Morpheus und Co. unter Druck

Die Angriffe auf Morpheus in der vergangenen Woche könnten verheerende Folgen für die populären Filesharing-Anbieter haben. Denn die Platten- und Filmindustrie sieht sich jetzt in ihrer Argumentation bestätigt, dass die Betreiber eben doch steuern können, ob und was da getauscht wird.

Alle drei Firmen, die ihre Software auf dem Fasttrack-Netzwerk aufsetzt hatten (Morpheus, KaZaa, Grokster), hatten gegen Klagen von Seiten der Industrie wegen Urheberrechtsverletzungen immer wieder argumentiert, dass es sich bei Fasttrack um ein dezentrales System handle. Das heisst, man habe keinerlei Einfluss darauf, was von den Usern getauscht werde, ob es sich um legale Dateien oder illegale Raubkopien handelt. Ja, man könne das Netzwerk noch nicht einmal abschalten, hieß es von Betreiberseite.

In der vergangenen Woche wurde Morpheus komplett aus dem Fasttrack-Netzwerk ausgesperrt. Angeblich wegen unbezahlter Rechnungen an die Fasttrack Inhaber. Doch Morpheus selbst wittert einen Angriff der Konkurrenzfirma KaZaa, die auf ihrer Homepage ganz massiv um die Morpheus Nutzer und die der konkurrierenden Tauschbörsen wirbt.

Die Kläger sehen sich jetzt bestätigt, dass man sehr wohl steuern könne, wer Zugang zum Fasttrack Netzwerk erhalte und wer nicht. Vor Gericht könnte sich jedenfalls die Sperrung von Morpheus für alle P2P-Filesharing-Anbieter als entscheidendes Indiz dafür hernehmen lassen, dass man sehr wohl Einfluss auf das Netzwerk nehmen könne - es sich also wie bei Napster um ein zentrales Netzwerk handelt, dem man einfach den Stecker ziehen kann. Wenn das erst einmal nachgewiesen ist, dann drohen ähnliche Konsequenzen wie bei Napster.

Neben der Zahlung von horrenden Strafen für Milliarden von Urheberrechtsverletzungen über die Netzwerke, droht anschließend die Übernahme durch die Entertainment-Industrie, die schon lange neidisch und argwöhnisch auf die sogenannten Killer-Applications schauen, die unbegrenzten Zugang auf die Festplatten von Millionen anderer Internet-Nutzer ermöglichen, um diese etwa nach Musik, Filmen oder Software zu durchstöbern und damit in kürzester Zeit weltweit Millionen von Nutzern gewinnen. Bislang entziehen sich die Betreiber geschickt dem Zugriff durch die Justiz. Sei es durch Briefkastenfirmen wie bei KaZaa oder durch die argumentative Rückendeckung der EFF, die sich für Bürgerrechte im Internet stark macht und ein freies Netz ohne Zensur fordert.
P2P-Filesharing gilt seit dem Erfolg von Napster als die Zukunft des Musikvertriebs. Aber selbstverständlich nur gegen Bares.

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