Labels widersprechen Studie der Piratenpartei über Künstlereinkommen

"Von Unkenntnis und Einfältigkeit geprägt"

Die Piratenpartei hat eine Studie veröffentlicht, nach der die Einkommen der Künstler seit 1995 um 30% gestiegen seien. Mehrere Seiten widersprechen nun  dieser Schlussfolgerung und halten die Studie für methodisch fragwürdig.

Die Piratenpartei trat von Anfang an für ein freies Netz ein und würde am liebsten auch Tauschbörsen legalisieren und Filme und Musik kostenlos im Netz verteilen. Um dieses Anliegen zu unterstreichen, veröffentlichte der Urheberrechtsexperte der Partei, Christian Hufgard, nun eine "Studie", die dokumentieren soll, dass die Einnahmen der Künstler im Internet-Zeitalter deutlich gestiegen seien. Dazu nimmt sie die Zahlen der Künstlersozialkasse (bei der Künstler ihre Einnahmen melden müssen) und der GEMA als Grundlage. 

Verschiedene Seiten werfen den Piraten schwere methodische Fehler vor, so widersprechen der Indielabel-Verband VUT, die Internetrecht-Informationsseite irights.de und die IT-Newsseite Golem den Schlussfolgerungen. Der VUT wendet ein, dass die KSK lediglich Einkommensschätzungen erhalte, weshalb diese Zahlen für eine Studie nicht belastbar seien. Die festgestellte Einkommenssteigerung sei im übrigen schon alleine durch die Inflationsbereinigung verschwunden.
Die GEMA wiederum beinhalte nur die Umsätze von Komponisten und Textdichtern, also einer kleinen Minderheit der Künstler, außerdem die Umsätze von Verlagen, die wiederum mit Künstlern nichts zu tun haben. So seien auch diese Zahlen nicht als Grundlage für eine Studie geeignet und auch nicht dafür, eine solche zugespitzte Schlussfolgerung anzustellen.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen irights und Golem, die grundsätzlich den Zielen der Musikpiraten näher stehen, als der VUT. Die Piraten gehen zwar kurz auf die erhobenen Vorwürfe ein, können sie jedoch nicht überzeugend entkräftigen.

Am Ende bleibt es bei der alten, traurigen Weisheit: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" - und eine Schlagzeile, die von Bloggern und Medien unhinterfragt weiterverbreitet wird und ein vollkommen falsches Bild über die oftmals prekäre Einkommensituation von Künstlern in Deutschland vermittelt.

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