Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Jay-Z, Kanye West, Judas Priest, den Riots in London und dem Netz

Diese Woche gelesen und notiert: Was passiert, wenn Elefanten Hochzeit halten? Welche Auswirkungen haben die Riots in England auf die Landschaft der britischen Indies? Welche die Demokratisierung der Produktionsmittel auf die Qualität von Musik? Und warum brechen Judas Priest nie wieder das Gesetz? Die Popschau für Freitag, den 12.8.

Weicht ab!

Stefan Goldmann, DJ und Betreiber des Technolabels Macro, hat sich in der Taz Gedanken über den Musikmarkt im Netz gemacht. In einem bemerkenswerten Artikel sucht er nach einem Ausweg aus der, wie er es nennt „weitgehenden Entprofessionalisierung“ von Musikern: „Was vorher hauptberufliche Enthusiasten erledigten, gerät immer mehr zum Aufgabenfeld des Künstlers selbst. Dieser ist jetzt Gestalter, Werber, Manager und Vertrieb – alles Zeit und Aufmerksamkeit, die der Musik fehlen. (…) Musiker wird damit vorrangig zu einem Beruf für Erbreiche und merkantil Clevere. Mit Qualität oder Überzeugungskraft der Musik hat das wenig zu tun“. Wer mehr als „drei Monate geballten Hype“ erreichen möchte, „muss (…) einfach die größte Abweichung vom Durchschnitt suchen. Nur so kann man aus dem allgemeinen Nichts noch irgendwie herausstechen“. Also los, worauf wartet ihr?

Kauft Mp3s!

Bleiben wir beim Business. Während der Riots in London und anderen britischen Städten wurde ein Lagerhaus der Sony in Brand gesetzt, in dem auch das Lager des größten britischen Indievertriebes PIAS untergebracht war. Auch wenn die Täter inzwischen gefasst sind, kann man die Auswirkungen des Brandes noch nicht abschätzen. Martin Mills (Beggars Group) sprach gegenüber der Taz allein von 750.000 verlorenen Tonträgern seiner Firma. Eine komplette Liste aller Labels, die durch den Brand Platten verloren haben, findet man hier. Um die betroffenen Labels zu unterstützen hat das britische Magazin The Quietus zur Aktion „Save Vinyl, buy Mp3“ aufgerufen.

Brecht das Gesetz!

Und noch eine traurige Nachricht: Judas Priest sind auf Abschiedstour, in Berlin spielten sie (voraussichtlich) ihr letztes Deutschlandkonzert, und David Hugendick war für die Zeit dabei: „'Epitaph' heißt ihre weltweite Ehrenrunde, Grabinschrift also, und wenn man sich eine ausdenken müsste, stünde vielleicht unbescheiden drauf: Die wichtigste britische Heavy Metal Band neben Iron Maiden.“ Angesichts unerschütterlicher Klassiker des Heavy Metal wie „Breaking The Law“ wundert sich Hugendick „dass die urbane Jutetaschengeneration noch nicht die frühen Alben von Judas Priest in ihren iPod-Kanon aufgenommen hat – obwohl manch eine Oma dazu schon im Hühnerstall Motorrad fuhr.“ Wir empfehlen zum Einstieg „Priest ...Live!“.

Steigt auf den Thron!

„Watch The Throne“ heißt das erste gemeinsame Album der beiden bestimmenden Köpfe des Hip-Hop der letzten zehn Jahre: Kanye West & Jay-Z. Markus Schneider hat versucht die Elefantenhochzeit für die Berliner Zeitung auf den Punkt zu bringen, endet bei aller Wertschätzung aber im Zwiespalt: „Ästhetisch muss man sich entscheiden, ob einem die Selbstverständlichkeit verdächtig scheint, mit der sie stoische Prahlhans-Geldbündel-Raps älterer Schule neben herzvolle, zweifelnde Einlassungen zur inneren Befindlichkeit der Black Community und des Rapper-Ichs stellen. Oder ob man darin eine monarchische Geste sieht, mit der die beiden das gesamte Territorium des HipHop für sich reklamieren.“ Knapper formuliert: „That's My Bitch!“ Damit verabschiedet sich die Popschau in den Urlaub, wir lesen uns am 3.9. wieder.

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Jay-Z und Kanye West, raps best selling men, mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Gemeinsam haben sie es ich zur Aufgabe gemacht, ihre Position zu behaupten. „Watch The Throne“ heißt ihre neuste Verteidigungsstratgie, der LP gewordene Größenwahn.