Musikmarkt: Ältere Alben verkaufen erstmals mehr als neue

Das Ende der Musik?

Erstmals in der Geschichte der Popmusik haben ältere Alben 2015 in den USA mehr Umsatz eingespielt als neue. 

Alte Aufnahmen sind das Tafelsilber der Musikindustrie. Seit Jahrzehnten verkaufen sich Platten von Abba, den Beatles oder Fleetwood Mac wie von selbst in immer neuen Aufmachungen. Das Tolle: sie kosten kein Geld, die Investitionen sind alle längst wieder eingespielt. 

Anders verhält es sich mit neuen Künstlern: in neue Talente zu investieren kostet viel Geld, viel Zeit und es gibt nie eine Garantie, dass daraus etwas wird. Eine Musikkarriere ist ungefähr so wahrscheinlich, wie ein Lottogewinn. Tatsächlich schafft es nur ein Bruchteil, der von der Musikindustrie entdeckten Künstler tatsächlich, dauerhaft erfolgreich zu sein. 

Jetzt haben erstmals in der Geschichte der Popmusik alte Platten mehr verkauft als neue, wie das Marktforschungsinsitut Nielsen in einer neuen Studie darlegt. Und das trotz einigen Megasellern wie dem Album von Adele. Das hat einen einfachen Grund: es sind überwiegend ältere Leute, die noch komplette Alben kaufen, während Kids entweder einzelne Tracks oder gar keine Musik mehr kaufen. Die jüngere Generation ist außerdem zahlenmäßig in der Minderheit.

Quelle: Digital Music News

Auch auf den Streamingdiensten wird überwiegend bekannte Musik gehört, die älter als zwei Jahre sind. Man geht sogar von ca. 65 Prozent aus. 

Die Musikindustrie wird sich angesichts dieser Zahlen noch mehr auf ihre alten Goldesel fokussieren und diese in immer neuen Varianten auf den Markt werfen, während neue Künstler vermutlich künftig immer mehr unabhängig Musik veröffentlichen werden. Erst wenn diese gewisse Stückzahlen verkauft, werden sich die Majorlabels dafür noch interessieren. Eine Branche, die auf nackten Profit ausgerichtet ist, hat naturgemäß kein Interesse mehr daran, neue Talente aufzubauen und dafür Geld zu investieren. 

Der Vorteil: junge Talente werden sich künftig verstärkt eigene Wege suchen, sich auch ohne dicken Plattenvertrag durchzusetzen und laufen weniger Gefahr, für einen Vorschuss ausgenutzt und abgezockt zu werden.

Unzählige Musiker können ein Lied davon singen, was es heißt, sich mit einer großen Plattenfirma einzulassen, die das Geschäft in allen Einzelheiten versteht, während Musiker in der Regel gar keine Ahnung vom Business haben. Iggy Pop hatte sich in seiner John Peel Lecture ausführlich dazu geäußert, wie hart das Musikbusiness ist - und schon immer war. 

Aber eins ist sicher: egal wie das Geschäft läuft, Musik und neue Talente wird es immer geben, darum brauchen wir uns nicht zu sorgen.

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