Megaspree: Berliner Clubs gehen auf die Straße

Statt Loveparade Demonstration gegen die Vertreibung durch Investoren

Am Samstag, 11.7.2009 würde Berlin eigentlich 20 Jahre Loveparade feiern. Doch die ist bekanntlich längst in den Ruhrpott abgezogen (und fällt trotzdem aus). Stattdessen wird es an diesem Wochenende eine große Demonstration zahlreicher Berliner Clubs geben, die durch das ambitionierte Projekt "Mediaspree" gefährdet sind.

Mit dem Projekt "Mediaspree" sollen zahlungskräftige Investoren in den hippen Ostteil der Hauptstadt gelockt werden. Doch genau dort, entlang der Spree, hat sich in den letzten Jahren eine sehr lebendige und international renommierte Clublandschaft mit Strandbars und Open-Air-Clubs angesiedelt und den toten Winkel der Stadt mit Leben gefüllt. Bereits für den Bau der mehrere Hektar großen Parkflächen der neuen Dioxid-Arena mussten insgesamt vier Clubs abgerissen werden, immerhin drei davon haben sich inzwischen längst an anderer Stelle wieder etabliert. Einer davon, das Berghain (früher: Ostgut), wurde kürzlich in einem internationalen DJ-Magazin zum besten Club der Welt gewählt und lockt jede Woche hunderte von Touristen in die Stadt.

Berlin wäre also schön blöd, wenn es diese einzigartige Kulturlandschaft gefährden würde, mit der es sich immer wieder brüstet. Doch genau das soll jetzt passieren. Die renommierte Bar 25 etwa soll nach diesem Sommer geschlossen werden, ebenso der Club Rechenzentrum mit dem angeschlossenen Funkpark, der sich weit jenseits der angesagten Partymeile Ost-Berlins angesiedelt hat und nun trotzdem einer Werft weichen soll. Das Maria am Ostbahnhof, das bereits aus seinem alten Quartier vertrieben wurde, ist auch in Gefahr und einer der legendärsten Clubs der Vorwendezeit, das SO 36, steht durch einen wegen Ruhestörung klagenden Nachbarn kurz vor dem Aus.

"Die Zeit ist reif!!!" heißt nun das Motto einer großen Parade, die am Wochenende kreuz und quer durch Berlin führen soll. Dort soll - anders als bei der Loveparade - nicht nur für "Friede, Freude, Eierkuchen" demonstriert werden, sondern gegen die Privatisierung und Betonierung der Stadt. Denn die Freiräume, die Berlin in der Nachwendezeit bot, haben neben einer lebendigen Clubszene auch zahlreiche Künstler und Musiker in die Stadt gelockt, die die Stadt nun enorm bereichern und international bekannt gemacht haben. All das sehen die Organisatoren des Bündnisses "Megaspree" nun in Gefahr.

Die Demonstration startet am Samstag, 11.7.2009 um 16 Uhr an drei unterschiedlichen Orten der Stadt:

Route 1: Beermannstraße am Treptower Park

Route 2: Boxhagener Platz

Route 3: Oranienplatz

Alle drei Züge mit insgesamt zwölf Trucks und zahlreichen DJs sollen sich gegen 20 Uhr vor dem Roten Rathaus treffen zu einer Abschlusskundgebung, bei der auch eine bekannte Berliner Band auftreten soll. Und in der Nacht geht die Demonstration in den diversen Clubs natürlich weiter.

Weitere Informationen: www.megaspree.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Mediaspree

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