Kurzfilm: Wagner im Berghain

Techno-Oper "Parsifal" von Moritz von Oswald

Was das Festspielhaus in Bayreuth, ist das Berghain in Berlin: ein Hohetempel der Musik. Also warum nicht Wagner ins Berghain holen und aus "Parsifal" ein ganz neues Stück machen? Die Besetzung dieses Kurzfilms reicht von Peaches über Jacques Palminger bis hin zu Berghain-Türsteher Sven Marquardt.

Black Mountain
Berghain-Türsteher Sven Marquardt als Gralsritter

Wagner Fans müssen jetzt ganz tapfer sein: von Wagners klanggewaltigem "Parsifal" ist in "Black Mountain" nicht viel übrig geblieben. Moritz Oswald hat sich zwar von der Geschichte Wagners inspirieren lassen, bleibt aber musikalisch ganz klar im Techno-Kontext.

10 Tipps wie man garantiert ins Berghain kommt (oder auch nicht)

Das Video erzählt die Geschichte des "Parsifal" komprimiert auf 10 Minuten. Es war das letzte Werk Wagners und sollte nach seinem letzten Willen nur in Bayreuth aufgeführt werden. 


Katharina Wagner, Wagner-Enkelin und künstlerische Leiterin der Bayreuther Festspiele, war beratend an der Produktion dieses Videos beteiligt. Das Originalwerk dauert rund 4 Stunden, das Video komprimiert die Geschichte auf 10 Minuten.

Hier die inhaltliche Zusammenfassung:

1. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg 

Garten der Villa Rufolo, das Vorbild des „Zaubergartens“
Auf einer Waldlichtung nahe der Gralsburg weckt Ritter Gurnemanz einige Knappen. Er fordert sie auf, zu beten und das Morgenbad des an einer nicht heilenden Wunde leidenden jungen Gralskönigs Amfortas vorzubereiten. Kundry, die geheimnisvoll wilde Helferin der Gralsritter, kommt eilig herbeigeritten. Mit letzter Kraft überreicht sie Balsam für den König. Halb verzweifelt, halb spöttisch bemerkt sie, er werde genauso wenig helfen wie das Heilkraut, das Ritter Gawan bereits gebracht hat. Kundry wird von den Knappen als „Heidin“ und „Zauberweib“ verhöhnt. Nur Gurnemanz nimmt sie in Schutz, als die Knappen spottend fordern, Kundry solle losziehen, um die verloren gegangene heilige Lanze zurückzuholen. Jetzt erzählt Gurnemanz, dass nach einer Prophezeiung nur ein „durch Mitleid wissender“ reiner Tor den Speer zurückgewinnen und Amfortas damit heilen könne. Denn die Wunde schließe nur derjenige Speer, der sie geschlagen habe.

Die Szene wird durch Lärm vom nahen See gestört. Die Ritter haben einen Knaben gefangen, der mit Pfeil und Bogen einen heiligen Schwan getötet hat. Es ist Parsifal, der Sohn der Herzeleide und des vor seiner Geburt im Kampf gefallenen Ritters Gamuret. Der Knabe wuchs unter alleiniger Obhut seiner Mutter im Wald ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt auf. Er selbst kennt weder seinen Namen, noch weiß er, woher er kommt und wer sein Vater ist. Kundry kennt seine Geschichte und erzählt vom Tod seiner Mutter. Gurnemanz hofft, in ihm den in der Vision des Amfortas angekündigten „reinen Toren“ gefunden zu haben, und nimmt ihn mit zur Gralsburg, während Kundry in einen hypnotischen Schlaf fällt.

In der Gralsburg wird Parsifal stummer Zeuge, wie sich die Ritter mit Amfortas um dessen im Grab lebenden Vater Titurel zur Enthüllung des Grals versammeln. Amfortas beklagt seine Schmerzen, die der Anblick des Grals nur kurz lindern kann. Titurel und die Ritter fordern ihn auf, den Gral zu enthüllen. Der Kelch mit dem Blut Christi leuchtet in einem magischen Lichtschein. Die Ritter nehmen daraufhin das Mahl, Brot und Wein, und verlassen danach gestärkt den Tempel. Parsifal ist nicht fähig, zu all dem, was er sah, etwas zu sagen, und wird von Gurnemanz, der glaubt, sich in ihm getäuscht zu haben, vor die Tür gesetzt. Jedoch: eine Stimme aus der Höhe wiederholt mit den letzten Klängen der Gralsglocken die Worte der Prophezeiung: „Durch Mitleid wissend, der reine Tor“.

2. Aufzug, Klingsors Zaubergarten

Der zweite Akt führt in eine andere, fantastische Welt. Klingsor, der nicht in die Gralsritterschaft aufgenommen worden war, weil er sich selbst entmannt hatte, um seiner Begierde Herr zu werden, hasst seitdem die Ritter und hat den Zaubergarten zu deren Vernichtung geschaffen. Er beobachtet jetzt in seinem Zauberspiegel Parsifal, der sich seiner Burg und dem Zaubergarten nähert. Mit Kundry als Werkzeug will Klingsor dem Toren die Unschuld rauben, so wie vielen Gralsrittern zuvor. Jetzt wird die Rolle der Kundry aufgedeckt: weil sie Jesus Christus auf seinem Wege zur Kreuzigung ausgelacht hat, sucht sie ihn – „von Welt zu Welt“ – in immer neuen Wiedergeburten, um endlich Erlösung von ihrer Schuld zu finden. Voller Todessehnsucht dient sie seither den Gralsrittern freiwillig büßend als Helferin, aber es gelingt Klingsor immer wieder, sie in seinen Bann zu ziehen und als willenloses, schönes Werkzeug der Verlockung zu missbrauchen. Sie war es, die Amfortas verführt hatte, wodurch Klingsor ihm den heiligen Speer entreißen und die nicht heilende Wunde zufügen konnte. Nunmehr soll Kundry Parsifal betören und somit vernichten. Erlösung kann sie nur erlangen, wenn ein Mann ihrer Verführung widersteht. So fügt sie sich nur widerstrebend dem Befehl Klingsors, Parsifal zu bezwingen, muss sich aber seiner Macht beugen.

Als Parsifal den Verlockungen der Blumenmädchen in Klingsors Zaubergarten entfliehen will, ruft Kundry ihn bei seinem Namen. Gebannt lauscht der Knabe ihrer Erzählung vom traurigen Schicksal seiner Eltern. Parsifal ist zutiefst erschüttert. Tröstend, aber mit der Absicht, ihn in die Liebe einzuführen, schließt sie ihn in ihre Arme. Während eines langen Kusses erkennt Parsifal blitzartig die Ursache von Amfortas′ Qualen und seine eigene Bestimmung; er wird „welthellsichtig“. Er stößt Kundry zurück und verspricht ihr dafür Erlösung. Ihr Ausbruch von rasendem Lachen und Schreien ruft Klingsor herbei, der den heiligen Speer gegen Parsifal schleudert. Der Speer bleibt über Parsifals Haupte schweben. Er ergreift ihn und schlägt mit ihm das Kreuzeszeichen, woraufhin Klingsor und mit ihm der gesamte Zaubergarten der Zerstörung anheimfallen. Kundry blickt im Zusammensinken auf Parsifal, der ihr im Enteilen noch zuruft: „Du weißt, wo du mich wiederfinden kannst!“

3. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg

Viele Jahre sind vergangen. Gurnemanz lebt nunmehr als Einsiedler im Wald und findet Kundry in tiefer Ohnmacht im Gestrüpp. Von ihm erweckt erscheint sie völlig gewandelt: sanft, hilfsbereit und schweigsam. Da erscheint ein Ritter in schwarzer Rüstung. Gurnemanz heißt ihn, mit dem Hinweise auf den heiligen Karfreitag, seine Waffen abzulegen. Nachdem der Ritter seine Waffen und die Rüstung abgelegt hat, erkennt Gurnemanz hocherfreut, dass er Parsifal mit dem heiligen Speer vor sich hat, der zur Gralsburg zurückgefunden hat. Er begrüßt ihn und erzählt vom Zerfall der Gralsgesellschaft: Amfortas hat, um endlich seinen eigenen erlösenden Tod zu erzwingen, die lebensenergiespendende Zeremonie der Gralsenthüllung nicht mehr vollzogen. Sein Vater Titurel ist dadurch bereits gestorben, und nur zu dessen Totenfeier will Amfortas an diesem Tag noch ein letztes Mal den Gral enthüllen.

Parsifal bricht daraufhin in verzweifelten Selbstanklagen zusammen, Gurnemanz segnet ihn und salbt ihn zum neuen Gralskönig. Als sein „erstes Amt“ spendet er der heftig weinenden Kundry die Taufe. Staunend nehmen Parsifal und Gurnemanz die in der Vormittagssonne erstrahlende, miterlöste idyllische Natur wahr. Als gegen Mittag das Glockengeläut von der Gralsburg her ertönt, machen sich alle drei auf den Weg dorthin. Im Tempel hat sich die Gralsritterschaft, den Leichnam Titurels begleitend, versammelt. Amfortas klagt um seinen toten Vater, der durch seine Schuld, weil er den lebensspendenden Gral – zur Beschleunigung seines eigenen Ablebens – nicht mehr enthüllt habe, gestorben sei. Er verweigert erneut die vorgesehene Gralsenthüllung und erfleht verzweifelt seine Erlösung von den Qualen seiner unheilbaren Verwundung: die Ritter mögen ihn töten, dann werde ihnen von selbst der Gral leuchten. Da erscheint der von Gurnemanz und Kundry begleitete Parsifal und schließt endlich mit dem heiligen Speere jene Wunde, die Amfortas einst von Klingsor zugefügt worden war.

Als neuer Gralskönig enthüllt Parsifal endlich wieder den Gral, und aus der Höhe schwebt eine weiße Taube als Zeichen göttlicher Gnade auf ihn herab. Amfortas und Gurnemanz huldigen dem neuen Gralshüter; Kundry sinkt – endlich von ihrem Fluch erlöst – entseelt zu Boden.

Quelle: Wikipedia (Lizenz: CC 3.0)

BLACK MOUNTAIN 
A new interpretation of Wagners Parsifal
by LAWBF, Moritz von Oswald and Jan Engel 

CAST
in order of appearance

Jacques Palminger
as
Gurnemanz

Tómas Lemarquis
as
Parsifal

Volker Spengler
as
Titurel

Andreas Pietschmann
as
Amfortas

VER.u.s.c.h.k.A
as
Motif of Suffering

Sven Marquardt
as
Motif of the Grail

Alexander Scheer
as
Klingsor

Peaches
as
Kundry

Jasna Fritzi Bauer
as
Flower Maiden

Nina Kraviz
as
Motif of Salvation

Director Nicholas Mockridge

Lilja Rupprecht

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