Nach der Popkomm ist vor der c/o Pop

Eine Branche schrumpft sich gesund

Des einen Leid ist des andern Freud. Nachdem die Berliner Popkomm kurzerhand abgesagt wurde, dürfte die Kölner c/o Pop sich dieses Jahr zum wichtigsten Branchentreffen aufschwingen. So oder so: vermissen wird die Popkomm wohl kaum jemand.

Man hat die Bilder noch vor Augen: zur Jahrtausendwende tummelten sich in den Kölner Messehallen bei der Popkomm 2000 diverse Start-Ups und verprassten ihr frisch an Land gezogenes Venture-Capital für GoGo-Girls und monströse Messestände. Dass das nicht lange gut gehen würde, war abzusehen. Bereits 2001 verschwanden fast alle dieser aufgeblasenen neuen Anbieter wieder in der Versenkung, die Kölner Musikmesse geriet in der Folge ins Trudeln und musste sich nach neuen Geldern umschauen.

Die fand man schließlich ab 2004 in Berlin, wo zahlreiche Fördertöpfe bereit standen, um der angeschlagenen Musikbranche mit Steuergeldern unter die Arme zu greifen. Statt riesiger Messestände gab es nun auf der Berliner Popkomm staatliche Vertreter aus aller Herren Länder, die Musik als nationales Gut handelten und nicht mehr in Pop, Rock oder Elektronik unterschied, sondern in deutsch, skandinavisch, britisch oder litauisch. Die Messestände der diversen Labels wurden irgendwo dazwischen gequetscht, wobei der gesamten Indieszene ungefähr 80 qm Messefläche reichen mussten. Zwar strengte man sich in Berlin an, ein anständiges Festivalprogramm zur Popkomm auf die Beine zu stellen, aber anders als in Köln, gibt es in Berlin an keinem Tag der Woche einen Mangel an herausragenden Konzerten und Parties, so dass es dem normalen Musikfreund nicht weiter auffiel, wenn Popkomm war. Auch im Kongressprogramm diskutierte man ab 2001 alljährlich eigentlich nur die Frage, wie der Umsatzeinbruch durch das bevorstehende Ende des Geschäftsmodells Tonträger aufgehalten werden könne. Eine Antwort steht trotz allerhand Gesabbels über die Jahre nach wie vor aus. Wohl, weil es keine gibt. Man muss Wohl oder Übel kleinere Brötchen backen.

Das erkannte man nach dem Verlust der Popkomm in Köln, rief alljährlich ein kleines, nettes Familientreffen unter dem Namen c/o Pop ein, das sich nun aufschwingt, der inoffizielle und weitaus interessantere Nachfolger der Musikmesse Popkomm zu werden. Auf der c/o Pop wurden von Anfang an die kritischeren Diskussionen geführt, das Festivalprogramm ist klein, aber ambitioniert und verweigert sich bisher erfolgreich der nationalen Denke. Am wichtigsten aber: auf der c/o Pop trifft man tatsächlich die Menschen, die heute noch in der Musikbranche arbeiten und nicht nur bei irgendwelchen Banken, Sponsoren oder Ausschüssen. Ganz so, wie bei der Popkomm Anfang der Neunziger, als Messestände und Diskussionsrunden nur Beiwerk zum persönlichen Austausch waren. Und so dürften viele aus der Branche ihr Ticket nach Köln bereits gebucht haben und der Popkomm in Berlin keine Träne nachweinen.

Die c/o Pop findet vom 12.-16. August 2009 unter dem Titel "Pop Culture 2.0" im Kölner Schauspielhaus statt. Neben Messe und Konferenz bietet das Festivalprogramm Konzerte u.a. mit Moderat, Beirut, Patrick Wolf, The Whitest Boy Alive, The Notwist & Andromeda Mega Express Orchestra und vielen anderen.

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