Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Morrissey, Kurt Cobain, DOOM, Matthew Herbert - und Amy Winehouse

Morrissey tritt schlecht gelaunt in Berlin auf, Aberdeen will Kurt Cobain eine Brücke widmen, Matthew Herbert gibt ein bemerkenswertes Interview, der mysteriöse Rapper DOOM gibt in Deutschland ein Konzert - und ein Nachruf zum Tod von Amy Winehouse.

 

Wohlwollend und bedächtig

80 Minuten lang, schlechte Laune inklusive – seine Fans wissen worauf sie sich einlassen, wenn Morrissey auf Tour kommt. Davon haben sich die knapp 5000 Fans in der Spandauer Zitadelle offenbar so stark beeinflussen lassen, dass Jörg Wunder im Tagesspiegel klagt: „Live-Favoriten wie „Every Day Is Like Sunday“ oder „There Is A Light That Never Goes Out“ werden mit wohlwollendem Applaus aufgenommen, sogar ganz vorn, in der eigentlich für beinharte Fans reservierten Zone, hält sich das Mitsing-Engagement in Grenzen. Die eher an ein Altstadtfest erinnernde Atmosphäre mag dem Wohlbefinden zuträglich sein, der Intensität eines Konzerterlebnisses schadet sie“. Bedächtig wäre die Stimmung gewesen, pflichtet Jan Scheper in der Taz bei: „Alle versammelten Generationen - es sind nicht nur die traurigen Teenager von damals gekommen – (scheinen) der Präsenz und Magie der Popikone zu erliegen“.

Ich glaub', mein Schwein pfeift

Im Oktober veröffentlicht Matthew Herbert den abschließenden Teil seiner „One“-Trilogie. Diesmal besteht das Album ganz aus Schwein – im wahrsten Sinne des Wortes, denn Herbert hat dafür ein Schwein auf seinem Weg von der Geburt bis zur Schlachtreife begleitet und dabei fleißig Samples gesammelt, mit denen das Album produziert wurde. Wie schwierig es ist, im Kontext der hedonistischen Clubkultur mit politisch motivierter Musik zu landen, bringt Herbert im Interview mit Rabea Weihser von der Zeit zum Ausdruck: „Ja, ich fühle mich wie ein Spielverderber. Einer, der die Musik runterdreht und die Partygäste bittet, eine Petition zu unterschreiben. Ich bin ein Außenseiter und würde natürlich gern dazugehören und gehört werden. Aber gesellschaftliche Themen sind mir zu wichtig“.

Brückenschlag

Passend zum anstehenden 20-jährigen Jubiläum von „Nevermind“ plant Kurt Cobains Geburtsstadt Aberdeen eine Brücke nach dem Nirvana-Frontmann zu benennen, wie die Süddeutsche berichtet. Aus der „Young Street Bridge“ könnte also bald die Kurt Cobain Bridge werden und alle Fans der Grunge-Ikone hätten endlich einen offiziellen Wallfahrtsort – und das von Cobain geschmähte Aberdeen auch ein angemessenes Scheibchen vom großen Nirvana-Kuchen.

Auf der Borderline nachts um eins

Diese Woche gibt Rapper DOOM sein erstes Deutschlandkonzert seit vielen Jahren in Berlin. Michael Lutz versucht Daniel Dumile in der Berliner Zeitung zu portraitieren und stößt dabei auf ein unüberschaubares Dickicht aus Pseudonymen, die der US-Rapper peinlich genau auseinander zu halten weiß: „Als Borderliner, der er ist, antwortet er konsequent in der dritten Person. Er spricht über die Maske gerade so, als wäre sie ein Papagei, der auf seiner Schulter sitzt (...). Wie pingelig genau DOOM seine Identitäten zu trennen vermag, zeigt sich auch, wenn er seine vielen Alter Egos auf seinen eigenen Platten hin- und hercastet: Nicht selten tauchen in den Credits einer DOOM-Platte fünf verschiedene Namen für ein und dieselbe Person auf“. Zu erleben am 22.7. im Astra.

Farewell, Amy Winehouse

Plötzlich und erwartet. Amy Winehouse ist tot. Eine der talentiertesten Sängerinnen unserer Zeit ist nicht zurecht gekommen mit ihrem Leben. Wie so viele hoch talentierte Künstler vor ihr. Ihr Tod ist die Geburt einer Legende. Und unendlich traurig. Tobias Rüther schreibt in seinem Nachruf in der FAZ:
"Man hätte sich jetzt schon drauf freuen können, welche Platten Amy Winehouse in vierzig Jahren aufnehmen würde. Große Lieder vom Rande der Nacht, vom Hinfallen und Aufstehen, von Fehlern, aus denen man nichts gelernt hat außer guten Pointen.

Es ist furchtbar schade, dass wir diese Lieder nie hören werden. Es ist furchtbar schade um Amy Winehouse."

 

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