Neue GEMA-Kampagne "Musik ist uns was wert"

Mit erhobenem Zeigefinger gegen Proteststurm im Netz

Die Gema hat offenbar erkannt, dass sie in Deutschland mittlerweile ein schweres Image-Problem hat. Nun versucht die Verwertungsgesellschaft mit einer Kampagne verlorenen Boden gut zu machen - und bewirkt genau das Gegenteil. 

"Musik ist uns was wert" heißt der Slogan der neuen Kampagne. Klar, schließlich ist die Gema die Verwertungsgesellschaft für Komponisten und Textdichter. Und einige der Mitglieder erwirtschaften über die Gema ein beträchtliches Einkommen. Vor allem dann, wenn ihre Lieder als Evergreens täglich auf allen Oldie-Kanälen zu hören sind.

Die Gema treibt Geld für die Urheber ein, wann immer ein Lied im Radio oder Fernsehen gespielt wird. Und seit einigen Jahren auch im Internet. Dort allerdings noch nicht ganz so erfolgreich, so sperrt YouTube weiterhin aufgrund eines anhaltenden Streits über die Höhe der Gema-Gebühren in Deutschland fast alle Musikvideos - zum Leidwesen vieler User, die die Gema als Alleinschuldigen verteufeln. Ob das so stimmt, kann derzeit keiner sagen, da die Gespräche mit YouTube hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Die neue Kampagne ist recht einfach gestrickt, zeigt einige Situationen, in denen Musik gebraucht wird und transportiert die Botschaft "Ohne Komponisten und Textdichter keine Musik". Eine Binsensweisheit, die selbst Erstklässlern nicht mehr vermittelt werden müsste. 

Allerdings gibt es eine seit über zehn Jahren anhaltende Diskussion darüber, wie das im neuen Medium gestaltet werden kann und ob die Tarifstruktur der Gema dort noch zeitgemäß ist. Doch die Gema sieht offenbar nach wie vor den erhobenen Zeigefinger als richtige Antwort auf den massiven Proteststurm, der sich im Internet überall Luft macht und nicht selten von Unwissen geprägt ist, statt auf die aktuellen Themen einzugehen.

Statt platter Aussagen wie dieser hätte man sich von der Gema z.B. konkrete Antworten auf die brennenden Fragen erhofft:

- warum können nur deutsche Nutzer im Jahr 2012 immer noch keine Musikvideos auf Youtube schauen?

- warum gibt es in Deutschland im Jahr 2012 selbst für die Komponisten keine Möglichkeit, ihren Fans Musik zu schenken, ohne ganz erhebliche Gema-Gebühren zahlen zu müssen?

- warum gab und gibt es keine Tarife speziell für Musikblogs und Musikmagazine im Netz, die eine Blogkultur wie in den USA überhaupt erst ermöglicht hätten?

- Warum laufen nun auch noch die Musikveranstalter Sturm gegen eine Tarifänderung, die einfach nur beschlossen, aber nicht erklärt wird und erneut für zahlreiche Clubs und Veranstaltungsreihen das Aus bedeuten könnte?

Selbst Musiker, die Teil der Gema sind, melden sich inzwischen lautstark zu Wort. So forderten Deichkind „Wir wollen, dass unsere Videos zu sehen sind“, als ihr Video "Illegale Fans" bei Youtube gesperrt wurde aufgrund des anhaltenden Gema-Streits und Jan Delay forderte seine Fans gleich dazu auf, sich Musik illegal zu saugen, sich nur nicht dabei erwischen zu lassen. 

Die Kampagne soll auch in den sozialen Netzwerken stattfinden, doch wie aus einem erhobenen Zeigefinger ein echter Dialog und kein massiver Shitstorm werden soll, darüber wird sich die verantwortliche Agentur wohl noch ein paar Gedanken machen müssen. 

http://www.musik-ist-uns-was-wert.de

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