MP3 ohne Ende

Das Prinzip Tonspion verbreitet sich im Netz

Vor nunmehr sechs Jahren erblickte Tonspion als erster MP3 Wegweiser im deutschsprachigen Netz das Licht der Welt. Trotz vieler Hürden hat sich das Angebot über die Jahre einen guten Namen gemacht. Jetzt bieten immer mehr Online-Medien eine Auswahl von MP3 Downloads. Ein Kommentar.

Ob MP3 Anbieter, die sich von der jahrelangen Vorarbeit durch den Tonspion inspirieren lassen nicht eine Konkurrenz darstellen, werde ich in letzter Zeit häufig gefragt. Nein, ist die Standardantwort darauf, denn solche Angebote nehmen uns nichts weg! Im Gegenteil: es kann gar nicht genug davon geben. Schließlich gibt es mehr als genug Musik im Netz zu entdecken.

Immer mehr verkommt Musik heute zu einer verkaufsfördernden Maßnahme für andere Produkte. Gerade die großen Plattenfirmen, die gerne das Wort von der "Entwertung der Musik" durch kostenlose Downloads im Mund führen, verramschen ihre Musik immer häufiger über kostenlose Codes auf Cola-Flaschen, als Beigabe zu diversen MP3 Playern oder lizenzieren sie an große Markenartikler, die ihre Werbung damit untermalen oder ihrerseits die Musik unter eigenem Logo verschenken.

Das klassische Beispiel einer solchen Kooperation ist das "Mercedes Mixed Tape". Für die MP3 Zusammenstellung, die kostenlos im Netz heruntergeladen werden kann, wird jeweils nur ein Titel von einer professionellen Plattenfirma gegen Geld lizenziert, wie es in der Branche so üblich ist. Die restlichen Titel der Download-Compilation werden dagegen kostenlos und gemafrei von diversen ungesignten Künstlern bereitgestellt, die sich so Aufmerksamkeit für ihre Musik unter dem Stern-Logo erhoffen.
Die meisten von ihnen veröffentlichen ihre Musik sowieso kostenlos im Netz auf einem der unzähligen Netlabels, die in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen sind, die aber meistens weitgehend unbeachtet vor sich hindümpeln. Zumindest bis sich jemand findet, der die besten Netlabel-Releases zusammenstellt und aktuell darüber berichtet. Wie zum Beispiel phlow.net, das Magazin für Musik und Netzkultur.

Um die Unmengen von kostenlosen Downloads, wie sie von Netlabels, klassischen Independent-Labels und zunehmend auch von großen Major-Labels im Netz bereitgestellt werden, bearbeiten zu können, bräuchte es eine Redaktion von riesigen Ausmaßen. Doch welcher Leser kann oder will so eine Informationsflut schon verarbeiten. Deshalb werden bei Tonspion fast ausnahmslos Empfehlungen der Redaktion vorgestellt, die nach eigenen musikalischen Kriterien Musik filtert und dann in täglichen Dosen veröffentlicht.

Dieses Prinzip hat nun auch das größte deutschsprachige Online-Nachrichtenmagazin Spiegel.de für sich entdeckt. In unregelmäßigen Abständen werden dort in Tonspion-Manier kostenlose MP3s für die überwiegend reifere Leserschaft ausgewählt und vorgestellt.

Auch die Netzexperten von Netzwelt.de bieten regelmäßig einen Überblick nicht nur zur MP3 Technik, sondern immer mehr auch zur Musik im Netz. Aktuell gibt es bei Netzwelt etwa eine Übersicht über kostenlose MP3 Alben, die bisher von namhaften Künstlern im Netz veröffentlicht wurden. Von John Frusciante über R.E.M. bis hin zu den Smashing Pumpkins haben weitaus mehr Major-Acts ein sehr unkompliziertes Verhältnis zu kostenlosen MP3s, als der Musikindustrie bewusst sein dürfte. Wer Tonspion über die Jahre verfolgt hat weiß Bescheid.

Zwar kein Neuling in der MP3-Szene, aber ein Anbieter der immer mehr von sich reden macht ist Smart-Music.com. Inspiriert von Tonspion verfolgen die Stuttgarter Anbieter einen ähnlichen Ansatz, konzentrieren sich dabei aber auf elektronische Klänge und bieten inzwischen eine stattliche Auswahl an kostenlosen MP3s, die im weltweiten Netz - und natürlich bei Tonspion - recherchiert werden.

Neben diesen großen Anbietern verweisen auch unzählige private Weblogs auf free MP3 Downloads im Netz. Der Blog "London Leben" hat sich mal die Mühe gemacht und alleine rund 268 MP3 Blogs zusammengestellt. Wer sich da durchhören möchte, muss sich aber schon ein paar Monate Auszeit nehmen.

Doch mit den rechtlichen Voraussetzungen nehmen es die Blogs meistens nicht ganz so genau. Denn die meisten Downloads sind ebenso wie Musik auf Tonträgern durch die Gema geschütt. Entsprechend fällt selbst für einen Link auf ein MP3 eine nicht unerhebliche Gebühr an, sofern es sich nicht ausdrücklich um gemafreie Musik handelt, wie das bei den Netlabels meistens der Fall ist. Ein bisher nicht gelöstes Problem, das vielen Anbietern und sogar Labels und Künstlern das Leben unnötig schwer macht. Denn auch die müssen Gema bezahlen, um ihre eigene Musik im Internet über kostenlose Downloads promoten zu können.

Dennoch zeigt die Flut der legalen und nicht ganz so legalen Angebote, dass ein Ende des MP3 Booms noch lange nicht abzusehen ist. Daran werden auch die Bemühungen vieler Software-Hersteller wenig ändern, die derzeit versuchen eigene Audiostandards im Netz durchzusetzen und Musik in diesem Format dann teuer verkaufen zu können.
Und daran werden auch die vielen Label-Manager nichts ändern, nach deren durchaus als fachidiotisch zu bezeichnender Ansicht Musik generell nicht kostenlos sein darf.

Entwertung sieht jedenfalls ganz anders aus, als ein Blog, der leidenschaftlich Lieblingsmusiken vorstellt und zu Gehör bringt. Denn nur so können wir überhaupt mit Musik in Berührung kommen, die möglicherweise unser Leben verändern oder zumindest begleiten kann.
Das einfache wie nützliche Prinzip Tonspion setzt sich also immer weiter durch. Und damit auch die Musik. Und wie immer gilt der Satz: Konkurrenz belebt das Geschäft. (ur)

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