MySpace kills music?

MP3 Anbieter bietet nur noch minderwertige Soundqualität und wird kostenpflichtig
Der MP3 Anbieter MySpace, auf dem sich inzwischen zahlreiche Labels und Künstler mit Streams und Downloads präsentieren, hat die Qualität seiner Downloads und Streams drastisch gesenkt, offenbar um Kosten zu sparen. Die Anbieter können nun nicht mehr über die Qualität ihrer Files bestimmen. Ein erster Schritt hin zu einem kostenpflichtigen Downloadangebot?

Es ist vielleicht der größte und fragwürdigste Hype der letzten Jahre: MySpace.com. Der Anbieter ermöglicht es jedem, ob Amateur oder Superstar, Audiofiles ins Netz zu stellen und auf einer persönlichen Profilseite im Einheitslook zu veröffentlichen. Das ist rein technisch gesehen nichts besonderes und seit Jahren problemlos möglich.

Dennoch haben inzwischen fast alle Labels und Künstler neben ihrer Homepage ein Profil bei MySpace und bieten dort Download und Streams ihrer aktuellen Produktionen an. Nicht weil das besonders viel bringen würde, sondern einfach weil es alle machen. Und weil es einfach ist. Die Seite wurde im Jahr 2005 von Medienmogul Rupert Murdoch übernommen und hat inzwischen nach eigenen Angaben 100 Millionen registrierte Mitglieder, die dann auch 100 Millionen User-Profile erstellen und somit die Inhalte des Angebots komplett selbst gestalten. Es scheint also das äußerst kostensparende Geschäftsmodell, das das Interesse von Herrn Murdoch geweckt haben dürfte, nicht etwa die tolle Musik.

So verwundert es auch nicht, dass MySpace nun offenbar eine neue Richtung eingeschlagen und die Qualität seiner angebotenen Streams und Downloads drastisch verringert hat. Mit 96 kbps und 22 kHz kommt die Soundqualität etwa der eines altertümlichen Kofferradios nahe. "Back to the roots" also im Zeitalter von SuperAudio CD und Dolby Surround im heimischen Wohnzimmer. Die Musik-Anbieter selbst haben keinerlei Einfluss mehr auf die Klangqualität bei MySpace. Zwar laden sie ihre Musik eigenhändig auf das Profil in der gewünschten Qualität, doch die Files werden auf dem Server automatisch komprimiert.

Damit werden die Downloads von MySpace für Tonspion quasi unbrauchbar, da wir die Qualität von 128 kbps und 44 kHz für die unterste Grenze des Zumutbaren halten. Denn wer braucht schon minderwertige MP3 Files? Nicht mal geschenkt! Hochwertige Downloads aktueller Titel gibt es schließlich überall im Netz.

Die Umstellung ist allerdings wohl nur der erste Schritt von MySpace hin zu einem kostenpflichtigen Anbieter. Ab Herbst sollen Labels und Künstler ihre Downloads gegen Geld anbieten können, was den gesamten Markt noch einmal ordentlich durcheinander wirbeln könnte. Dennoch bleibt zu hoffen, dass sich viele Labels und Künstler gegen eine Einschränkung der Klangqualität ihrer Musik wehren oder auf andere Anbieter zurückgreifen.

Am liebsten würden wir bei Tonspion das gleich selbst übernehmen, doch in Deutschland ist ein vergleichbares Download-Angebot wie MySpace rechtlich und finanziell derzeit völlig undenkbar, da alleine die GEMA-Gebühren für so ein Angebot im astronomischen Bereich liegen würden, selbst wenn es sich um kostenlose Promo-Downloads wie im Fall von MySpace handelt, die nur damit ein Millionenpublikum erreichen konnten (und nicht etwa mit kostenpflichtigen Angeboten). Wieder einmal wird das Geschäft mit einer heimischen Erfindung, MP3, voll und ganz der US-Industrie überlassen. Um die horrenden GEMA-Gebühren für Downloads zu umgehen, bieten inzwischen auch zahlreiche deutsche Labels ihre Streams und Downloads auf dem Server von MySpace an.
Thema: 

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Ähnliche News

Justin Timberlake kündigt neues Album "20/20 Experience" an

Justin Timberlake kündigt neues Album "20/20 Experience" an

„Suit & Tie“ als Startschuss für das neue MySpace
Justin Timberlake setzt nach sechs Jahren Pause seine Karriere als Sänger fort. Zuletzt war der Ex-N'Sync-Frontmann und Ex-Freund von Britney Spears vor allem im Kino aktiv. Jetzt hat er pünktlich zum Relaunch von MySpace mit „Suit & Tie“ den ersten Song aus seinem neuen Album „20/20 Experience“ veröffentlicht.
Alles muss raus: MySpace schließt internationale Büros

Alles muss raus: MySpace schließt internationale Büros

500 Mitarbeiter nach Umstrukturierung entlassen
Fox Interactive hat die Reißleine bei MySpace gezogen. Nachdem das Social Network im vergangenen Jahr mehr und mehr an Bedeutung gegenüber dem übermächtigen Konkurrenten Facebook verloren hat, werden nun alle internationalen Niederlassungen geschlossen.
Die freie Kultur ist gescheitert

Die freie Kultur ist gescheitert

Internetpionier kritisiert Entwicklung und fordert radikales Umdenken
Jaron Lanier ist einer der Pioniere des Internet und gehört zu den Erfindern des Begriffs "virtuelle Realität". Der Informatiker und Komponist kritisiert in seinem Buch "You are not a gadget" die Entwicklungen der letzten Jahre und fordert ein radikales Umdenken im Umgang mit dem Internet.
Mit "Meine Musik" Updates gespeicherter Künstler erhalten

Mit "Meine Musik" Updates gespeicherter Künstler erhalten

Neuer Tonspion Service informiert über neue MP3, Alben, Tourdaten, Videos und mehr
Seit unserem Relaunch können registrierte Nutzer ihre Lieblingsbands speichern. Jetzt erhaltet ihr alle Neuigkeiten eurer gespeicherten Artists über neue kostenlose Downloads oder Alben, anstehende Tourneen, neue Videos oder News direkt auf der Startseite und bleibt so auf dem Laufenden.
MySpace kauft iLike

MySpace kauft iLike

Social Music Networks kämpfen um Nutzer
Der Musikanbieter MySpace hat die US-Platform iLike gekauft. Das berichtet der Blog TechCrunch. iLike ist vergleichbar mit Last.FM, Nutzer können ihre Lieblingsmusik speichern und bekommen dann "ähnliche" Musik als Radiostream. Die Kaufsumme soll 20 Millionen Dollar betragen haben.

Empfehlungen