Napster erlangt Teilsieg vor Gericht

Nach vielen Niederlagen hat Napster vor Gericht nun mal wieder einen Sieg verbuchen können. Das MP3-Tauschen wird dadurch nicht wiederbelebt, doch die Plattenlabels stehen plötzlich selbst auf der Anklagebank - wegen monopolistischer Lizenzpolitik und einer arg vereinnahmenden Haltung gegenüber ihren Musikern.

Richterin Marilyn Hall Patel hatte im letzten Jahr einmal erklärt, Napsters Geschäftsmodell sähe "schlecht aus, höre sich schlecht an und rieche schlecht". Nun hat sie dieses Zitat wiederholt - mit dem Unterschied, dass sie diesmal die Joint Ventures der Plattenfirmen als übel riechend bezeichnete.

Anlass für diesen plötzlichen Geschmackswandel war eine weitere der zahllosen Verhandlungen im Rechtsstreit zwischen Napster und den großen Plattenfirmen. Zwar wurde der Tauschbörse bereits vor einem Jahr gerichtlich bescheinigt, dass ihr Geschäftsmodell ungesetzlich ist. Doch noch steht eine Entscheidung über mögliche Entschädigungszahlungen aus, weshalb die Verhandlungen weitergehen.

Ob die Plattenfirmen darüber aber so glücklich sein können, wird immer fraglicher. Diesmal gab Richterin Patel Napster darin Recht, dass Pressplay und Musicnet genauer hinsichtlich ihrer Lizenzierungspolitik und möglicher Monopolbildung untersucht werden müssen. So hatte Musicnet im vergangenen Herbst einen Lizenzvertrag mit Napster abgeschlossen, der es der Tauschbörse verboten hätte, auch Musik von Pressplay zu lizenzieren. Musicnet ist das Joint Venture von EMI, BMG und AOL Time Warner sowie Real Networks, Pressplay verbindet Sony und Universal. Napster entschied sich dann in letzter Minute doch gegen die Vertragsbedingungen.

Untersucht werden soll nun auch, inwieweit die Plattenfirmen denn eigentlich die Rechte an der Musik besitzen, die sie gegenüber Napster immer reklamieren. Gerade dieser Punkt birgt so einigen Sprengstoff. Erst letzte Woche hatten einige Musiker um die "Chambers Brothers" vor Gericht darin Recht bekommen, dass ihre zum Teil 30 Jahre alten Plattenverträger nicht automatisch auch die Rechte für digitale Distribution umfassen. (jr)

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Ähnliche News

Die besten Smartphone Tarife mit Musik-Flatrate

Die besten Smartphone Tarife mit Musik-Flatrate

Streamen ohne Datenvolumen aufzubrauchen
Für jeden Musikfan ist das Streaming unterwegs am Smartphone inzwischen unerlässlich. Doch welche Tarife bringen die Musik-Flatrate gleich mit? Wir haben uns den Markt genauer angesehen. 
Rapidshare stellt Betrieb ein

Rapidshare stellt Betrieb ein

Filehoster verabschiedet sich von seinen Nutzern
Der ehemals populäre Filehoster Rapidshare mit Sitz in der Schweiz ist am Ende. Die User bekamen eine Nachricht, dass man den Geschäftsbetrieb zum 31. März 2015 einstellen und alle Daten löschen werde. 
"Downloaded" - Die Geschichte von Napster als Film

"Downloaded" - Die Geschichte von Napster als Film

Jetzt den US-amerikanischen Dokumentarfilm online streamen
Mit dem Launch der Musiktauschbörse Napster 1999 wurde die Musikindustrie revolutioniert. Die Dokumentation „Downloaded“ versucht die Geschichte und die Bedeutung der Software zu rekonstruieren und kann jetzt online gestreamt werden.
Wenn Tauschbörsen legal werden

Wenn Tauschbörsen legal werden

KaZaa und Pirate Bay sollen zu legalen Musikangeboten umgebaut werden
Sie kommen alle zurück. Wie schon Napster vor einigen Jahren sollen nun auch die Tauschbörsen KaZaa und Pirate Bay wieder auf den Markt kommen. Diesmal aber mit einem tragfähigen Geschäftsmodell und legal.
10 Jahre Napster: Musikindustrie räumt Fehler ein

10 Jahre Napster: Musikindustrie räumt Fehler ein

Zusammenarbeit mit Tauschbörsen hätte Vorteile gebracht
Zum zehnjährigen Jubliäum der ersten großen Peer-to-Peer Tauschbörse Napster hat Geoff Taylor von der British Recorded Music Industry erstmals eingeräumt, dass man damals einen Fehler begangen habe. Statt Napster zu bekämpfen hätte man besser mit der neuen Plattform zusammenarbeiten sollen.

Empfehlungen