Musikindustrie: Tauschbörsen nicht mehr zu stoppen

Erstmals räumte ein Verantwortlicher des Musikindustrie-Verbands RIAA ein, dass Tauschbörsen oder illegale Musikangebote im Netz nicht mehr aufzuhalten sein werden. Gegenüber der BBC sagte RIAA-Präsident Sherman, man müsse jetzt legale Alternativen schaffen. Das sei die einzig mögliche Chance, die Kunden nicht ganz an die kostenlosen Tauschbörsen zu verlieren.

Ganz neue Töne im Kampf gegen Musikpiraterie und Filesharing aus der Musikindustrie: während der Verband RIAA durch gewagte Aussagen zur Illegalität von Tauschbörsen sich des Öfteren als Sprachrohr der Hardliner und Konservativen darstellte, scheint nun auch dort Realitätssinn und Bescheidenheit einzukehren. Es werde immer die Möglichkeit geben, sich kostenlos im Internet Musik zu beschaffen, sagte Sherman in einem Interview. "Wir wollen die Musik-Piraten oder illegale Peer-to-Peer-Angebote gar nicht komplett ausmerzen". Man müsse aber deren unkontrolliertes Wuchern einschränken. Und das gehe am besten mit legalen Alternativen.

In einer aktuellen Studie von Jupiter Research hatten 18 Prozent von Breitband-Surfern angegeben, dass sie für Downloads auch bezahlen würden, wenn es ein entsprechendes Angebot gäbe. Nach wie vor unbeantwortet bleibt aber die Frage, ob Downloads überhaupt mit dem Wert eines Produktes wie einer CD gleichgesetzt werden können oder ob MP3 in Wirklichkeit nichts weiter als ein mächtiges Promotions-Instrument ist, das - geschickt eingesetzt - der gesamten Musikbranche die nötigen Kunden überhaupt erst zuführt. Denn ein interessierter und informierter Musikhörer ist sicher auch ein guter Kunde.

Die bisherigen legalen Angebote dürften nicht nur daran gescheitert sein, dass es Musik bei den Tauschbörsen kostenlos gibt, sondern auch weil die Preise für Downloads in stark beschränkten Audio-Formaten sich meistens an den Preisen von CDs angelehnt waren. Der Nutzer, der sich diese Musik dann erst aufwändig herunterladen und brennen muss, wird diesen Vergleich zu einem fertigen Produkt kaum nachvollziehen können. Dennoch scheint der Umdenkungsprozess in der Musikindustrie so langsam einzusetzen. (ur)

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