Kritik an Apple Music wird lauter

Wird der neue Streamingdienst zum Rohrkrepierer?

Gut einen Monat ist Apple Music nun auf dem Markt und will mit einem auf drei Monate begrenzten kostenlosen Angebot um neue Nutzer werben. Doch die Kritik an Apple Music wird zunehmend lauter, selbst im engsten Apple-Umfeld.

"Apple Music, world radio, is that some sort of George Orwell shit going on? How can you be so arrogant that you can say “We now fucking own world radio.” It came up on my phone, it’s there. What would I listen to? It’s not playing the Kinks. Unless there’s a fucking section that says “Noel Gallagher’s music collection” then I won’t be listening to it."
(Noel Gallagher)

Unsere aktuelle Umfrage zeigt: von "Wechselstimmung" kann gar keine Rede sein. Knapp 50 Prozent unserer Nutzer geben an, weiterhin Spotify als Streamingdienst ihrer Wahl zu nutzen. Nur rund 9 Prozent sind derzeit bei Apple Music, obwohl das Apple Angebot bis zum Oktober noch völlig kostenlos ist.

Dafür kann es viele Gründe geben: viele sind mit Spotify schlichtweg zufrieden und haben sich längst daran gewöhnt. Und die Neuheiten die Apple bietet sind überschaubar. Was Apple Music vor allem angekreidet wird: 

1. Die Benutzeroberfläche ist zwar schön bunt, aber dadurch auch verwirrend. Weniger wäre mehr gewesen. 

2. Die einzelnen Features sind weitgehend aus anderen Diensten bekannt und die eigenen Entwicklungen wie Apple Connect (Werbeplattform für Stars) und Beats Radio One sind für viele User schlichtweg verzichtbar. Warum sollte man auch einen auf den US-Markt ausgerichteten englischsprachigen Radiosender hören in Deutschland?

3. In kuratierten Playlists tauchen Songs auf, die gar nicht streambar sind. 

4. Die Verzahnung von iTunes und Apple Music ist teilweise verwirrend. Viele klagen über verlorene, nicht mehr auffindbare Tracks.

5. Die maximal verfügbare Soundqualität ist schlechter als bei der Konkurrenz. 

Selbst erklärte Apple-Jünger reagieren ernüchtert und mutmaßen, dass Apple Music wie  das Fiasko Apple Maps mit heißer Nadel und ohne Liebe zum Detail gestrickt wurde - und deshalb möglicherweise scheitern werde. 

Apple-Insider Jim Dalrymple, der seit 17 Jahren über Apple berichtet fasste sich kurz: "Apple Music is a nightmare and I'm done with it." Selbst nach einer persönlichen Einladung von Apple konnte seine durch Apple Music korrumpierte Musiksammlung nicht mehr wieder hergestellt werden. 

Der frühere Apple-Mitarbeiter Matt Drance twitterte: "Die neue App ist nicht nur schlecht. Sie kreist nur um ein Geschäftsmodell und nicht um die Interessen und die Intuition der User. Das ist besorgniserregend."

Der Tweet wurde auch von Apple-Mitarbeiter Mark Miller retweetet, was darauf schließen lässt, dass man auch innerhalb von Apple nicht unbedingt glücklich über das neue Produkt ist. 

Am Ende entscheiden aber nicht Kritiker, ob Apple Music floppt oder nicht, sondern die Abonnenten. Noch zwei Monate hat Apple Zeit, sie vom Wechsel eigene Angebot zu überzeugen. Bislang sieht es - zumindest bei unseren Usern - nicht danach aus, als hätte Apple Music gegen Spotify den Hauch einer Chance, trotz eines enormen Marktvorteils durch die direkte Integration in iTunes. 

Und sollte Apple versuchen mit exklusiven Releases mehr Abonnenten zu gewinnen, dann sollte man sich in Cupertino schon mal auf heftigen Gegenwind in den sozialen Medien einstellen. Jay-Z kann davon ein Lied singen.

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