Musikdownloads ohne DRM nicht denkbar

Napster-Chef kündigt Deutschlandstart für dieses Jahr an

Noch bis Ende des Jahres soll der neue Downloadshop von Napster mit seinem Abomodell auch in Deutschland an den Start gehen. Doch wie die meisten großen Music Stores wird auch bei Napster der Einsatz von Digital Rights Management zum Schutz vor illegalen Kopien nicht zu vermeiden sein.

In den USA konnte Napster am Ende des ersten Quartals 2005 bereits 420 000 Abonnenten verzeichnen, verriet Napster-Geschäftsführer Schliesche im Interview der Netzwelt. Die Kunden von Napster können unbegrenzt viel Musik hören, die Titel allerdings nur gegen weitere Gebühren auf die Festplatte laden. Damit die Musik nicht in Tauschbörsen oder auf illegalen Websites auftaucht, werden die Files in Microsofts WMA-Format bereitgestellt, das mit Digital Rights Management ausgestattet ist. Dieses System kontrolliert, dass die Nutzer die Musik nicht unbegrenzt hören, brennen oder kopieren können.
Die Musikindustrie betrachtet das als großen Vorteil fürs Geschäft und lizenziert Napster großzügig Musik. Bereits jetzt kann Napster mit über eine Million Titel auf den weltweit größten Katalog zugreifen. Für Napster Deutschland möchte man ebenfalls auf ein möglichst breit gefächertes nationales Repertoire zurückgreifen können, weshalb der Start bislang mehrfach hinausgezögert wurde.

"Eine Lizenzierung von Inhalten durch die Musikindustrie ohne DRM ist kurz- und mittelfristig undenkbar", so die Einschätzung von Thorsten Schliesche. Tatsächlich lizenzieren sämtliche Major-Plattenfirmen Musik ausschließlich inklusive Kopierschutz. Nur Anbieter, die auschließlich Musik von Independentlabels verkaufen, können derzeit auf DRM-Einschränkungen verzichten.
Auch Apples iTunes Music Store schützt seine Downloads mit dem so genannten "Fairplay"-System. Die Nutzer werden dabei im Gegensatz zu den meisten anderen DRM-Verfahren nur selten mit den Beschränkungen belästigt, es sei denn sie möchten die gekauften Songs ins MP3 Format umwandeln. Dann versagt auch iTunes seinen Dienst.

Napster setzt für sein Aboangebot "Napster to go" sogar auf das erste mobile DRM "Janus". Das sorgt dafür, dass Abonnenten zwar während der Zeit ihres Abos unbegrenzt viel Musik auf ihre mobilen Player überspielen können. Doch sollte man das Abo einmal kündigen wollen, sind auch sämtliche Songs auf einen Schlag nicht mehr abspielbar.
Großer Wettbewerbsnachteil von Napster: das DRM-System funktioniert zwar auf immer mehr Playern (zumindest bis zum Tag der Kündigung) reibungslos, doch der mit Abstand beliebteste Player iPod verweigert sich Janus-geschützten Songs bislang komplett.

Was das zeitbeschränkte Abomodell von Napster in Deutschland kosten wird ist bisher noch unklar. Während das reine Stream-Abo in den USA 9,95 Dollar und "Napster to go" 14,95 Dollar kostet, ist das Angebot in England mit 9,95 Pfund bzw. 14,95 Pfund schon fast doppelt so teuer. In Deutschland dürfte sich der Preis wohl in der Mitte einpendeln.

Ob sich Napster mit seinem Modell der "Vermietung" von Musik für einen begrenzten Zeitraum in Europa gegen die Marktführer Musicload und Apple wird durchsetzen können, muss sich erst noch zeigen. Denn am Ende entscheiden die Nutzer, welches sie für das attraktivste Angebot halten und ob eine Musiksammlung auf Zeit akzeptabel erscheint.

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