Musik-Flatrate: IFPI zeigt sich gesprächsbereit

"Wenn überhaupt die Bereitschaft da ist zu zahlen, kann man über alles reden", so der Vorsitzende des Phonoverbandes Gerd Gebhardt über den Vorschlag einer monatlichen Flatrate für Musik. Eine Pauschale von EUR 5.- wie von mehreren Seiten vorgeschlagen, lehnt Gebhardt allerdings strikt ab.

Eine CD koste schließlich das Dreifache, so Gebhardt in einem Statement gegenüber AP zum Vorschlag des Attac-Aktivisten Oliver Moldenhauer.

Die Idee einer monatlichen Grundgebühr für Musik bei gleichzeitiger Legalisierung von Tauschbörsen ist nicht neu. Verschiedene Branchengrößen und Wissenschaftler hatten immer wieder auf die möglichen Vorteile eines freien Musikmarktes im Netz hingewiesen, der es ermöglichen würde, die bestmöglichen Applikationen zu entwickeln und die besten Angebote zu machen.

Bisher hat sich die Musikbranche selbst kaum dazu geäußert, wohl weil den Verantwortlichen die Fantasie fehlt, von den aktuellen CD-Preisen abzurücken. So sind die heutigen Versuche, Musik im Netz zu verkaufen kaum etwas anderes als der Versuch, ein altes, nicht mehr funktionierendes Geschäftsmodell 1:1 aufs neue Medium zu übertragen.

In Zeiten, in denen aufwändige und teure Hollywood-Produktionen auf DVD schon für EUR 7.- zu bekommen sind, wird immer deutlicher, wie willkürlich CD-Preise von über EUR 15.- in Wirklichkeit sind. Die Herstellung und Vermarktung einer CD kostet schließlich nicht einmal einen Bruchteil davon.

Immerhin ist es das erste Signal, dass sich die IFPI auch mit neuen Vorschlägen auseinandersetzen will. Sie wäre allerdings gut beraten, statt einer vorschnellen Ablehnung neuer Preisstrukturen sich die diversen Untersuchungen und Konzepte erst einmal genau anzusehen. Denn widerlegt wurden die Thesen von Harvard-Professor William Fisher, von Brancheninsider Jim Griffin oder der Netz-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) bisher nicht.

Die prophezeien der Musikbranche eine neue Blütezeit, wenn man den Zugang zur Musik über neue Technologien wie zum Beispiel P2P-Tauschbörsen drastisch vereinfacht und die Preise für die breite Mehrheit der Bevölkerung bezahlbar macht, statt Musikfans zu verklagen. (ur)

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