Mia unter Beschuss

Eigentlich wollten sie mit einem Konzert ihre Solidarität mit den streikenden Studenten in Berlin zum Ausdruck bringen. Doch stattdessen wurden Mia in der vergangenen Woche mit Eier und Tomaten beworfen und mussten das Konzert schon nach einem Song abbrechen. Hintergrund: einige mehr als fahrlässige Äußerungen der Band zum Thema Nationalismus.

Ein bisschen plump war der Selbstvermarktungs-Aktionismus der Berliner Popband Mia um ihre Sängerin Mieze ja schon immer. Ob sie mit Marschmusik zur Loveparade eingelaufen sind, mit Ideal-Zitaten altes Berlin-Flair herbeizuzaubern versuchten oder nun auch noch zur deutschen Vorausscheidung zum Grand Prix Eurovision antreten. Aber ihr jüngster Versuch, Aufmerksamkeit zu erheischen und identitätsstiftend zu wirken, ist ganz schön daneben gegangen.

Das Thema Nationalstolz wollte die Band neu entfachen, denn schließlich tun wir Deutschen uns im Vergleich zu anderen Nationen damit nach wie ganz schön schwer. So präsentierte sich die Band mit ihrer Single "Was es ist" nur noch in Schwarz-Rot-Gold-Look und gründete die Aktion "Angefangen", wo das Thema der nationalen Identität von der neuen Generation und Künstlern diskutiert werden sollte. So weit, so schön.

Doch dabei hat die Band offenbar massiv unterschätzt, wie heikel und sensibel dieses Thema auch fast 60 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus in Deutschland ist. Und das auch zu Recht. Auch Studenten aus der Generation Mia scheinen eine derart effektheischende, oberflächliche Behandlung eines so großen Themas nicht zu akzeptieren. So waren auf der Demo Plakate mit den Aufschriften "Kein Lifestyle-Nationalismus" oder "Deutschland halt`s Maul" zu lesen, während die Band, die zuvor von der Vollversammlung der FU ausdrücklich vom Streikkonzert ausgeladen wurde, den Rückzug antreten musste.

Verteidigungsversuche auf der Homepage von Mia zeigen das ganze Ausmaß der dümmlich-naiven Herangehensweise der Band. Denn der "gesunde Menschenverstand" reicht eben nicht aus, wenn man ein derart großes politisches Thema für die Ziele einer Popband ausschlachten will.

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