Nach den Anschlägen von Paris: Zahlreiche Bands sagen Konzerte ab

Foo Fighters, Prince, Deftones und viele andere wollen nicht live spielen

Eigentlich ist die einzig richtige Antwort auf die hinterhältigen Anschläge von Paris ein klares "jetzt erst recht"! Trotzdem haben sich viele Bands dazu entschieden, Konzerte abzusagen. Dabei spielen Sicherheitsbedenken offenbar genauso eine Rolle wie nackte Angst. 

Eagles Of Death Metal
Eagles Of Death Metal

Was hat sich an der Sicherheitslage nach den brutalen Anschlägen von Paris geändert? Grundsätzlich nichts: jederzeit können Amokläufer, Fanatiker und Terroristen Menschen umbringen. Überall auf der Welt. Die Gefahr durch einzelne, hoch ausgerüstete und komplett fanatisch verblendete Selbstmord-Attentäter wurden uns am Wochenende vor Augen geführt. Als Teil eines gezielten Feldzugs, die gegen uns alle gerichtet ist, gegen die freie Welt. Gegen alles, was nicht der irren Weltanschauung einer radikalen islamistischen Sekte entspricht.

Dennoch gab es in der Folge zahlreiche Konzertabsagen von Bands und Künstlern, die sich nicht in der Lage sahen, so kurz nach dem brutalen Anschlag auf ein Konzert der weithin geschätzten Eagles Of Death Metal, einfach weiterzumachen. Nicht nur in Paris, wo eine dreitägige Staatstrauer Konzerte verbietet, sondern weit darüber hinaus. Die Foo Fighters, die mit den Eagles eng befreundet sind, cancelten ihre komplette Europa-Tour. 

 

It is with profound sadness and heartfelt concern for everyone in Paris that we have been forced to announce the...

Posted by Foo Fighters on Samstag, 14. November 2015


Auch U2 mussten gestern aus naheliegenden Gründen ihren geplanten Auftritt in Paris canceln und zeigten sich betroffen von den Ereignissen, Bono versprach aber in einem Interview mit dem irischen Radiosender RTE, nach Paris zurück zu kommen und die Show auf jeden Fall nachzuholen.

Die Deftones waren selbst beim Konzert der Eagles im Le Bataclan und verließen glücklicherweise vorzeitig die Show. Sie sollten einen Tag später dort spielen. Auch sie sagten ihre Tour aus nachvollziehbaren Gründen ab, davon betroffen sind auch die Shows in Berlin und Köln. Auch Prince verschob seine geplante Europatournee bis auf Weiteres. Wer Tickets für Konzerte gekauft hat, sollte also regelmäßig checken, ob der Auftritt überhaupt stattfindet.

Adele sagte kurzfristig das für Samstag in Hamburg geplante geheime Prelistening ihres neuen Albums "25" ab, obwohl dies nur für geladene Gäste zugänglich gewesen wäre. Ein Sicherheitsrisko war also nicht gegeben. Und selbstverständlich sind auch die Eagles of Death Metal nicht in der Verfassung, ihre Tour zu Ende zu spielen. Sie haben sich seit der dramatischen Nacht nicht mehr öffentlich zu Wort gemeldet. Der Schock über das Geschehene und den Verlust eines Mitglieds der Tour Crew muss tief sitzen. Wir hoffen, dass sie wieder zurück kommen und weiter machen. Trotz allem.

Diese Absagens sind sehr verständlich, denn niemand möchte seine Fans und sich selbst einem unkalkulierbaren Risiko aussetzen, auch wenn das Risiko wie gesagt vermutlich kein bisschen höher ist, als zuvor. Doch wer so nah dran ist, kann die Vorstellung, auf einem Konzert der eigenen Band, so einen feigen Angriff auf Menschen miterleben zu müssen, nicht so schnell los werden. Insofern muss man wohl Verständnis und Respekt haben, für die Künstler, die momentan nicht einfach weiter machen können, als wäre nichts passiert. 

Trotzdem scheint es wichtiger denn je, dass wir unser Leben weiterleben, gemeinsam Musik hören, Fußballspielen, rausgehen, feiern und uns nicht überwältigen lassen von der Angst, dass der nächste Angriff uns selbst treffen könnte. Denn dann haben die Terroristen gewonnen. Genau das ist ihr Ziel, uns zu erschüttern und gegen den Islam insgesamt aufzubringen.

Dass sich der IS die Band von Josh Homme und Jesse Hughes als konkretes Ziel ausgesucht hat, wie die SZ sich nun zurecht fantasiert, grenzt schon an eine abstruse Verschwörungstheorie. Sie unterstellt den Opfern indirekt, die "falsche" Musik gehört zu haben. Außerdem gehöre der Club doch einem Juden, so war zu lesen. Wer sich auch nur ein bisschen über den IS informiert hat, weiß, dass unsere gesamte Kultur, unser gesamter Lebensstil und alles, was die westliche Gesellschaft verkörpert, wir alle, in den Augen der islamistischen Gotteskrieger kein Recht auf Leben hat, allenfalls als ein Dasein als Sklaven. Und dazu zählen auch und insbesondere friedliche und friedliebende Moslems, die sich nicht dem IS anschließen wollen.

Dass jetzt wieder viele den IS mit dem Islam gleichsetzen, wie es nach den Anschlägen wieder häufig zu lesen war, sogar von gestandenen Journalisten, ist möglicherweise der größte Erfolg, den sich die Terroristen nach den Anschlägen von Paris auf die Fahnen schreiben können. 

Viele Medien, darunter das Rolling Stone Magazin, befeuern diese Terror-Propaganda, indem sie brutalste Smartphone-Aufnahmen vom Anschlag in Paris verbreiten und die Angst bis hin zur Hysterie schüren. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen dieser Form von klickgeilem Sensations-"Journalismus" gegenüber keinen Respekt mehr aufbringen können. Aus Angst ist jedenfalls noch nie etwas Positives geschehen.

Die Menschen in Paris zeigten ihre Anteilnahme, in dem sie sich trotz Versammlungsverbotes auf öffentlichen Plätzen trafen und ihre Trauer zum Ausdruck brachten. Und dass sie nicht gewillt sind, sich von Terroristen ihre Freiheit nehmen zu lassen.

Ausgerechnet die sonst so wortkarge Angela Merkel hat - endlich - die treffenden Worte gefunden, indem sie betonte, dass wir unsere Freiheit unter keinen Umständen her geben werden. "Wir wissen, dass unser freies Leben stärker ist als jeder Terror." Dem ist nichts hinzuzufügen. 

 

Merkel sichert Frankreich ihre Unterstützung zu: "Wir weinen mit ihnen. Wir werden gemeinsam mit ihnen den Kampf gegen die führen, die ihnen so Unfassbares angetan haben", sagt die Kanzlerin bei ihrem Statement.

Posted by tagesschau on Samstag, 14. November 2015

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