Musikplattformen: Der Preis ist heiß

Der US-amerikanische Einzelhandelsgigant Walmart hat diese Woche seine Download-Plattform eröffnet, über die er Songs zum Preis von 88 Cent verkauft. Dies könnte andere Anbieter dazu zwingen, ihre Preise ebenfalls zu senken – und den deutschen Markt noch mehr unter Druck setzen.

Walmart setzt für sein Angebot auf Technik des Liquid Audio-Nachfolgers Liquid Digital Media. Die Dateien liegen im Windows Media-Format vor und lassen sich bis zu 10 mal auf CD brennen. Das Übertragen auf digitale Audioplayer ist ebenfalls möglich, allerdings müssen diese Microsofts Windows Media-Format verstehen. Die Nutzung des iPods scheidet damit aus.

Walmart ist bereits heute der größte Musik-Einzelhändler der Welt. Beobachter gehen davon aus, dass die Firma deshalb auch im Netz einigen Einfluss auf die Gestaltung des Online-Musikmarktes haben könnte. Insbesondere der niedrige Preis ? mit 88 Cent ist Walmart 11 Cent pro Song günstiger als Apples iTunes-Shop ? könnte zu einem wichtigen Faktor werden. Deutlichen Druck dürfte dies auch auf deutsche Anbieter ausüben. Wegen höherer Kosten gilt der Verkauf von Titeln für 99 Cent hier zu Lande als Verlustgeschäft. Universals Online-Plattform Popfile.de hat deshalb erst vor wenigen Tagen den Grundpreis seiner Titel von knapp einem Euro auf 1,49 Euro angehoben.

Die Bereitschaft zum Zahlen derartiger Preise scheint allerdings gering. So erklärten nur knapp sechs Prozent aller Befragten in einer Umfrage der TH Freiberg, für einen aktuellen Song einen Euro oder mehr zahlen zu wollen. Gerrit Pohl vom Zukunftsmusik-Projekt der TU meint allerdings, dass Online-Shops dennoch langfristig Geld verdienen können: "Es scheint sinnvoll, möglichst viele Raritäten oder unveröffentlichtes Material aus den Archiven zu holen ? für diese Art von Musik besteht unserer Umfrage nach die eindeutig größte Zahlungsbereitschaft, bei einigen Nutzern sogar jenseits der magischen 1,99 Euro-Grenze." (jr)

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