Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Coldplay, Kraftwerk, Sido & Bushido, Britney Spears und Retromania

Zurück vom Krankenbett hat Florian Schneider wieder für Tonspion das Feuilleton durchforstet: Darin scheren sich Coldplay nicht um Coolness, Sido und Bushido nur ums Geld. Kraftwerk mögen's museal und Britney Spears den Kölner Karneval, und Simon Reynolds attestiert den Stillstand des Pop.

Uncooles Konzept

Zwölf Millionen Mal haben Coldplay ihr letztes Album an Mann und Frau gebracht. Mit „Mylo Xyloto“ erscheint jetzt der Nachfolger, mit dem sich Coldplay davon verabschieden, cool zu sein. Deshalb ist das neue Album ein Konzeptalbum geworden, „die Liebesgeschichte eines jungen Paares, das der Panikmache der allumgreifenden Sensationsgier trotzt, mit der die Medien uns füttern“ erklärt Schlagzeuger Will Champion gegenüber der Süddeutschen Zeitung, und Sänger Chris Martin assistiert: „Mylo begegnet den modernen Elementen, die ihn und seine Freundin voneinander entfremden wollen mit Liebe, mit der zarten Kraft seines Herzens. Er schert sich nicht um Coolness.“ Für diese Erkenntnis hätte es nicht noch eines weiteren Coldplay-Albums bedurft.

Get Rich und sing mit Maffay

Sido und Bushido hat ein dicker Scheck dabei geholfen, das Kriegsbeil zu begraben. Dafür machen sie auf ihrem Album „23“ sogar gemeinsame Sache mit "Chefrocker" Peter Maffay. Da die beiden Rapper aber wissen, dass ihre Klientel ihr Interview mit ihrem alten Royal Bunker-Kumpel Marcus Staiger für die Berliner Zeitung sowieso nicht liest, geben sie das freimütig zu. Bushido exemplarisch: „Ja, aber zum Glück muss ich das (Texte schreiben, A.d.A.) nicht so oft machen. Wir haben vier Monate Vertrag verhandelt und sechs Wochen Musik gemacht. Musik ist ungefähr 20 Prozent, und Geschäft ist 80 Prozent.“

Roboter im Museum

Kraftwerk gibt es jetzt auch im Museum, somit muss sich das verbliebene Gründungsmitglied Ralf Hütter endlich nicht mehr auf der Bühne verdingen. Trotzdem gab er drei umjubelte Konzerte im Vorfeld der Kraftwerk-Ausstellung in München, welche die Band aus Düsseldorf in aufwändigen 3D-Projektionen zeigt. Dem Internet gegenüber zeigt sich Kraftwerk trotzdem weiter zugeknöpft, wie Elias Kreuzmaier für die TAZ feststellt: „Wäre es da nicht naheliegend, Konzerte einfach ins Internet zu verlegen? Trotz zeitloser Musik ist auch Kraftwerk-Lenker Ralf Hütter älter geworden: Er gilt als Skeptiker in Bezug auf die neuen Kommunikationsmedien.“

Auf dem Weg nach unten

Britney Spears (Ja, die Ur-Gaga gibt’s noch) war in Köln zu Gast, Eric Pfeil hat das Konzert für die FAZ besucht und „ein Gay-Event des Kölner Karnevals in einer vor den Stadttoren gelegenen Riesendisco“ gesehen. Offenbar wurde dabei, worauf sich die Spears in letzter Zeit zu wenig konzentriert hat: „Wenn sie nicht weiter abstürzen will, sollte sie sich vielleicht doch wieder mehr auf die Musik konzentrieren.“ Aber wollen wir das wirklich?

Lana del Retro

Was hat der Internet-Hype Lana del Rey mit Simon Reynolds Buch „Retromania“ zu tun? Sie bestätigt die zentrale These des Buches: „In keiner Epoche der Popgeschichtsschreibung war die Rückbesinnung auf schon mal Dagewesenes so gegenwärtig wie in den vergangenen zehn Jahren.“ Schuld hat laut Reynolds natürlich das Internet, „der einfache Zugang zu unendlichen Kulturdatenbanken wie YouTube oder dem iTunes Store (haben) nicht zu einer ästhetischen Progression geführt, sondern zu einem Stillstand der musikalischen Originalität.“ Rabea Weihser von der Zeit hat das Buch freundlicherweise gelesen und spricht trotz des darin geäußerten Pessimismus eine Leseempfehlung aus, der wir uns unwidersprochen anschließen.

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