Musikmanager fordert Grundgebühr für Musik

Die Idee ist nicht ganz neu, doch inzwischen wird sie auch von erfahrenen Musikmanagern in Erwägung gezogen: die Flatrate für Musik. Mit Einführung einer Grundgebühr wäre jeglicher Gebrauch von Musik legal und jeder Musikkonsument kein Pirat, sondern ein Kunde, meint der ehemalige Geffen-Records-Manager Jim Griffin.

Jim Griffin hat sich durch seine technologiefreundliche Haltung in der Branche einen Namen gemacht. CNN bezeichnete ihn sogar als "schärfsten Verstand der Musikindustrie". Im Jahre 1994 war er einer der ersten, der mit seinem Team einen Song von Aerosmith online in voller Länger verfügbar gemacht hatte.
Nach wie vor sieht er gelassen in die Zukunft und wirft der Musikindustrie kleinkariertes Verhalten vor. Im Gegensatz zu den Schwarzmalern, die dem digitalen Zeitalter mit Gesetzen und Verboten entgegnen wollen, sieht Griffin eine große Chance das Musikgeschäft größer und einträglicher zu machen, als jemals zuvor.

Er schlägt eine Grundgebühr für Musik vor, also so etwas wie die GEZ-Gebühr fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen. Griffin argumentiert derzeit werde z.B. in Österreich monatlich rund $ 2,49 für Musik ausgegeben. Bei einer monatlichen Grundgebühr von beispielsweise $ 10 könne man diese Umsätze drastisch erhöhen, weil dieser Betrag für einen unbeschränkten Zugriff auf Musik doch nach einem verdammt guten Deal klinge. So eine Flatrate sollte nach Griffins Ansicht jegliche Form der Musiknutzung einbeziehen, also auch das Anbieten und Downloaden aus Tauschbörsen oder Musik, die Angebote wie der Tonspion präsentiert. Solche Online-Anbieter wären dann auch in der Lage, aus allen auf dem Markt befindlichen Titel zu schöpfen und neue Themen bekannt zu machen.

Von Pay-per-Download Angeboten wie die von Apple, Musicnet oder Pressplay hält Griffin indes gar nichts: "Man kann den Kunden nicht vorschreiben, was sie tun sollen, sondern beobachten, was sie tun, und mit einer Gebühr darauf reagieren. Es muss eine faire Gebühr sein, die nicht zu hoch ist, damit sie nicht wehtut."

Griffin ist weiterhin der Überzeugung, dass das ganze Popgeschäft aus Anarchie und Rebellion entstanden ist und vergleicht die jetzige Situation genau mit diesem Antrieb. Und er hält die Rebellion für gut und wichtig, denn "Kunst, Musik und Wissen sind Anarchie, und das ist gut für sie und das sollte auch so bleiben."

Wie man sich die Verteilung einer solchen Flatrate unter den Künstlern und Labels vorzustellen hat oder wie man sie kontrollieren will lässt Griffin vorläufig unbeantwortet. (Ein Gebühreneintreiber der Musikindustrie vor der Tür? Das klingt nicht ganz nach Anarchie.) Aber als Denkanstoß ist sein Vorschlag sicherlich nicht uninteressant.

Ein Interview mit Vordenker Jim Griffin und einen Vortrag zum Download gibt es beim Online-Branchenmagazin momag.net (ur)
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