Madonna mit MP3 Single in den Charts

Mit einer außergewöhnlichen Aktion hat Madonna ihre neue Single "American Life" in Umlauf gebracht. Der Song ist seit dem 22. März in den USA ausschließlich als MP3 Download erhältlich und damit die erste reine Internet-Single in den Top 10 der US-Billboard-Charts.

Mit einer Single in die Top 10 einzusteigen ist für Madonna eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch mit einem MP3 Download, der beliebig weitergegeben und kopiert werden kann auf Platz 4 der Billboard Charts zu landen, ist schon bemerkenswert.
Fans konnten die Single auf der Homepage der Künstlerin vorbestellen und sollten Zugang zum Song erhalten, sobald der illegal in Tauschbörsen auftauchte. Das passierte dann auch am 22. März, worauf das Madonna Management sofort reagierte und die MP3 Single veröffentlichte.

Mit gerade mal 4000 zahlenden Nutzern innerhalb einer Woche muss man die Aktion dennoch als gefloppt bewerten, zumindest aus rein kommerzieller Sicht. Bei einem Preis von $ 1.50 pro Download hat die Aktion also gerade mal $ 6000 eingebracht, was durch den reinen Aufwand wie Server-Kosten, Gestaltung der Website etc. wieder drauf gegangen sein dürfte. "Sicher nicht die Größenordnung, mit der man Madonnas amerikanischen (oder britischen) Lifestyle finanzieren kann", wie man auf Madonnas Homepage mit augenzwinkerndem Galgenhumor anmerkte.

Mit der Aktion "The Madonna Project" wollte man auch Betreiber von Fansites an der Aktion beteiligen und dafür sorgen, dass sich die Single möglichst schnell im Netz verbreitet. "Der Grund warum wir die Single nur online herausgebracht haben war, eine einfache und effektive Alternative zu illegalen Downloads anzubieten", so Madonna Managerin Caresse Henry auf der Homepage des Madonna Projects, wo auch die Verkaufszahlen ganz freizügig publiziert wurden mit dem Hinweis, dass die aktuelle Nr.1 Single von Kid Rock & Sheryl Crow auch nur gerade mal 16 000 mal über den Ladentisch gegangen sei. Man erwartete aber von vornherein nicht, mit der Download-Single Geld zu machen, sondern den illegalen Angeboten etwas entgegenzusetzen.
Flankiert wurde die Download-Aktion deshalb außerdem von einem massiven Einsatz von Fake-MP3s mit denen die diversen Tauschbörsen geflutet wurden. Diese MP3s enthalten jedoch nur einen kurzen Loop aus dem Original-Song, so dass das Finden der "offiziellen" Single in Tauschbörsen zur Glückssache wird.

Auf alle Fälle eine wegweisende und mutige Aktion, die in manchen Chefetagen der Musikkonzerne für mächtigen Ärger und einiges Erstaunen sorgen dürfte. Schließlich war die Entscheidung, auf das beliebte und frei kopierbare MP3 Format, statt auf kopiergeschützte Audiodateien zu setzen ganz sicher nicht zufällig. Wohl nicht nur deshalb blieb die Aktion vorläufig auf die USA beschränkt.
In Deutschland erscheint "American Life" ausschließlich auf einer (kopiergeschützten) Maxi-CD. Insgesamt ist die Aktion allerdings kein gutes Vorzeichen für die zu erwartenden Absatzzahlen des offiziellen Download-Services der Industrie, der noch in diesem Jahr eröffnet werden soll. Der hat zudem noch den Nachteil, dass man nur unterschiedlich kopiergeschützte Formate anbieten wird, was für den ein oder anderen User ein triftiger Grund sein dürfte, auch weiterhin lieber auf illegale Quellen zuzugreifen.
Denn wenn selbst eine Madonna gerade mal 6000 Dollar Umsatz machen kann, was machen erst die ganzen Künstler aus der zweiten und dritten Reihe?

Insgesamt bestätigen diese Zahlen eigentlich nur die These, dass kommerzielle Downloads sich nicht lohnen. Weder für die Industrie noch für den User. Doch eines hat die Aktion auf alle Fälle gebracht: eine enorme PR und jede Menge kostenlose Werbung fürs kommende Madonna-Album: das erscheint übrigens am 22. April. (ur)
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