Mit Napster gegen die Kartellwächter

So richtig hat niemand verstehen können, warum die Labels sich vor zwei Wochen darauf einließen, eine weitere Pause im Napster-Verfahren für außergerichtliche Verhandlungen einzulegen. Jetzt wird deutlich, dass dies wohl nur geschah, um Antitrust-Untersuchungen gegen die eigenen Online-Plattformen zu verhindern.

Richerin Marilyn Hall Patel handelte vor zwei Wochen mit Napster und den Plattenfirmen eine weitere Prozessunterbrechung aus, um noch einmal über Schadensersatzansprüche und mögliche Lizenzen verhandeln zu können. Eine jetzt veröffentlichte Mitschrift der Verhandlungen macht allerdings deutlich, dass sich die Labels darauf offenbar ganz und gar nicht freiwillig einließen. Patel hatte ihnen damit gedroht, Untersuchungen wegen "Copyright-Missbrauch" einzuleiten, berichtete gestern die New York Times.

Der CNET-Autor John Borland erklärte zudem "Copyright-Missbrauch" sehr nett als "kleine Schwester der Antitrust-Gesetze". Konkret wird den Plattenfirmen vorgeworfen, dass sie durch ihre Joint Ventures Pressplay und Musicnet den Markt kontrollieren und in ihren Verhandlungen mit Napster die Messlatte für Lizenzen zu hoch ansetzen. So hatte Musicnet offenbar die Lizenz für die Musik der drei Labels AOL Time Warner, BMG und EMI nur erteilen wollen, wenn Napster dafür auf Lizenzen von Sonys und Universals Plattform Pressplay verzichtet hätte.

Von Vertretern der Musikwirtschaft hieß es gestern allerdings, man habe sich auf die Unterbrechung vor allen Dingen eingelassen, weil man befürchte, dass Napster bald das Geld ausgehe. Die von Patel erhobenen Vorwürfe hätten damit nichts zu tun. Die Furcht, Napster könnte bald Pleite gehen, ist allerdings nicht ganz unbegründet: Bertelsmann hat mittlerweile rund 100 Millionen Dollar in die Firma investiert. Der von Bertelsmann gestellte Napster-CEO Andreas Schmidt erklärte dazu erst kürzlich, Middelhoffs Geld für Napster sei begrenzt. Weitere Investitionen hängen offenbar davon ab, ob Napster sich in absehbarer Zeit mit den Plattenfirmen einigt. (jr)

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