MySpace überholt Google und Yahoo

Der schnelle Aufstieg einer Musik-Community
Die Online-Community MySpace ist die Nr. 1 der US-Internetanbieter. Das sagen zumindest die Internetanalysten von Hitwise. Damit lässt MySpace.com sogar die bisherigen Marktführer Yahoo und Google hinter sich was die Zahl der Visits angeht. Doch was hat es mit dem Hype um MySpace eigentlich auf sich?

Gegründet wurde MySpace im Sommer 2003 von dem Studenten Tom Anderson. Zunächst wurde unter der Domain nur Webspace angeboten werden. Anderson baute die Seite zur Internet-Community nach dem Vorbild von Friendster um. Durch seine Kontakte zu verschiedenen Bands gelang es Anderson, dass sich auch Stars wie REM, Coldplay oder die Black Eyed Peas ein Profil auf MySpace anlegten, um mit ihren Fans in Kontakt zu treten. Manche davon boten auf MySpace auch exklusive Pre-Listenings oder Free Downloads an. Die Community und die Zahl der Profile wuchs enorm schnell. Mitte 2005 waren schon rund 350 000 Musiker und Bands auf MySpace zu finden. Und 35 Millionen registrierte Musikhörer. Das machte den Medienmogul Rupert Murdoch aufmerksam und er kaufte MySpace für rund 580 Millionen US-Dollar und machte den nicht einmal 30 jährigen Tom Anderson zum zigfachen Millionär.

Seitdem wächst MySpace und der mediale Hype um die Plattform unaufhörlich und schwappte in diesem Jahr auch in die deutsche Musikbranche hinein. Bemerkenswert daran ist, dass sich die Musikindustrie bisher immer strikt dagegen gewehrt hatte, wenn Internetplattformen mit Hilfe von Musik Geld verdienen wollten. Die Seite MP3.com hatte man beispielsweise so lange verklagt, bis die Macher das Handtuch werfen mussten. Zum ersten Mal wurde also eine Plattform selbständig mit Streams, Downloads und Videos bestückt und somit zum Erfolg gepusht. Die Musikindustrie ist längst selbst dem Hype um MySpace verfallen, den nicht zuletzt sie erst möglich gemacht hat.

Bemerkenswert außerdem, dass MySpace eine denkbar hässliches Webangebot ist, die nicht nur ästhetische Probleme, sondern auch zahlreiche Sicherheitslücken aufweist. Auch rechtlich sind die Sachen auf MySpace nicht immer einwandfrei, so laden zahlreiche Fans die Musik ihrer Lieblingsstars auf die Plattform. Zwar werden diese Copyrightverletzungen von MySpace durch Löschen der Accounts geahndet, doch vor wenigen Jahren noch, wäre das für die Musikbranche ein Grund gewesen, die Plattform in Grund und Boden zu klagen. Doch anscheinend hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und weiß den viralen Effekt der kostenlosen Online-Promotion inzwischen mehr zu schätzen.

Inzwischen finden 4,46 Prozent des gesamten Internetverkehrs in den USA auf MySpace-Seiten statt. Praktisch: die Nutzer generieren ihre Inhalte selbst, MySpace streicht dagegen die Werbegelder ein, die mit den unzähligen Seitenaufrufen erwirtschaftet werden. Das haben nun zahlreiche Internetanbieter als Geschäftsmodell der Zukunft fest im Auge. Das Aal-Modell (Andere arbeiten lassen) im so genannten Web 2.0 hat aber durchaus auch Kritiker, da die Qualität der Inhalte durch die schiere Masse der Beiträge nicht eben steigt. Dennoch ist der unglaubliche Aufstieg von MySpace für viele Unternehmen nun das leuchtende Vorbild, wie man im Internet Geschäfte machen kann. Man braucht nur genügend Leute, die dabei mithelfen, ohne etwas zu kosten.
Übrigens: Ab Herbst soll MySpace auch deutsch sprechen und in Europa expandieren. (ur)

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