"Let the music play" - das Konzept der EFF

Der bessere Weg in die Zukunft: Freiwillige kollektive Abgaben für Musik-Filesharing Das "Let the music play" White Paper der Electronic Frontier Foundation in der deutschen Übersetzung.

Die gegenwärtigen Kämpfe, die P2P-Filesharing umgeben, sind ein Verlustgeschäft für jeden. Die Plattenfirmen sehen sich weiterhin ihre glanzlosen Verkaufszahlen an, während weit mehr als 10 Millionen US-Filesharer - amerikanische Musik-Fans ? sich wie Verbrecher fühlen sollen.

Jeden Tag werden die Kolateralschäden größer ? das Privatleben ist gefährdet, Innovationen werden verhindert, ökonomisches Wachstum unterdrückt und einige unglückliche Individuen werden sogar juristisch verfolgt von der Plattenindustrie. Und die Prozess-Lawine gegen Musik-Fans hat bisher keinen einzigen Penny für die Künstler eingebracht.
Wir brauchen einen besseren Weg in die Zukunft.


Die Voraussetzungen

Zuerst einmal verdienen Künstler und Rechteinhaber, fair entschädigt zu werden.

Zweitens ist Filesharing nicht mehr rückgängig zu machen. Seit dem Ende von Napster gibt es mehr dezentralisierte Netzwerke denn je. Es ist bewiesen, dass Filesharing heute mindestens ebenso populär ist, wie vor den Prozessen.

Drittens machen die Fans einen besseren Job, Musik zugänglich zu machen, als die Labels. ITunes Musicstore von Apple prahlt mit mehr als 500,000 verfügbaren Stücken. Klingt recht gut, bis man begreift, dass die Fans Millionen von Musikstücken auf KaZaA verfügbar gemacht haben. Wenn der gesetzliche Schatten von den P2P Netzwerken verschwände, würden sich diese Netzwerke schnell verbessern.

Viertens soll jede Lösung das Eingreifen des Gesetzgebers zugunsten der Entfaltung eines freien Marktes minimieren.


Der Vorschlag: Freiwillige Kollektivabgaben für Musik

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat das vorige Jahr damit zugebracht, Alternativen auszuwerten, die es erlauben, Künstler zu vergüten und das Filesharing legal zu machen. Eine Lösung hat sich dabei als Favorit herauskristallisiert: freiwillige Kollektivabgaben.

Das Konzept ist einfach: die Musik-Industrie gründet eine Verwertungsgesellschaft, welche den Fans von Tauschbörsen das Angebot macht, legal Musik zu tauschen, gegen eine überschaubare regelmäßige Gebühr, 5 $ pro Monat zum Beispiel. Solange sie zahlen, sind die Fans frei weiterhin das zu tun, was sie sowieso tun ? Musik zu teilen, die sie lieben, dafür eine beliebige Software auf einem beliebigen Computer-System zu nutzen, was immer sie bevorzugen - ohne Furcht vor Prozessen. Das gesammelte Geld wird unter den Rechteinhabern auf Basis der Popularität ihrer Musik geteilt.

Dafür können tauschende Musik-Fans herunterladen, was immer sie mögen, wo immer sie mögen. Je mehr Leute ihre Musik tauschen, desto mehr Geld geht an die Rechteinhaber. Je mehr Konkurrenz sich die verschiedenen Anbieter machen, desto schneller werden Innovationen und technische Verbesserungen möglich sein. Je mehr Freiheit die Fans haben, zu veröffentlichen, was sie mögen, desto umfassender wird das verfügbare Musikangebot.


Der Präzedenzfall: Radiosendungen

Es ist schon mal so gemacht worden.
Freiwillige Gesellschaften wie ASCAP, BMI und SESAC (Anmerkung: vergleichbar der GEMA in Deutschland) sorgten dafür, dass die urheberrechtliche Kälte in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zugunsten der Songschreiber überwunden wurde.

Die Komponisten sahen das Radio damals genau wie die Musik-Industrie heute KaZaA- Benutzer sieht - als Piraten. Nach einigen Versuchen, das Radio durch Klagen zu vernichten, schlossen sich die Songschreiber schließlich zusammen, um die ASCAP (und später die BMI und SESAC) zu gründen. Radiostationen, die Musik senden wollten, bezahlten eine Gebühr, und anschließend konnten sie die Musik spielen, die sie mochten, mit der Ausrüstung die am besten funktionierte. Heute sammeln die Verwertungsgesellschaften ASCAP und BMI Geld und zahlen ihren Künstlern jährlich Millionen aus. Wenn auch diese Verwertungsgesellschafen ab und zu der Kritik ausgesetzt sind, ist unbestritten, dass dieses System besser ist, als eines, dass das Radio grundsätzlich verbieten wollte.

Urheberrechtsanwälte nennen das ?kollektive Abgaben?. Das gleiche könnte heute für Filesharing gelten: Rechteinhaber könnten sich zusammenschließen, um ihre Musik in einem einfach zu bezahlenden, ?all-you-can-eat?-Paket anzubieten. Wir könnten dorthin gelangen ohne das Urheberrecht grundsätzlich zu verändern und mit minimalen Eingriffen des Gesetzgebers.


Das Geld: Wie man es einsammelt

Würde man nur mit den 60 Millionen Amerikanern anfangen, die Filesharing nutzen, würden 5 $ pro Monat mehr als 3 Milliarden $ reinen Profit jährlich für die Musikbranche bedeuten ? ohne eine CD zu einem Online-Einzelhändler zu schippern, keine Gelder für Radiokonglomerate, keinen Prozentsatz für KaZaA oder sonst jemanden abgeben zu müssen. Im besten Fall ist das ein immergrüner Einkommensfluss - Geld, das immer fließt, in guten wie in schlechten Zeiten, solange Fans online Musik beziehen wollen. Der Kuchen wächst mit dem Wachstum der Musik im Internet, statt dadurch zu schrumpfen.

Die ungefähren jährlichen Brutto-Einnahmen der Musikindustrie werden heute auf 11 Milliarden $ geschätzt. Aber das sind Brutto-Einnahmen. Kollektivabgaben, die Filesharing legalisieren, könnten also jährlich 3 Milliarden $ reinen Profit bedeuten - mehr als jemals zuvor.


Wie bringt man Tauschbörsen-Nutzer dazu, zu bezahlen?

Das ist der Punkt, wo der Markt ins Spiel kommt - diejenigen, die heute ins Visier der Justiz geraten sind, werden ein großes Interesse haben, eine einfache 5 $ Monatsgebühr zu entrichten. Es soll möglichst viele Bezahlsysteme geben, die sich am Markt behaupten müssen. Einige Fans könnten direkt über eine Website bezahlen (schließlich hatte die RIAA mit ihrem ?Amnestie-Programm? das auch vorgehabt). ISPs könnten die Gebühr aber auch im Preis ihrer Breitbanddienste integrieren, für alle Kunden, die sich für Musik-Downloads interessieren. Schließlich werden ISPs ein großes Interesse daran haben, ein Breitbandpaket anzubieten, das eine unbegrenzte Auswahl und Menge von Downloads beinhaltet. Universitäten könnten die Gebühr in die Kosten für ihre Netzwerk-Dienste integrieren. P2P Filesharing-Anbieter könnten die Gebühr in ein Abo-Modell für ihre Software packen, die sie aus dem Dunstkreis der Illegalität herausbefördern würde, was Investition im Gebiet von P2P Software bislang gehemmt hat.


Das Geld: Wie man es verteilt

Das gesammelte Geld würde zwischen Künstlern und Rechteinhabern aufgeteilt, auf der Basis der Popularität ihrer Musik.

Eine Möglichkeit um herauszufinden, was populär ist, könnte eine Mischung aus anonymer Überwachung, welche Musik getauscht wird (was Firmen wie Big Champagne und BayTSP bereits machen) und rekrutierten Freiwilligen sein, die die Entsprechung der ?Nielsen Familien? für Musikdownloads sein könnten (Anmerkung: eine repräsentative Auswahl, mit der das Konsumverhalten erforscht wird). Milliarden von Werbedollars fürs Fernsehen werden heute nach diesem System verteilt. In einer digitalen Welt sollte durch eine Mischung dieser beiden Modelle die richtige Balance zwischen der Wahrung der Privatsphäre einerseits und einer möglichst genauen Schätzung der der Popularität der Musik andererseits erzielt werden.


Die Vorteile

Die Vorteile dieses Entwurfs sind offensichtlich:

Künstler und Rechteinhaber werden bezahlt. Darüber hinaus wachsen diese Summen mit der Verbreitung von Breitband-Anschlüssen, was bedeutet, dass die starke Lobby der Unterhaltungsindustrie für ein großes, offenes und innovationsfreudiges Internet, statt dagegen arbeiten wird.

Eingriffe des Gesetzgebers werden auf ein Minimum beschränkt: das Urheberrechtsgesetz braucht nicht verbessert zu werden und die Verwertungsgesellschafen setzen ihre eigenen Preise fest. Die Zahl 5 $ pro Monat ist ein Vorschlag, keine Forderung. Gleichzeitig wird der Markt den Preis auf ein vernünftiges Niveau bringen ? die Verwertungsgesellschaften machen mehr Geld mit einem schmackhaften Preis und einer größeren Basis von Kunden, als mit einem höheren Preis und teuren Kampagnen.

Die Entwicklung von Breitbandtechnologien wird "Killerapplikationen" den Weg frei machen ? Musik-Filesharing wird legitim.

Endlich strömen Investitionen in den dann legitimierten Markt für digitale Musik-Software und Dienste. Anstatt auf eine Handvoll ?autorisierte" Dienste wie iTunes von Apple und Napster 2.0 beschränkt zu werden, wird ein Markt voll mit konkurrierenden Filesharing-Anwendungen und darauf aufbauenden Diensten entstehen. Wenn die individuellen Musikhörer für Musik bezahlen, können Technologie-Firmen aufhören, sich aufwändig um das unmögliche Gerangel um Lizenzen einzumischen, und konzentrieren sich stattdessen darauf, sich mit den attraktivsten Produkten und Diensten die der Markt zu bieten hat, ihre Kundschaft zu sichern.

Musik-Fans haben schließlich vollkommen legalen Zugang zu einer unbegrenzten Musikauswahl, mit der sie Filesharing-Netzwerke bereits seit Napster versorgen. Wenn sich die Prozesse und das ?Spoofing? (Anmerkung: vollstopfen der Tauschbörsen mit defekten Files durch die Musikindustrie) beseitigt sind, werden sich diese Netzwerke schnell verbessern.

Die Engpässe im Vertrieb, die die unabhängigen Künstler bisher eingeschränkt haben, werden beseitigt. Künstler können jeden Weg zur Online-Popularität gehen, was einen Major Plattenvertrag beinhalten kann, aber nicht voraussetzt. Solange ihre Lieder von ihren Fans heruntergeladen werden, werden sie bezahlt.

Es werden nur diejenigen zahlen, die sich für das Herunterladen von Musik interessieren, und nur solange sie sich fürs Downloaden interessieren.


Wie hilft das den Künstlern?

Künstler profitieren auf mindestens drei Arten. Zuerst werden Künstler jetzt fürs Filesharing bezahlt, das längst eine Tatsache des digitalen Lebens geworden ist.

Zweitens brauchen unabhängige Künstler keinen Major-Plattenvertrag mehr, um große Mengen potentieller Fans zu erreichen - solange Sie irgendwelche Fans haben, die Ihre Musik online tauschen, wird diese Musik genauso zugänglich, wie die Musik von Majorfirmen. Mit anderen Worten wird der digitale Vertrieb für alle Künstler gleichermaßen ermöglicht.

Drittens, für Promotion werden Künstler jede Möglichkeit nutzen können, die sie bevorzugen, anstatt sich auf Majorplattenfirmen verlassen zu müssen, um ins Radio zu kommen. Alles was deine Musik unter Tauschbörsen-Nutzern beliebt macht, bringt dir Geld. Dennoch wird die Musikindustrie weiterhin eine Aufgabe haben - viele Künstler werden weiterhin Hilfe für Promotion, Künstleraufbau und andere unterstützende Diensten benötigen. Wenn Künstler mehr Optionen haben, aus denen sie wählen können, werden die Verträge nicht mehr so einseitig sein, wie sie es heutzutage meistens sind.


Was ist mit kartellrechtlichen Fragen?

Weil eine Lösung mit Kollektivabgaben von einer einzelnen Verwertungsgesellschaft abhängen wird, die generelle Lizenzen ausgibt, die das ganze (oder fast alle) Musik-Urheberrechte abdeckt, werden dort Regulierungsmaßnahmen nötig sein, um sicherzustellen, dass sie ihre Marktmacht nicht missbraucht. Sowohl ASCAP als auch BMI sind zum Beispiel seit vielen Jahrzehnten einer von Gericht verwalteten Verordnung unterworfen. Die Regelung braucht nicht umfassend zu sein, wie die Verwertungsgesellschaft eigentlich nur ein einzelnes Produkt zu einem einzelnen Preis an alle ihre Kunden verkaufen wird. Regulierer werden ein waches Auge auf die Verwertungsgesellschaften haben, um sich zu überzeugen, dass es sich ehrlich mit Künstlern und Rechteinhabern umgeht, die sich dann wohl meistens auf die Verwertunggesellshaften verlassen werden, um eine Entschädigung für nichtkommerzielles Filesharing zu erhalten.


Wie sichern wir genaue Aufteilung des Geldes?

Transparenz wird ein ganz zentraler Punkt sein - die Verwertunggesellschaft muss ihre Bücher für Künstler, Rechteinhaber und die Öffentlichkeit offen legen. Die Rechtsform der Gesellschaft muss gemeinnützig sein und sie sollte sich bemühen, die administrativen Kosten auf ein Minimum zu beschränken. Es gibt Beispiele von ähnlichen Verwertungsgesellschaften in der Musik-Industrie, wie ASCAP und SoundExchange. Wir sollten davon lernen und es darauf aufbauend noch besser machen. Wenn die Künstler mehr Gewicht erhalten, wird das dabei helfen sicherzustellen, dass ihre Angelegenheiten mit den Verwertungsgesellschaften geregelt werden.

Wenn es dazu kommt, die Popularität von Musik auszurechnen, müssen wir den Wunsch nach vollkommener zahlenmäßiger Genauigkeit mit dem Bedürfnis abwägen, die Privatsphäre zu schützen. Ein System das auf Stichproben basiert stellt eine gute Balance zwischen diesen Zielen dar. Einerseits ist es in einem öffentlichen P2P Netzwerk relativ einfach herauszufinden, was die Nutzer downloaden. Big Champagne tut das bereits, um die ?Top 10? der Tauschbörsen zu ermitteln. Diese Art der Überwachung beeinträchtigt die Privatsphäre der Nutzer nicht, da mit den getauschten Files keine individuellen, identifizierbaren Daten übermittelt werden. Gleichzeitig kann diese allgemeine Netzwerk-Überwachung durch eine genauere Überwachung von Freiwilligen ergänzt werden, die als die Musterfamilien für P2P dienen werden.

Durch eine Kombination dieser zwei Methoden soll es möglich sein, einen hohen Grad der Genauigkeit zu erreichen, die Privatsphäre zu schützen und Betrügereien zu verhindern.


Was, wenn die Musik-Industrie es nicht tun wird?

Die Musik-Industrie ist noch weit entfernt davon zuzugeben, dass ihre existierenden Geschäftsmodelle veraltet sind. Aber die gegenwärtigen Bemühungen, Millionen amerikanischer Musik-Fans in Unterwerfung zu verklagen, sind zum Scheitern verurteilt. Nach einigen weiteren Quartalen mit Umsatzeinbrüchen in denen Filesharing unvermindert stark bleiben wird und "autorisierte Dienste" daran scheitern, die Umsatzeinbrüche wettzumachen, wird die Musikindustrie einen "Plan B." brauchen. Wir hoffen, dass sie spätestens dann erkennen, dass freiwillige Kollektiv-Lizenzen der beste Weg in die Zukunft sind.

Wenn sie stattdessen ihren Krieg gegen das Internet weiterhin fortsetzen, die Beschädigung von Privatsphäre, Innovation und Musik-Fans in Kauf nehmen, dann könnte es für den Kongress an der Zeit sein, einzuschreiten, um der Industrie die Kontrolle zu entreißen. Der Kongress kann eine "Zwangslizenz" verordnen und eine Verwertungsgesellschaft schaffen, um uns zu einer vernünftigen Lösung zu bewegen. Ein Eingreifen der Regierung sollte jedoch ein letzter Ausweg sein - die Musik-Industrie hat es jetzt in ihrer Macht, eine vernünftige, flexiblere Lösung durchzusetzen.


Was ist mit Künstlern, die nicht teilnehmen wollen? Wie bekommen wir alle Rechte?

Künstler und Rechteinhaber werden die Wahl haben, der Verwertungsgesellschaft beizutreten und dadurch ihren Anteil an den gesammelten Gebühren zu erhalten oder außerhalb der Gesellschaft zu bleiben und praktisch keine Möglichkeit zu haben, eine Entschädigung für Filesharing zu erhalten, das unvermeidlich weitergehen wird. Angenommen eine kritische Masse prominenter Musikrechte-Inhaber tritt der Verwertungsgesellschaft bei, wird gerade die riesengroße Mehrheit von kleineren Rechteinhabern einen starken Ansporn auslösen, sich zusammenzuschließen, wie sich auch heute bereits jeder professionelle Songwriter der ASCAP, BMI oder SESAC anschließt.

Die Komplexität von Plattenverträgen und die Geschichte macht es sehr schwierig für Labels und Musik-Verleger zu überblicken, welche Rechte sie kontrollieren. Dmentsprechend werden Rechteinhaber durch das Eintreten in die Verwertungsgesellschaften nicht darum gebeten, Rechte einzelne Rechte freizugeben, sondern einfach einen Vertrag unterschreiben, in der sie sich verpflichten diejenigen nicht zu verklagen, die die allgemeine Grundgebühr bezahlen. Auf diese Weise werden Musik-Fans und Innovatoren nicht durch den internen vertraglichen Zank behindert, der die Musik-Industrie plagt.


Was ist mit Tauschbörsen-Nutzern die nicht zahlen?

Die riesengroße Mehrheit der Tauschbörsen-Nutzer ist bereit, eine vernünftige Gebühr für die Freiheit zu bezahlen, herunterzuladen, was immer sie mögen, wo immer sie mögen. Außerdem werden die meisten, wenn sie die Wahl haben, ihre Lizenzgebühr gleich über Vermittler bezahlen, also Internetprovider, Universitäten oder Software-Anbeiter.

Solange die Gebühr vernünftig und für Fans praktisch unsichtbar bleibt und ihre Freiheit nicht einschränkt, wird die riesengroße Mehrheit der Filesharer sie bevorzugen, anstatt sich auf die komplizierten Bemühungen einzulassen, diese zu umgehen. Solange die Umgehung dieser Gebühr auf einen relativ kleinen Prozentsatz der Tauschbörsen-Nutzer beschränkt werden kann, sollte das keine ernste Gefahr für ein Kollektiv-Abgabensystem darstellen. Schließlich werden Künstler und Rechteinhaber heute überhaupt nicht für Filesharing bezahlt - es sollte einfach sein, es mit einem Kollektiv-Abgabesystem vieles besser zu machen, als bisher. Halter von Urheberrechten (und vielleicht die Verwertungsgesellschaft selbst) würden weiterhin berechtigt sein, ihre Rechte gegen ?Freeloader? durchzusetzen. Anstatt ihnen mit drakonischen Strafen zu drohen, kann die Verwertungsgesellschaft Bummlern die Gelegenheit anbieten, eine Abgabe zu zahlen und ihr Handeln zu legalisieren. Das ist genau das, was Gesellschaften wie ASCAP heute tun.


Was ist mit anderen Ländern?

Ausländische Rechtinhaber wären selbstverständlich in der Verwertungsgesellschaft willkommen, um einen angemessenen Anteil der Gebühren zu erhalten, die von amerikanischen Tauschbörsen-Nutzern gesammelt werden. Hinsichtlich von Filesharing in anderen Ländern gibt es Grund anzunehmen, dass ein erfolgreiches Abgabensystem in den Vereinigten Staaten auch im Ausland aufs wärmste begrüßt und enthusiastische Nachahmer finden wird.

Eine relativ kleine Zahl von Ländern ist heute fast für die gesamten Einnahmen der Musikindustrie verantwortlich. So könnte die Einrichtung eines Kollektiv-Abgabesystems in nur wenigen Ländern die Abwärts-Spirale in Musikindustrie-Einnahmen umkehren. Die Musikindustrie hat ja bereits ein internationales "Clearing?-System, um Zahlungen zwischen Ländern aufzuteilen.


Was ist mit den autorisierten Musik-Diensten?

Die "autorisierten Musik-Dienste" wie iTunes von Apple und Napster 2.0 könnten gegen P2P Tauschbörsen in den Wettbewerb treten, genauso wie sie es heute tun. Außerdem könnten sie Elemente von P2P integrieren und dadurch drastisch ihre Musikarchive aufstocken, die sie den Musik-Fans anbieten.


Wie kann man verhindern, dass die Musikindustrie astronomische Gebühren verlangt?

Die Kosten, um ein solches System mit einer Verwertungsgesellschaft durchzusetzen, werden die Preise moderat behalten. Wenn die Gesellschaft zuviel verlangt, werden Vermittler nicht imstande sein, die Gebühren in die Kosten ihrer Produkte zu integrieren (eine monatliche Gebühr von 5 $ pro Monat für einen 50$ teuren Breitbandanschluss macht Sinn; umgekehrt würden Versuche eine 100$ Gebühr auf so einen Anschluss aufzuschlagen nicht funktionieren), und Tauschbörsen-Nutzer würden wahrscheinlich in Scharen rebellieren.

Zum Beispiel, als die Filmstudios noch 90 $ für einen VHS Film verlangten, sahen sie sich plötzlich einer Welle der Piraterie ausgesetzt. Sie lernten, dass sie durch das Senken von Preisen mehr Geld machten und einen Großteil de Piraterie-Problems beseitigen konnten. Mit anderen Worten macht eine vernünftige Preiskalkulation das System für alle Parteien praktikabel.


Was ist mit Kinos, Software, Videospielen und anderem digitalen Content?

Die Musikindustrie scheint die einzige Industrie zu sein, die außerstande ist, ihre Geschäftsmodelle so auszurichten, um Filesharing ernsthaft in Betracht zu ziehen. Und es war auch die Musikindustrie, die als erste Klagen gegen ISPs, Software-Firmen und einzelnen Musik-Fans angestrengt hat.
Die Filmindustrie hat im Gegensatz dazu ihre gewinnbringendsten Jahre in der Geschichte. Die Software- und Videospiel-Industrien scheinen auch weiterhin starkes Wachstum und Rentabilität zu zeigen. Jede dieser Industrien hat Schritte unternommen, um ihre Geschäftsmodelle den Realitäten des Filesharings anzupassen.

Wenn andere Industrien freiwillige Verwertungsgesellschaften gründen und Tauschbörsennutzern generelle Lizenzen anbieten möchten, könnte man sie nicht aufhalten. Individuen würden dann die Möglichkeit haben, die Lizenz zu kaufen, wenn sie sich für Herunterladen dieser Materialien von den P2P-Netzwerken interessierten.


Quelle: EFF.org/24.2.2004

Note: This document is released under the Creative Commons Attribution-NoDerivs license
http://creativecommons.org/licenses/by-nd/1.0/

Übersetzung: Tonspion.de
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