MP3 Files legal kaufen und verkaufen mit Potato

Kreative Konzepte, wie man zukünftig online Musik verkaufen kann, sind gefragter denn je. Während die Musikindustrie dieses Jahr flächendeckend Download-Shops einführen wird, gibt es auch zahlreiche alternative Ideen, wie man die Vorteile des Internet und des MP3-Formats nutzen kann. Und noch dabei Geld verdient. Das Berliner Online-Fanzine Dorfdisco.de unterstützt als erste Plattform das neuartige Potato-System. Wir befragten Seitenbetreiber Oliver Schütz über die Hintergründe von Potato.

Tonspion: Ihr habt das erste System gestartet, mit dem man erstmals MP3s legal kaufen und verkaufen kann. Wie funktioniert das Potato-System?

Oliver Schütz: Ja, man kann zum erstenmal kaufen und auch wieder verkaufen und das wirklich legal und ohne lästiges DRM. Dazu gibt es, im Vergleich zu anderen Systemen, mehrere verschiedene Möglichkeiten zu bezahlen.
Der Witz: Registriert man sich, bekommt man zu dem MP3 einen eigenen Downloadlink, mit dem man das gekaufte MP3 wiederum im Internet zum Kauf anbieten kann. Damit erhält man dann auch Verkaufsprovisionen über Potato, das heißt, man bekommt pro Verkauf einen gewissen Prozentsatz auf seinem Potato-Account gutgeschrieben und das sogar noch für die nächsten beiden Wiederverkäufe. Das Re-selling ist im Übrigen legal und auch ein super Anreiz, diese MP3s nicht in Tauschbörsen wandern zu lassen. In Zukunft wird es bei Potato nämlich ähnliche Möglichkeiten geben, z.B. eigenes, legales P2P.
Die Gewinnverteilung der Verkäufe ist dabei transparent. Insgesamt ist jede Partei mit ca. 33% beteiligt, also der User, der Musiker und die Abrechnungstelle, was immer das teuerste ist.

Tonspion: Wer steckt hinter Potato?

Die 4FriendsOnly Internet Technologies AG in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut.
Da sind ein paar coole Typen die vorher mit Gamesoftware gemacht haben und daher die Abrechnung gleich mit besten Konditionen mit einbringen konnten. Als Fraunhofer Spinoff sitzen die auch noch gleich mit an der ganzen Entwicklungsquelle. Da verpasst man also wirklich nichts.

Tonspion: Welche Künstler bieten MP3 im Potato-System an?

Besser gefragt, wer kann alles mitmachen. Eigentlich jeder, der die Rechte an einem originalen Musikstück hat. Dazu muss man sich beim Potato-System online anmelden, bzw. registrieren lassen. Bis zum 1.4. befinden wir uns in der Testphase. Man brauchte einen, der anfängt und das sind jetzt wir.

Tonspion: Was kosten MP3 Files mit Eurem System?

Unter 1 Euro geht leider auch bei uns nichts. Der Künstler soll ja auch noch was verdienen können. Darüber kann jeder Künstler oder Erstanbieter seinen eigenen Preis festlegen. Wir sind deshalb in einem Rahmen von 1 Euro bis 1.50 Euro gestartet, abhängig vom subjektiven Wert bzw. Kultcharakter der Musik. Schließlich gibt es sie nirgendwo sonst als bei uns. Bietet ein Käufer sein MP3 auch noch zum Verkauf an, kann er theoretisch seinen Preis auch wieder rausholen, bzw. dran verdienen. Das gibts sonst auch nirgendwo.

Tonspion: Gibt es in Zeiten von P2P-Tauschbörsen überhaupt einen Bedarf an kostenpflichtigen MP3 Files? Wie sind Eure ersten Erfahrungen?

Die P2P Börsen langweilen schon länger und sind bald am Ende. Es gibt dort kaum spezielle Angebote mehr, und das, was man wollte, hat man ja meistens auch schon bekommen.
Darüberhinaus werden mehr und mehr User über die Rechtslage verunsichert. Da Potato legal ist, wird es seine Berechtigung finden. Wir bekommen genug Anfragen von Künstlern, die ihre MP3s auch mal zum Kauf anbieten wollen.

Tonspion: Welche Websites sind denn ans Potato-System bereits angeschlossen? Wie soll sich das System gegen die große Konkurrenz von Apple über Phonoline bis Finetunes.de durchsetzen?

Also zunächst nur Dorfdisco.de als Pilotprojektpartner. Ab dem 1.4. können wie gesagt auch andere Anbieter an Potato teilnehmen. Da bin ich schon gespannt, was da kommt, wenn sich das mal herumspricht. Phonoline etc. dagegen sind reine Industrie- (ich sage: Fernseh-)angebote und bieten meistens noch ein dickes Digital Rights Management mit eingeschränkter Nutzung, also was völlig anderes.
In Planung sind sogar portable CD-Brenner, die z.B. Plattenläden oder Clubs nutzen können, um Files auch offline verkaufen zu können. Man kann die Files z.B. auch mit Freunden auf dem Schulhof tauschen oder verkaufen. Was darüberhinausnoch angedacht ist, kann ich aber noch nicht verraten. Der Phantasie ist beim Potato-System also keine Grenze gesetzt.

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