Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Prince, Take That, Dave Mustaine, Black Metal und dem Erfinder des Plattencover

Die Attentate in Norwegen sind diese Woche auch im Pop-Feuilleton ein Thema. Weitere traurige Ereignisse der Woche: Prince verärgert seine Fans, Alex Steinweiss, der Erfinder des Plattencovers, ist gestorben, Take That werden inzwischen ironisch bekreischt und Dave Mustaine hat seit 25 Jahren schlechte Laune - die Popschau vom 29.07.

Quo vadis, Black Metal?

Der Tagesspiegel hat die Woche über versucht nach Spuren in der norwegischen (Pop)Kultur zu suchen, die Erklärungen für eine Tat wie die vom vergangenen Freitag liefern könnten. Jörg Wunder hat sich dabei Norwegens Black-Metal-Szene und deren Rezeption in der Popkritik vorgenommen. Er stellt fest: „Die tatsächliche Existenz nordisch-nationalsozialistischen Gedankenguts (ist) ebenso wenig zu leugnen wie der maßgebliche Einfluss auf die rechtsextremistischen Metal-Underground-Szenen, die sich vor allem in osteuropäischen Ländern gebildet haben.“ 

Das Gegenmodell dazu liefern derzeit einige amerikanische Bands, die das Genre auch politisch in eine neue Richtung führen: „Die tote Haut der Klischees muss entfernt werden, um die lebende Seele des Black Metal neu zu erforschen" sagt Liturgy-Sänger und Gitarrist Hunter Hendrix gegenüber Robert Iwanetz in der Taz. Am Beispiel von Wolves In The Throne Room stellt Iwanetz fest, dass die Band aus dem Bundesstaat Washington für „eine völlige Umkehrung der europäischen Black-Metal-Attitüde“ steht, bei der „Nachhaltigkeit statt Zerstörung. Leben statt Sterben“ im Fokus steht.

Prince und die Eichhörnchen

Prince gab in Köln das einzige Deutschlandkonzert seiner Europatournee. Während man an anderer Stelle Auftritte mit zwei oder drei Stunden Länge erleben durfte, spielte der Meister in Köln gerade einmal 75 Minuten und klingt dabei „wie eine Horde Eichhörnchen, denen der Förster auf den Schwanz getreten hat. Nur lauter“. Die Konsequenz: Am Ende „fliegen Bierbecher auf die Bühne, es wird gepfiffen und geschimpft“, wie Ansbert Kneip für SPON berichtet.

Ironisch Kreischen

Die wiedervereinigten Take That sind unter anderem in Hamburg und Düsseldorf aufgetreten. Neben der Boyband feierte dabei auch das Kreischen ein Comeback, „natürlich ironisch“ gebrochen wie Julia Niemann in der Taz befindet. Eric Pfeil für die FAZ kann hingegen keine ironische Brechung erkennen: „Bei diesem Konzert sind alle Frauen wieder Mädchen – (es ist) keineswegs die Wiederbelebung oder Imitation eines Teenager-Kreischens. Es ist die pure, aufrichtige Begeisterung.“

Bunte Hüllen

Vor etwas mehr als einer Woche starb im Alter von 94 Jahren Alex Steinweiss. Auch wenn man diesen Namen nicht kennt, mit seiner bedeutendsten Erfindung ist jeder, der einmal eine Schallplatte in den Händen gehalten hat schon in Berührung gekommen: „Gleich nach seiner Einstellung als Art Director bei der Plattenfirma Columbia im Jahr 1939 schlug der Grafikdesigner vor, die Schallplatten statt wie bisher in triste Schutzeinbände lieber in Papphüllen zu stecken und diese künstlerisch zu gestalten“ (Süddeutsche). Aufrichtigen Dank dafür!

Peace sells...

Zehn Jahre The Strokes „Is This It?“, 20 Jahre Nirvanas „Nevermind“ - Matthias Schönebäumer ging für die Zeit noch fünf Jahre weiter zurück, um ein Album mit dem Titel „Peace sells... but who's buying“ zu würdigen. Eingespielt hat es vor 25 Jahren Dave Mustaine mit seiner Band Megadeth, im Bauch eine Menge Wut über seinen Rauswurf bei – richtig – Metallica. Deshalb „grault und faucht Mustaine (darauf) so miesepetrig, als hätte man einen bockigen Teenager eben zur Berufsschule geweckt. Mustaines Wut ist längst in ein aggressives Pöbeln übergegangen, nur selten brüllt er sich die Seele aus dem Leib“ und hilft nach wie vor Wunder bei schlechter Laune.

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