünfzehnjährigen Johansen kostete es aber lediglich wenige Wochen eine Software zu entwickeln, mit der man den Kopierschutz aushebeln konnte. Johansen gab zur Begründung vor Gericht an, er wollte einfach die DVD auch auf seinem Linux System abspielen können, was vorher nicht möglich war. Auch das Argument, dass man auf nicht kommerzieller Basis die Inhalte tauschen wollte, schreckte das Gericht kaum. Schließlich ginge es nur ums Teilen und das sei schließlich nicht verwerflich, argumentierten die Anwälte von Johansen. Insofern könne man einen jugendlichen Programmierer nicht in eine kriminelle Ecke stellen. Das sah auch das Gericht so. Vor allem habe Johansen aber gar keine Straftat begangen, da er sein Programm für den Eigenbedarf zusammengebaut habe, aus Code, der ihm zugeschickt worden war. So ging der junge Held der Hackerszene straffrei aus.

Sein Programm wurde genau so wie der Kopierschutz von DVDs inzwischen längst durch neue Systeme abgelöst. Das Prinzip aber bleibt dasselbe: jeder Kopierschutz wurde bisher geknackt, egal als wie sicher dieser zuvor angepriesen wurde. Und das dürfte auch so bleiben, so lange es junge motivierte Programmierer mit wenig Geld aber viel Freizeit, wie John Lech Johansen, gibt. Was der Unterhaltungsindustrie bleibt, ist, sich weiterhin lächerlich zu machen. Oder umzudenken. (ur)

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