MP3-Erfinder Brandenburg: Neil Youngs Pono ist Unsinn

"Lossless hat mehr mit Psychologie als mit Technik zu tun"

In einem Interview mit Futurezone, gibt der Erfinder des MP3 Formats, Karlheinz Brandenburg vom Fraunhofer Institut, Auskunft über aktuelle Entwicklungen im Audiobereich. Dem Pono Projekt von Neil Young kann der Wissenschaftler nicht viel abgewinnen.

Mit seinem Startup Pono möchte Neil Young den Klang der Musik verbessern und verwendet dafür ein Format, das auch in professionellen Tonstudios eingesetzt wird, um die bestmögliche Qualität zu erzielen. Für das Projekt konnte Young über 6 Millionen Dollar bei Kickstarter einspielen.

Für Brandenburg ist das allerdings eine klare Fehlinvestition: "Wenn jemand für das Falsche Geld ausgeben möchte, habe ich kein Problem damit. Ich persönlich würde ja eher in Lautsprecher oder neutral klingende Kopfhörer investieren. Lossless hat für Archivzwecke Berechtigung, da ich später einmal die Freiheit habe, mit der Datei zu machen, was ich will."

Der Diskussion über die Qualität von komprimierten versus verlustfreien Audiofiles oder Hi-Res Audio, wie sie von Pono propagiert wird, kann der Wissenschaftler nicht viel abgewinnen. Young möchte mit Pono Audiofiles in einer Qualität von mit 192 kHz und 24 bit verkaufen. 

"Das ist seit langem ein Glaubenskrieg. Es gibt gute Gründe, warum das bei der Aufnahme im Studio Sinn macht, einfach auch um Spielraum bei der Weiterverarbeitung, etwa als Aussteuerungsreserve, zu haben. Fakt ist aber auch, eine Wiedergabe mit 44,1 oder 48 kHz und 16 bit (CD-Qualität, Anmerkung der Red.) ist so nahe an der theoretischen Grenze der Hörfähigkeiten des Menschen, dass der zusätzliche Aufwand eigentlich nicht notwendig ist. In jungen Jahren können Menschen einzelne laute Töne bis maximal 21 kHz hören. Im Tongemisch ist es aber so, dass im Normalfall schon ab 16 kHz Schluss ist und in Testversuchen statistisch nicht erwiesen werden konnte, dass eine 20-kHz-Aufnahme von einer 16-kHz-Aufnahme unterschieden werden kann."

MP3 sei heute selbst für audiophile Hörer eine Alternative, sofern die Ausgangsqualität stimme und die Bitrate hoch genug gewählt werde.

"Bei Bitraten von 256 kbit ist es selbst für trainierte Ohren praktisch ausgeschlossen, einen Unterschied zu unkomprimierter Musik wahrzunehmen. Dazu kommt: Wenn der Raum bzw. das Zusammenspiel der Lautsprecher nicht passt, ist es egal, ob ich eine 20.000-Euro-Anlage besitze. Und dann ist auch die Diskussion über Hi-res-Audio müßig."

Das ganze Interview mit Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg bei Futurezone

PoNO: 6 Gründe, warum Neil Youngs Startup eine Schnapsidee ist

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