Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Tom Waits, Feist, Justice und vielen Reunions

Es ist Freitag, und Florian Schneider hat wieder im Feuilleton geblättert. Faz, Süddeutsche und Co. haben sich diese Woche mit den Alben von Justice und Tom Waits auseinandergesetzt, Feist in Berlin gesehen und die Reunion der Stone Roses bestaunt.

Kölsch

Der ewige Tom Waits hat inzwischen sein zwanzigstes Studioalbum veröffentlicht. „Bad As Me“ ist nicht nur das erste Waits-Album, das sich Erdmöbel-Sänger Markus Berges für die Zeit in den letzten 20 Jahren angehört hat, er stellt auch klar, wieso Tom Waits für ihn in den letzten Jahren ein No-Go war: „Was an Tom Waits nervt: die ewige Whiskey-Stimmverstellerei, (…), der nighthawk, (…), der Gaukler, (…), das linkisch von Beruf (sein), (…), dass man seine Songs erfolgreich einkölschen kann.“ Angesichts soviel Richtigem bleibt es fast eine Randnotiz, dass „Bad As Me“ Berges erstaunlich gut gefällt.

Alt

Justice sind noch nicht soweit wie Tom Waits, ihr zweites Album klingt trotzdem ganz schön „altertümlich“ wie Arno Raffeiner in der Taz feststellt. „Vektorgrafikmusik“ sei das, was die beiden ehemaligen Grafiker de Rosnay und Augé machen würden, eine „synthetische Prog-Emulation in 2-D“, bei der „man (sich) wundern (mag), wo das Jetzt in dieser Musik geblieben ist“. Ob das ausreicht noch einmal mehr als eine halbe Million Exemplar zu verkaufen? So oft ging nämlich der Vorgänger „Cross“ über die Ladentheke.

Weizen

Feist stellte ihr neues Album „Metals“ auf ihrem einzigen Deutschlandkonzert vor, natürlich in Berlin. Ob es daran lag, dass Tobi Müller von der Berliner Zeitung ein Phänomen bemerkte, dass er „Sitzekstasen“ nennt. Das derart aufgeladene Publikum darf „zum Schluss des Abends auf der Bühne noch etwas kuscheln“, während „Feist das Licht dimmt“. In dieser zweisammen Stimmung fällt es dann auch keinem nachhaltig auf, dass „sie ihre größten Hits gar nicht gespielt hat“.

Ale

Reunions noch und nöcher, und Christoph Dallach von SPON fragt zurecht, „ob Helden von Gestern ihren guten Ruf heute für eine Handvoll Pfund ruinieren dürfen“? Altrocker müssen ja auch mal an die Rente denken, und wenn man wie die Stone Roses schon alles vorher verjubelt hat, freut man sich über zwei innerhalb von 14 Minuten ausverkaufte Konzerte mit insgesamt 150.000 Besuchern. Trotzdem gibt es offenbar feine Unterschiede bei Reunions. Während Pulp, Blur, Suede, Pavement, Take That mit Robbie Williams oder in Deutschland die Beginner in einen Topf gehören, stört sich Dallach an der Reunion von Mazzy Star weniger, „wirklich überraschend“ und „unerwartetes Lebenszeichen“ fallen da. Aber Hope Sandoval und David Roback waren auch nie so erfolgreich, dass man ihnen jetzt Geldgier zum Vorwurf machen könnte...

Molle

Apropos Comeback: Lou Reed hat eine Platte mit Metallica aufgenommen ("Lulu"). Dietmar Dath verklärt das Werk der abgehalfterten Musiker in der FAZ zur "CD der Woche" und versteigt sich sogar zur Aussage - "und das ist als Kompliment gemeint": "wärmste Kuschelrockplatte aller Zeiten". Nun möchte man sich beim besten Willen nicht ausmalen, mit wem man zu diesem uninspirierten Gemucke kuscheln könnte, aber vielleicht ändert sich das nach zwei-drei Bierchen, wer weiß das schon. Prost!

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