MP3s gegen den Krieg

Immer mehr Künstler veröffentlichen MP3s im Netz, um gegen den Krieg zu protestieren. Dahinter steckt nicht nur der Versuch, der Download-Generation möglichst weit entgegenzukommen. Musik, die sich kritisch mit dem Krieg auseinandersetzt, wird auf zahllosen Radiostationen und Fernsehsendern gar nicht mehr gespielt.

"Kriegszeit ist gute MP3-Zeit" bemerkte vor einigen Tagen eine Tonspion-Nutzerin mit einem Anflug von Sarkasmus im Forum. Recht hat sie. Seitdem sich der Irak-Konflikt Anfang des Jahres zuspitzte, haben sich zahlreiche Musiker mit freien Downloads im Netz gegen die Politik der USA und Großbritanniens gewandt. Mit dem Ausbruch des Krieges Mitte letzter Woche sind noch einmal zahlreiche Titel hinzu gekommen. Green Day, die Beastie Boys, Coldcut, DJ Shadow, Zack de La Rocha, Saul Williams, DJ Spooky, George Michael - sie alle haben MP3s als Medium des musikalischen Protests genutzt.

Dahinter steckt sicher auch der Wunsch, möglichst schnell auf die Ereignisse reagieren zu wollen. Während für die klassischen Produktionsphasen der Musikwirtschaft Veröffentlichungen Monate voraus geplant und beworben werden müssen, ermöglicht das Internet einen direkten Zugang zu den eigenen Fans.

Doch den meisten Musikern bleibt auch gar nichts anderes übrig, als ihre Botschaft im MP3-Format zu verbreiten. Seit dem Beginn des Krieges verzichten zahllose Radiostationen und Fernsehsender auf die Ausstrahlung aller Songs und Videoclips, die als kontrovers gewertet werden könnten. MTV Europe beispielsweise hat seine Mitarbeiter angewiesen, keine Videos mehr mit "Krieg, Soldaten, Kriegsflugzeugen, Bomben, Raketen, Riots und Aufständen, Hinrichtungen" und ähnlichem Material zu senden. Gesperrt sind beispielsweise Songs wie U2s "Miss Sarajevo", Outkasts "Bombs over Baghdad", Radioheads "Lucky" sowie alle Titel der B 52s.

In den USA haben sich zahlreichen Radiosender zudem darauf eingeschworen, keinerlei Musik zu spielen, die die Moral an der Heimatfront gefährden könnte. John Lennons "Imagine" steht dabei ebenso auf dem Index wie die Country-Songs der Dixie Chicks - schließlich hatte deren Sängerin es gewagt, Bush für seine Kriegspolitik zu kritisieren. Netz und Plattenladen dagegen scheinen gegen solche Zensurversuche immun zu sein. Die CDs der Dixie Chicks verkaufen sich derzeit gut wie selten, und in den MP3-Charts des Tonspions belegen die Anti-Kriegs-Downloads längst geschlossen die ersten Plätze. (jr)
Alle Songs: www.tonspion.de/no2war.php
Thema: 

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Empfehlungen